Freitagsgeburtstagspieltagsfeier

FC Bayern München – 1. FC Köln & 115. Geburtstag

Das Saatkorn, das wir gesät haben, ist herrlich aufgegangen. (Bild: @Fischer89Martin)

Das Saatkorn , das wir gesät haben, ist herrlich aufgegangen. (Bild: @Fischner89Martin)

Entweder ist es das Alter oder die Macht der Gewohnheit, dass ich Fußballspiele, so ich sie nicht vor Ort anschaue, am liebsten auf Großbildleinwand sehe. Mein Fernseher ist nicht klein, aber die Spieler wirken auf dem Bildschirm inzwischen sehr klein. Ein neues Gerät zu kaufen will ich noch nicht, da das derzeitige mein erster selbst gekaufter neuer Fernseher ist. Und das mit Mitte 30. (Der erste selbst erworbene Fernseher war ein gebrauchter, der bei mir keine zwei Jahre überlebte, was mich zur Anschaffung eines neuen animierte.)
Gestern war es so, dass mir Bild auf der großen Leinwand im Backstage sehr unscharf vorkam. Ich fragte meinen Begleiter, ob das an mir oder der Leinwand läge. Er sehe immer schlecht, war seine Antwort. So blieb diese Frage offen.

Offen blieb auch die Frage, wie das gestrige Spiel, zu dem wir unter anderem das Backstage aufsuchten, ausgegangen wäre, hätte Manuel Neuer gegen seinen potentiellen Ex-Verein nicht mehrmals sehr gut gehalten und somit den überraschenden Ausgleich verhindert. Den indirekten Freistoß, den er nach der mit Hand aufgenommen Rückgabe von Jérôme Boateng verursachte, hielt er auchmusste er nicht halten, weil den Thomas Müller abblockte.
Wir hatte gerade Platz genommen und das erste Bier gekauft, als Bastian Schweinsteiger nach einer Ecke (!) von Arjen Robben das 1:0 köpfte. Wir jubelten, erst danach kamen wir dazu, den ersten Schluck zu nehmen. Beim dritten Schluck stand es bereits 2:0, und wir begannen uns auf einen sehr entspannten Abend einzustellen.
Doch irgendwie legte die Mannschaft die Entschlossenheit ab, was den defensiv aber nicht devot auftretenden Kölnern nach anfänglichem Zögern gefiel. So war das 2:1 mit dem Pausenpfiff nicht unverdient.
Es folgte die erwähnte Viertelstunde von Manuel Neuer, für die er zu Recht vom Trainer geherzt wurde. Sky blendete die Ankündigung einer Dokumentation über den ungeliebten Untermieter ein, woraufhin das berühmte Bayernligalied angestimmt wurde. Mitten im Gesang fiel das 3:1. 30 Sekunden, die wunderbar choreographiert waren.
Besser konnte die Stimmung an den Bierbänken nicht mehr werden! Das 4:1 war eine nette Zugabe – für Robert Lewandowski (dafür steht er eben da, „wo ein Stürmer stehen muss“, auch wenn es unnötig erscheint) wie für uns Zuschauer.
Am Ende standen zwei Augustiner Hoibe gegen vier Tore, was man als durchaus ausgeglichene Bilanz ansehen kann.
(Gehaltsvoller wird das Spiel wie immer bei Miasanrot aufbereitet.)

115 Jahre FCB im Backsatge

115 Jahre FCB im Backsatge

Während Matthias Sammer nach dem Spiel wieder den im Winter vor starkem Schneefall warnenden Meteorologen gab, indem er Schlendrian, Bruder Leichtfuss und andere unseriöse Gesellen geißelte, entkam Holger Badstuber im Interview mit Christina Rann in der Bezahlfernsehboazn „Mein Stadion“ ein kurzes Lächeln. Man musste schon genau hinschauen, aber er lächelte. Vielleicht war es auch nur ein Schmunzeln, doch das ist egal. Badstuber scheint es sehr gut zu gehen, das ist für mich die Kernaussage. Denn Allgäuer lächeln nicht grundlos. Und der FCB braucht den Großmeister des gepflegten Querpasses, der mit Boateng das humorloseste wie coolste Abwehrduo der Bundesliga bildet.

Und dann wurde gefeiert. 115 Jahre FC Bayern.
Was wir in München eben so „Feiern“ nennen. Das Backstage ist der einzige namhafte halbwegs abgefuckte Schuppen, den wir in der Stadt haben. Selbst die Umgebung ist noch unmotiviert hässlch. Aber die Stadtentwicklungspolitik arbeitet seit einigen Jahren fleißig daran, dass das Umfeld auch architektonisch geweiht greislig wird.
Welche Musik spielt man?
„Skandal im Sperrbezirk“, klar. „Fürstenfeld“, auch logisch. Und die Erste Allgemeine Verunsicherung sowieso.
Aber „Bochum“?
Mir erschloss sich die Fanfreundschaft zwischen dem FC Bayern und dem VfL Bochum nie. Da aber Hermann Gerland neben den Gebrüdern Schweinsteiger der beste Mann im Verein ist, gröhlten wir eben mit voller Inbrunst „Ich komm aus Dir“, auch wenn wir den Slang, wie ihn der Kuttenträger aus Herne, dessen Mutter während jeder Sommerpause die Weste auf ansehnlichen Vordermann bringt, nie wiedergeben können.

Hinter den Kulissen des Club Nr. 12

Hinter den Kulissen des Club Nr. 12

Sehr schnell sehr müde, schaffte ich es mit Mühe, bis 1.15 Uhr durchzuhalten. Das Durchhalten lohnte sich jedoch, da uns Napto, Kuhstaller und Konsorten Einblick ins Headquarter des „Club Nr. 12“, dem Fanherz des Vereins, gewährten. Eine Werkstatt, in der Choreographien entstehen wie die zum 115. Geburtstag. Ein Ort, der den Verein zu Reflexion veranlasst, auf die er bisweilen gern verzichtete.

Es war ein Abend, den ich weder auf Großbildleinwand noch am heimischen Fernseher hätte erleben können.
Liebe ist irrational. Egal, wie schlecht ich sehe – ich kann sie mir nicht schön trinken.
Will ich auch nicht.

Nota bene: Ich bedanke mich beim Club Nr. 12 und @StefKohlsen für zur Verfügungstellung von Choreographiebildern. Ich entschied mich für das von @Fischer89Martin. Vielen Dank!

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