Die Fremdenfeindlichkeit sitzt in der Mitte der Gesellschaft

Wir müssen uns verabschieden. Endlich verabschieden vom Glauben, Übergriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte seien rein das Werk rechter Gewalt. Wir müssen auch die endlich die Augenwischerei beenden, dass diese Anschläge nur in wirtschaftlichen Randbezirken der Republik verübt werden.

Reichertshofen im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm zeichnet sich durch eine stetig wachsende Bevölkerung aus. Man kann davon ausgehen, dass die Menschen nicht alleine wegen der schönen Landschaft und guten Luft dorthin hinziehen. Remchingen ist „Mittelpunkt der Entwicklungsachse Karlsruhe-Pforzheim“, einer Region, deren Bevölkerungszahl seit Jahren stabil ist. In keiner der beiden Gemeinderäte sitzen Vertreter rechter Parteien (nicht mal Grüne und Linke). Prien am Chiemsee ist ein beliebter Ausflugs- und Urlaubsort, Waldaschaff nagt auch nicht am Hungertuch bayerischer Infrastrukturpolitik. Von außen betrachtet gibt es folglich keinen Anlass zu glauben, extremistische Kräfte beeinflussten dort die Politik. Es ist alles gut bürgerlich im besten Wortsinn.
Dennoch sagt es viel über Deutschland aus, wenn dort bedürftigen Menschen mittels Brandsätzen ihre Existenzberechtigung abgesprochen wird. Die Fremdenfeindlichkeit sitzt in der Mitte der Gesellschaft!

Wir müssen aufhören, uns in die Tasche lügen, indem wir gelebte Fremdenfeindlichkeit alleine wortgewaltigen Nationalkonservativen und Rechtsextremisten zuschreiben. Gerade die Debatte um Griechenlands Schulden hat deutlich gezeigt, dass der Populismus auf Kosten anderer Nationalitäten von Vertretern beider großer Volksparteien befeuert wird. Er schürt Ressentiments und lässt sich eben auch auf Flüchtlinge übertragen. Bei Pegida und seinen bundesweiten Ablegern lief nicht nur der braune Bodensatz der Bevölkerung mit. Kommunale Mandatsträger einer im bayerischen Landtag vertretenen Oppositionspartei bedienen sich xenophober Rhetorik. Wir müssen die Tatsache annehmen, dass Fremdenfeindlichkeit ein gesamtgesellschaftliches Problem ist und dagegen steuern. Sie lediglich an den rechten Rand zu schieben, verhindert die notwendige Auseinandersetzung, die nicht alleine Aufgabe der Politik ist.
Es wird nicht lange dauern, bis es wieder verletzte und tote Flüchtlinge nach Anschlägen geben wird. Uns eine weltoffene gesellschaftliche Mitte einzureden und uns dafür auf die Schulter zu klopfen, begünstigt das.

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Ein Gedanke zu “Die Fremdenfeindlichkeit sitzt in der Mitte der Gesellschaft

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