Altersteilzeit

Freuen Sie sich auch schon darauf, wenn Sie an Ihrem Arbeitsabend etwas kürzer treten dürfen?
Zugegeben: Die Frage ist wohl etwas unverschämt, wenn wir bedenken, daß wir mindestens bis 67, vielleicht sogar bis 70, arbeiten müssen und sämtliche Versorgungsmodelle danach, sagen wir mal, offen sind.

Dabei könnte es so schön sein. Wir haben lange und mit Freude gearbeitet, ins System eingezahlt und erfreuen unsere Vorgesetzten und Kolleginnen in den letzten zwei, drei Jahren mit unserer Anwesenheit. Wir betreuen kleine Projekte, die scheinbar unwichtig sind, erzählen Witze, die die Jüngeren nicht erzählen dürfen, weil sie dafür keine Zeit haben, entkalken regelmäßig die Kaffeemaschine, mit der sich eh niemand auskennt, haben vielleicht ein Kind auf dem Schoß, weil die Kindertagesstätte geschlossen hat, und bespaßen es.
Kurz: Wir lassen unser Arbeitsleben langsam ausklingen, fallen nicht wie Heinrich Lohse plötzlich und unerwartet unserer Familie auf die Nerven und tragen so zu einem guten Betriebsklima bei.

Daran muss ich denken, wenn Claudio Pizarro bei einer deutlichen Führung am Spielfeldrand steht und seine Einwechslung erwartet.
Er lächelt. Nein, er grinst. Nein, er freut sich wie ein kleines Kind. Er steckt sich sein inzwischen ein wenig über dem Bauchansatz spannende Trikot noch einmal in die Hose und hüpft so lange, bis er endlich rein darf. In diesen 15, 20 Minuten gibt er sein Bestes. Er läuft, er rochiert und wartet auf die Gelegenheit, die seinem Ruf als Torjäger und Schlitzohr gerecht werden. Dabei hat er sein spitzbübisches Grinsen im Gesicht. Nach dem Abpfiff besitzt er noch so viel Energie, um den Arbeitstag in entspannter Atmosphäre ausklingen zu lassen.

Ich konnte Claudio Pizarros Verpflichtung vor der letzten Saison nichts abgewinnen. Wenn er nicht spielt, stiftet er Unruhe, war mein Gedanke. Oder er sorgt für Schlagzeilen, die man nicht im Sportteil findet.
Nichts davon trat ein. Erwartungsgemäß spielt er nicht so regelmäßig wie andere. Aber das scheint ihn nicht zu stören. Die Aussicht, jeden Tag mit hervorragenden Fußballern trainieren zu dürfen, erscheint ihn zu erfreuen wie die berechtigte Hoffnung auf Titel am Abend des beruflichen Wirkens. Ich könnte jetzt noch von täglicher, sehr gut honorierter Bewegung an der frischen Luft schreiben, aber das führte wohl zu weit.

Dennoch scheint mir Altersteilzeit als letzte Arbeitsform eine schöne Übergangszeit bis zum vollkommenen Rückzug ins Privatleben zu sein.

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