Eine Niederlage zum Genießen

Es war mir klar, daß ich erst wieder über ein Spiel schreibe, wenn es verloren gegangen ist. Ranten und Jammern auf hohem Niveau. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Weit gefehlt!

Ich gehe nicht so weit zu behaupten, am Dienstag die schönste Niederlage meines Lebens gesehen zu haben. Dafür war das entscheidende Gegentor kurz vor Schluss zu ärgerlich. Was ich jedoch zwischen der 20. und 85. Minute sah, hatte so gar nichts mit Niederlage zu tun.
Medhi Benatia brachte als letzter Mann Sergio Agüero im Strafraum zu Fall, sah zurecht Rot, und der Gefoulte brachte die Citizens in Führung. Erinnerungen an den vor zwei Jahren gegen BATE Baryssau ähnlich ungeschickt agierenden Jérôme Boateng wurden wach. Heute ist er cooler als Ernst Eiswürfel. Richtig uncool fand es wohl Sebastian Rode, der unmittelbar danach für Dante Platz machen musste, obwohl er vielversprechend auftrat.

Daß aus dem unbedeutenden Kick am vorletzten Spieltag der Champions League-Vorrunde recht unerwartet ein Planspiel wurde, sah der Kneipenbesuch nicht vor. Im Rahmen unserer Möglichkeiten – wir Drei sahen uns länger nicht – beschränkten wir unsere Gespräche auf das Nötigste und konzentrierten uns fortan auf das Spiel.
Nach einiger Zeit frisch sortiert erzwang sich der FCB Standards (zum Glück keine Ecken), und Xabi Alonso erwies sich abermals Meister des unter der Mauer hindurch geschossenen Freistoßtores. Undankbar für den Gegner im Allgemeinen und Joe Hart im Speziellen, der aussah wie ein englischer Torwar nach gängigem Klischee aussieht, obwohl es wenig zu halten gab. Aber Mauerstellen und so. Vor der Pause köpfte Robert Lewandowski die Führung, und ich war beeindruckt. Vielleicht waren das die besten 25 Minuten, die die Spieler in dieser Saison boten. Man spricht gerne davon, daß eine Mannschaft eine Reaktion zeigen müsse. Es gelang ihr eindrucksvoll.
Euphorie brach in der Kneipe nicht aus, aber die Halbzeitzigaretten vor der Tür waren mehr Genuss als Stress. Irgendwas zwischen „Geht ja um nix“ und „Super gemacht“ war der Tenor.

In der 2. Halbzeit hielten sich die Citizens zwar vornehmlich in der gegnerischen Hälfte auf, doch Raum und Zeit schienen ihnen abzugehen. Daß der FCB Rückstand und Platzverweis kompensieren kann, war Konsens. Die Gespräche abseits des Bildschirms nahmen zu und wurden nur von der Auswechslung Lewandowskis für Xherdhan Shaqiri unterbrochen, die wohl so nicht geplant war. Aber auch Pep kann sich mal vertun, wenn man dem 4. Offiziellen die falsche Rückennummer übermittelt. (Hat eigentlich niemand den Trainer gefragt, wer statt seiner raus sollte?)
Bei der Einwechslung Schweinsteigers kurz davor büllte ich „BASTIAN SCHWEINSTEIGER FUSSBALLGOTT!“ und stiftete kurzzeitig Verwirrung in der Kneipe. Ich hatte zwar war keine fechten Augen wie Anfang des Jahres beim Pokalsieg in Hamburg, als er erstmals nach langer Verletzung eingewechselt wurde, werde jedoch mit den Fans nicht mehr warm, die so etwas einfach nur zur Kenntnis nehmen.
Plötzlich ging es sehr schnell, und es stand auf 3:2. Individuelle Fehler. Fehlende Konzentration. Passiert. Schnelles Zahlen. Die Kneipe leerte sich im Minutentakt. Einige waren sicher sauer. Zehn Euro Mindestumsatz, und dann verlieren die Bayern!
Zurück blieben Drei, die begeistert waren.

Vielleicht war es nicht die schönste, aber es war eine Niederlage zum Genießen.

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