Schwer

349. Polizeiruf 110: Sturm im Kopf (König & Bukow/NDR)

Leicht sieht anders aus (Bild: NDR/Christine Schroeder)

Leicht sieht anders aus (Bild: NDR/Christine Schroeder)

Leicht fällt im Rostocker Polizeiruf nichts. Jede Ermittlung ist Arbeit. Physisch, wenn Sascha Bukow seinen massiven Körper durch Stadt und Hafen wuchtet, psychisch, wenn seine Kollegin Katrin König an ihre Grenzen gerät, weil sie von ihrer unschönen Ermittlerinnenvergangenheit eingeholt wird.
Wie die Vergangenheit immer eine Rolle spielt, weil Redaktion und Autoren Wert auf serielles Erzählen legen. So erfährt man, wie die Liaison zwischen Bukows Frau und seinem Kollegen weitergeht. (Gar nicht, und der Kommissar darf auch nur noch die Betreuungszeiten der gemeinsamen Kinder verhandeln.)

Dass die Geschichte um den Mord in der Energiebranche arg verschachtelt ist, stört nicht weiter, weil die Figuren, die dort involviert sind, nicht nur skizziert werden. Sei es der hochtrabende Manager, der seine Präsentation auf der Firmentoilette vorbereitet, berechnende Sekretärin, die mit einem Ermittler ins Bett steigt, um ihn hinterher bei seiner Verdächtigung als unglaubwürdig darzustellen, oder die undurchsichtige Staatssekretärin, der der Wind um die Ermittlungen beim Windenergieanbieter nicht recht ist. So hat es das sich immer noch skeptisch begegnende Ermittlerpaar, das frei von moralischer Überlegenheit ist, schwer, sich in diesem Geflecht zurecht zu finden. König und Bukow wissen nur: Es ist der beschwerliche, nicht der offensichtliche Weg, der zur Lösung des Falls führt. Und die Stadt strahlt auch keine Leichtigkeit aus.

Es ist die schwere Kost, die man abends nicht essen soll, die aber so gut schmeckt und den Tag abrundet. (8,5/10)

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