Tramvent: 14. Tür

Straßenbahnen haben weniger Türen als Adventskalender. Dennoch fahren sie weitaus länger, als der Inhalt der Kalender vorhält. Deshalb gibt es hier während der stillen Tage, in den Trambahnen noch voller als sonst sonst, eine kleine Huldigung an die zarteste Versuchung, seit es Nahverkehr gibt.
Aber für jede Tür gilt: bitte erst aussteigen lassen!

Beiwagen

Bei den meisten mittleren und größeren Betrieben war es üblich, dass Straßenbahnen mit Anhängern fuhren. Eine zweiachsige Tram hatte kein großes Fassungsvermögen, dass sie mit Anhänger auf maximal 70 Fahrgäste kam; heute nimmt eine rund 25 Meter lange Bahn knapp das Doppelte auf. Gewöhnlich waren auf stark frequentierten Strecken Drei-Wagen-Züge.

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Historischer Drei-Wagen-Zug mit Zweiachsern in Darmstadt (Bild: @lando_muc)

Die elektrische Ausrüstung der Beiwägen war rudimentär. Die Einrichtungsbeiwägen hatten Hilfsfahrschalter für Rangierfahrten. Mehr wurde auch nicht benötigt, weil es in den Fahrzeugen SchaffnerInnen gab, die sich neben dem Fahrscheinverkauf auch um das Schließen der Türen, das Blinken und die Ansage der Haltestellen kümmerten. Erst nach dem 2. Weltkrieg war die Ausstattung etwas komplexer, die durch notwendige Umbauten bzw. in Neubaufahrzeugen unter anderem auch die Türsteuerung beinhaltete.

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Vierachsiger Beiwagen hinter achtachsigem Triebwagen in Düsseldorf

Mit Einführung der Gelenktriebwagen wurden Beiwägen seltener. Im Westen setzte nur noch die Düsseldorfer Rheinbahn bis vor wenigen Jahren konsequent passende, kleinere Beiwägen hinter ihren Triebwagen ein. In einigen wenigen Städten wurden gleichgroße Gelenkbeiwagen hinter Gelenktriebwagen eingesetzt. Bremen, Wien und die Ludwigshafener Rhein-Haardt-Bahn setzten sie in Serie ein; in München fahren die P/p-Züge unter der Woche immer noch.
Weiterer Verbreitung fanden Beiwägen noch in der DDR und anderen osteuropäischen Ländern, was einerseits Fahrzeugen auf Basis veralteter Technik zu verdanken war, andererseits der Tatra-Züge mit der Kombination TW+BW bzw. TW+TW+BW.

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Gelenkbeiwagen hinter Gelenktriebwagen, in München P/p-Zug genannt

Mit der Verbreitung der Niederflurwagen starben die Beiwägen nahezu völlig aus. Lediglich in Darmstadt, Rostock und Leipzig beschaffte man eigens Niederfluranhänger, die man anfangs hinter Hochflurtriebwagen einsetzte.
Heute setzt man längere Fahrzeuge oder Zugverbände aus Triebwagen ein, die laut der bundesweit gültigen Betriebsordnung Straßenbahn (BO Strab) maximal 75 Meter sein dürfen.

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