Laut!

346. Polizeiruf 110: Familiensache (NDR/König & Bukow)

Wird im deutschen Fernsehkrimi ein Familiendrama aufgeklärt, ist Vorsicht geboten. Die Gefahr, alle Protagonisten in Tränen und Phrasen versinken zu lassen, ist sehr groß.
Eoin Moore, so etwas wie der Hauptautor und -regisseur des NDR-Polizeirufs, vermied das erfolgreich. Der neueste Fall der Rostocker Ermittler um Katrin König und Sascha Bukow wurde jedoch nicht weniger beklemmend, ja sogar beängstigend als viele andere Rührstücke. So war es ein gelungener Kniff, Betroffenen und Ermittlern gar nicht erst viel Zeit zum Nachdenken zu geben. Es musste schnell gehandelt und verfolgt werden, um einen Wahnsinnigen zu fassen.

Brillant: Andreas Schmidt als wahnsinniger Arn e Kreuz (Bild: NDR/Christine Schroeder)

Brillant: Andreas Schmidt als wahnsinniger Arne Kreuz (Bild: NDR/Christine Schroeder)

Verlassen von Frau und Kindern musste Arne Kreuz einsehen, daß seine Rettungsversuche – ihr Traumhaus! – zu spät kamen, um wieder ein harmonisches Familienleben zu führen. Andreas Schmidt spielte den Getriebenen, der nun seine ganze Framilie auslöschen wollte, brillant. Gerne für Loser gebucht, gab er dem gescheiterten Ehemann und Vater ein psychopathisches und beängstigendes Gesicht, das erschreckend realistisch wirkte. Hingebung (beim Schmücken der von ihm erwürgten Frau und Tochter) und brachiale Gewalt (beim Besuch bei seinen Schwiegereltern) wechselten sich ab. Dazwischen der abwesende Blick eines Menschen, der nicht Herr seiner Sinne ist und seine noch lebenden Kinder um sich scharen will. Ein Psychogramm allererster Güte!
Fein eingeknüpft war die Familienangelegenheit Bukows, der mitten bei einer Tatortbesichtigung erfuhr, daß seine Frau mit seinem Kollegen Thiesler fremdgeht. Viel Gelegenheit, sich damit zu beschäftigen, blieb dem knorrigen Bullen, der von Diplomatie so weit entfernt ist wie Rostock von den Alpen, nicht. Zwischen zwei Verolgungsjagden machte er Kollegen und Frau klar, wie er dazu stehe („Jeder parkt mal in ner falschen Garage.“), und daß er diesen Zustand nicht dulde.
Der Wettlauf mit der Zeit mündete in ein angemessenes Finale, daß der fremdgehende Kollege nicht schadlos überstand.

Authentische Charaktere, ein knackige Geschichte und passende Dialoge bescherten einen hervorragenden Kriminalfilm, in dem viel gebrüllt wurde, der nichts beschönigte und von bestechender Klarheit war. (9/10)

Advertisements

Ein Gedanke zu “Laut!

  1. Pingback: Tatort-Polizeiruf-Schnelldurchlauf November 2014 | Ansichten aus dem Millionendorf

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s