Haltet die Kinder raus!

Ein Appell an meine Kolleginnen* und die Gewerkschaften

Für den Sozial- und Erziehungsdienst – in ihm sind Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen, Sozialpädagoginnen, Heilerziehungspflegerinnen, Heilpädagoginnen, also für alle, die in Krippen, Kindergärten, Jugendzentren, Wohngruppen, Behindertenhilfe, etc. arbeiten, vertreten – wird derzeit ein neuer Tarifvertrag verhandelt, weil der 2009 verabschiedete von den Arbeitnehmervertretern gekündigt wurde. Ziel des neuen Tarifvertrags ist eine angemessenere Bezahlung, damit sich z.B. eine alleinerziehende Kinderpflegerin eine Stadt wie München leisten kann.
Es liegt in der Natur der Sache, dass die Arbeitgeberseite, vertreten von der öffentlichen Hand, die Forderungen nicht so toll findet und entgegen der Sonntagsreden ihrer Repräsentanten, also der Politiker, sich erst einmal querstellt. Die Rhetorik ist während dieser Zeit eher rustikaler Art und nichts für Schöngeister.
So weit, so gut.

Erzieherinnen lassen Kinder sprechen.

Erzieherinnen lassen Kinder sprechen.

Aber jede Kampagne, jeder Streikaufruf hat Grenzen.
Mich stoßen Plakate, auf denen Kinder abgebildet werden, ab. Ja, wir arbeiten mit Kindern. Nur: sie können wirklich nichts dafür, dass wir so schlecht bezahlt werden. Es sind Erwachsene, die meinen, dass unsere Bezahlung ausreichend ist!
Es hat für mich etwas mit Berufsethos zu tun, dass ich Kinder nicht für meine Interessen instrumentalisiere und ihnen Sätze, die so eh nie sagen würden, in den Mund lege. Sie würden uns sicher die beste Bezahlung gönnen, wenn sie sich in unserer Obhut wohlfühlen. Aber sie sind nicht die unfreiwilligen Handlanger unserer teilweise verheerenden Außendarstellung.
Also, liebe Kolleginnen, liebe Gewerkschaften: Haltet die Kinder raus!

Und wenn ich schon beim Meckern bin…
Wenn wir streiken und Kundgebungen veranstalten, können wir uns bitte auch darauf achten, dass die Banner frei von Rechtschreib- und Interpunktionsfehlern sind? Wir arbeiten in Bildungseinrichtungen! Es ist eine peinliche Außendarstellung, wenn fehlerhafte Kundgebungsplakate in den sozialen Medien verbreitet werden und so den Weg in Nachrichtensendungen oder Zeitungen finden.

Von den uns vertretenden Gewerkschaften wünsche ich mir eine Kampagne, die nicht nur aus Unterschriftenlisten und schlechter Menüführung besteht. Banner für Blogs, Facebook, Twitter, die man auf seine Website einbinden oder als Avatar verwenden kann, wären in der heutigen Zeit ganz sinnvoll. Wenigstens ist der Hashtag #aufwerten einigermaßen griffig.

* Generisches Femininum; es sind also auch Kollegen gemeint.

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