Sommer, Sonne, Staatsregierung

Mit den Räumlichkeiten des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration bin nicht vertraut, aber sie scheinen recht abgeschieden und selbst nach vielen Sonnentagen sehr angenehm temperiert zu sein.
Anders kann ich mir die Pressemitteilung zum kalendarischen Sommeranfang nicht erklären.

Der zuständige Ministerin Emilia Müller ist es am heutigen Sonntag ein Anliegen, die Eltern zu bitten, „Auf den richtigen Sonnenschutz der Kinder (zu) achten“.
Denn: „Der Sommer steht vor der Tür. Es ist die Zeit, wo es Groß und Klein nach draußen vor die Tür zieht.“ Ach was! Vor zwei Wochen gab es bundesweit Temperaturen von rund 35 Grad im Schatten. Aber da war bekanntlich noch kein Sommer. Die Kinder hielten sich noch zuhause auf, die Freibäder wurden allenfalls von Bahnen schwimmenden Seniorinnen und Senioren bevölkert. Doch ist es bekanntlich nie zu spät vor der Sonne zu warnen: „Denn so schön das Spielen in der Sonne ist, sie hat bereits eine enorme Kraft.“ Bereits! Kraft hat sie spätestens seit April, Frau Staatsministerin! Der jetzige Aufforderung an die Eltern, „ ihre Kinder unbedingt vor zu hoher Sonnenbestrahlung schützen“, liest sich wie komplette Ahnungslosigkeit und blinder Wochenend-Aktionismus eines Beamten.

Ich habe keine Ahnung, wer zum Verteiler derartiger Pressemitteilungen gehört, und wer sie in Auszügen veröffentlicht. Anscheinend entgeht den Verfassern, daß selbst das kleinste Lokalblatt bei den ersten wärmenden Sonnenstrahlen des Jahres im Februar zurecht vor Sonnenbränden warnen. Spätestens im April haben wir im Kindergarten die nach frischer Luft lechzende Zielgruppe vor dem Rausgehen eingeschmiert (und uns die schriftliche Einverständniserklärung dafür geben lassen).
Und wie viele personelle Kapazitäten bietet so ein Verwaltungsapparat, wenn Zeit vorhanden ist, einen derart überflüssigen Text zu veröffentlichen, während Dinge wie die Fortschreibung und Entschlackung des BayKiBiG und die Entbürokratisierung im Umgang mit Flüchtlingen ewig auf sich warten lassen?

Zum kalendarischen Winteranfang wird das Bayerische Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration die Eltern wahrscheinlich anhalten, Kindern adäquate Bekleidung anzuziehen, während sich viele Flüchtlinge, für die auch dieses Ministerium zuständig ist, in den für sie vorgesehenen Baracken den Arsch abfrieren.
Aber mit wohlfeilen, gut gemeinten Worten zum Sonntag kann man wunderbar von den Versäumnissen im eigenen Haus ablenken.

Die PM ist noch nicht online.

[via @hrbruns]

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Ein Gedanke zu “Sommer, Sonne, Staatsregierung

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