Fatale Wunschzettel

928. Tatort: Das verkaufte Lächeln (Batic & Leitmayr/BR)

Knackiger Stoff zwischen den Jahren: Jugendliche stellen im Internet gegen Erfüllen von Wunschlisten ihren Körper zur Schau. Einer von ihnen wird erschossen an der Isar aufgefunden. Ins Visier gerät alsbald ein Mann (angemessen glatt: Maxim Mehmet), der als junger Familienvater und Jugendtrainer ein Bilderbuchfamilienleben führt.

Leitmayr (Udo Wachtveitl) versucht, die Jugendlichen (Anna-Lena Klenke) zu verstehen. (Bild: Elke Werner/BR)

Leitmayr (Udo Wachtveitl) versucht, die Jugendlichen (Anna-Lena Klenke) zu verstehen. (Bild: Elke Werner/BR)

Die Kommissare Batic („Mit Apps kannst ebb’s machen.“) und Leitmayr haben nicht sehr viel Ahnung vom Internet. Also muss ihnen der junge Assistent Kalli (Ferdinand Hofer) helfen, wie man an gelöschte Daten und Passwörter rankommt. Das ist grauer, immer weißer werdender Tatort-Alltag und ermüdet ein wenig.
In „Das verkaufte Lächeln“ steht die Ahnungslosigkeit der älteren Männer auch sinnbildlich für immer noch zu viele Eltern, die dem Netz aus dem Weg gehen und nicht mitbekommen, was ihre Kinder dort treiben, was der Ahnungslosigkeit einen erträglichen Rahmen gibt.

Vielleicht ist der Film ein wenig zu sehr Aufklärfilm, weil – leider typisch – ziemlich viel erklärt wird, wenn deutliche Bilder sprechen. Dank der jungen Darsteller (Anna-Lena Klenke, Nino Böhlau und Justus Schlingensiepen) und Katharina Marie Schubert als Mutter ist er lebendig.
Autor Holger Joos verzichtet dankenswerterweise darauf, die eine Ursache für das Verhalten der Jugendlichen zu suchen und umschifft damit Klischeefallen. Die Motive, sich im Internet zu verkaufen, sind verschieden. Andreas Senn bewegt sich mit der Umsetzung am Rande des Voyeurismus. Ein, zwei Einstellungen mehr, und es wäre zu viel des Guten geworden. Glaubt man den jugendlichen Darstellern, hielt er sehr viel Rücksprache mit ihnen.

Ich kritisiere gerne und oft, daß in Filmen das Internet immer nur böse dargestellt wird. Diesen Tatort möchte ich davon ausklammern, weil er als Appell, sich als Eltern mit dem Netz zu beschäftigen, verstanden werden kann. Das umfangreiche Kompendium, das der BR auf seiner Website zur Verfügung stellt, bietet als Einstieg ein wenig Hintergrund zum Thema an.
Dennoch wünsche mir ich einen Tatort, in dem die Fähigkeiten des Internets gezeigt werden. (7/10)

Weitere Meinungen: Les Flâneurs, Wie war der Tatort, Tatort-Forum

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