Objektiv betrachtet – ganz subjektiv

Es mag unbescheiden klingen, aber ich bin ein begehrtes Photomotiv. Das liegt nicht an meinem umwerfenden Aussehen, sondern an dem Umstand, daß Rock tragende Männer in freier Wildbahn eine Seltenheit sind. (Viele von uns rocken leider aus Angst vor Repressalien „lieber“ zuhause und lassen sich dabei vor Gelsenkirchener Barock mit Selbstauslöser ablichten.)
Ich vermute, daß ich in einigen Alben zwischen Archangelsk und Washington D. C. verewigt bin, ohne es zu wissen. Mit dem nötigen Rampensaugen ausgestattet bin ich auch nicht kamerascheu. Wenn ich gefragt werde, ob ich vor einem Wischtelefon mit oder ohne mir wildfremden Mitmenschen posieren soll, lehne ich selten ab. Manchmal animiere ich Jugendliche auch dazu, mich in ruhiger Stellung abzulichten, als nur einfach heimlich auf den Auslöser zu drücken.

Etwas vollkommen anderes ist es jedoch, wenn ich mich in professionelle Hände begebe. Das tat ich bisher erst zweimal. Einmal zwangsweise vor rund 15 Jahren, als ich Bewerbungsphotos anfertigen ließ, und einmal freiwillig, als Raimund Verspohl auf Twitter die Reihe „Ich photographiere meine Follower“ – #ipmf – ins Leben rief.

-12 Diotptrien attraktiv inszeniert. (© Raimund Verspohl)

-12 Diotptrien attraktiv inszeniert. (© Raimund Verspohl)

Es dauerte eine Weile, bis ich im Verlauf des freiwilligen Shootings auftaute. Über einen längeren Zeitraum Motiv eines zielgerichteten Objektivs zu sein, ließ mich eher verkrampfen, anstatt entspannt darüber hinweg zu sehen. Raimund gelang es, alsbald mit seiner Kamera so zu hantieren und sich dabei mit mir zu unterhalten, daß ich mich zunehmend entspannen konnte. Es machte dann sogar richtig Spaß, und ich war fast enttäuscht, als nach gut anderthalb Stunden alle Bilder auf der Speicherkarte hinterlegt waren.

Das Ergebnis kann sich, nicht nur subjektiv betrachtet, sehen lassen. Du hast mich saugut getroffen! Ich erkenne mich auf den Bildern einfach wieder, ohne mich vorher im beschlagenen Badspiegel zu vergewissern, daß ich es bin. Ich musste mich nicht verstellen, schminken, besonders posieren, sondern ich durfte ich sein.

Kurzsichtigkeit unsichtbar  (© Raimund Verspohl)

Kurzsichtigkeit unsichtbar (© Raimund Verspohl)

An dieser Stelle möchte ich mich bei Dir, lieber Raimund, noch einmal für das Shooting, die angenehme Unterhaltung dabei und das wirklich sehenswerte Ergebnis bedanken!
Gerne wieder – und dann auch gegen Bezahlung.

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Raimund Verspohl: Portraits | Blog | Twitter

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5 Gedanken zu “Objektiv betrachtet – ganz subjektiv

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