Sportverletzung für Dummies

.Sport gehört seit frühester Kindheit nicht zu meinen bevorzugten Beschäftigungen. Bälle jeglicher Art verhalten sich mir gegenüber wie Kinder in der Trotzphase (damit konstruktiv und pädagogisch wertvoll umzugehen, habe ich gelernt), Laufen finde ich schon immer stupide. Ich sehe selten Jogger*innen, die Freude ausstrahlen, wenn sie ihr Pensum absolvieren. (Ich bezweifle nicht, daß es Glückliche unter ihnen gibt, scheinen meinen Beobachtungen nach jedoch eine sehr kleine Minderheit zu sein.) Durch Laufen, womöglich auch noch langes, wie es Joschka Fischer nach eigenen Bekundungen gelang, werde ich nicht zu mir finden. Einzig dem Radfahren und Wandern kann ich etwas abgewinnen.

So einer zieht sich einen Knieverletzung zu. Wie kann das passieren, wenn man keinerlei Sport betreibt?
Es begab sich vor zwei Wochen – und ging ganz einfach.
Man muss nur vom Sofa hopsen (springen wäre viel zu sportlich), wenn der Getränkemann klingelt, weil etwas am Boden liegt, an dem man durch komfortables Aufstehen nicht vorbeikommt. Man legt eine saubere Landung hin, indem man mit der ganzen Sohle am Boden aufkommt. Wie ein Telemark.
Ein stechender Schmerz setzte umgeghend ein, fortan zog ich das linke Bein hinter mir her. Die Hoffnung, daß die Verletzung durch konsequentes Kühlen über Nacht heilt, erfüllte sich nicht.

Nach einer Odyssee durch Notaufnahme (drei Stunden Wartezeit), Radiologie (Anreise Wörthstraße – Lucilie-Grahn-Straße mit halbwegs pünktlichen öffentlichen Verkehrsmittel: 50 Minuten) und niedergelassenem Orthopäden (dorthin fuhr ich dann mit dem Taxi) erfuhr ich meine Diagnose: Korbhenkelriss.
Wikipedia weiß dazu:

Ein Korbhenkelriss ist die Bezeichnung für einen parallel zu der Hauptrichtung der Fasern verlaufenden Meniskusriss. Der Meniskus wird dabei entlang seines Verlaufes längs gespalten, das vordere und hintere Ende des Fragmentes behält weiterhin Verbindung zum Rest des Meniskus. Der freie Rand disloziert in den Gelenkspalt und verursacht akute Schmerzen.

Daß es sauweh tut, kann ich bestätigen.
Und ich fühle mich selten dämlich. Zu meiner Entlastung möchte ich anbringen, daß ich schon länger leichte Schmerzen im linken Knie spürte, die mich nicht beeinträchtigten und ich weitgehend ignorierte, und Fußballer sich abseits ihres Berufs auf ähnlich kuriose Weise verletzt haben, wie „In den Knick“ schön aufgelistet hat. Wobei ich mir einen Bänderriss im Bett erklären kann, wenn man etwas aus der Übung ist.

Am vergangenen Montag Morgen fand ich mich in der sportorthoädischen Station des Klinikums Rechts der Isar ein. Dort war ich vor 25 Jahren, als ich wegen eines Kieferbruchs operiert wurde, schon einmal. Jubiläum kann ich!
Nachdem die diensthabende Krankenschwester mit einem wasserfesten Filzstift ein großes Kreuz auf die richtige Stelle gesetzt gesetzt hatte, wurde mein linkes Knie ahtroskopiert. Auf dem Weg in den OP wurde ich noch dreimal gefragt, was operiert werde. Vertrauen konnte ich den wenigen Minuten bis zum Einsetzen der Narkose schwer aufbauen. Doch nach dem Aufwachen in dem sich riesig anfühlenden Raum zweieinhalb Stunden später hatte ich die Gewissheit, daß zumindest an der richtigen Stelle Hand angelegt wurde. Zumindest tut das linke Knie immer noch weh und ist dicker als das rechte.

Bis Ende des Jahres werde ich nun durch die Wohnung humpeln, den Mitbewohner einkaufen schicken und Taxirechnungen anhäufen.
Im neuen Jahr gehe ich hoffentlich sehr schnell wieder arbeiten.

(Die Erlebnisse auf Krücken sind einen eigenen Text wert.)

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