Tramvent: 22. Tür

Straßenbahnen haben weniger Türen als Adventskalender. Dennoch fahren sie weitaus länger, als der Inhalt der Kalender vorhält. Deshalb gibt es hier während der stillen Tage, in den Trambahnen noch voller als sonst sonst, eine kleine Huldigung an die zarteste Versuchung, seit es Nahverkehr gibt.
Aber für jede Tür gilt: bitte erst aussteigen lassen!

U-Bahn, echt

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Metró Budapest, Baujahr 1896 (Bild: @Wochenendrebell(

Nachdem ich Ihnen am Montag unechte Möchtegern-U-Bahnen vorgestellt habe, dürfen der Vollständigkeit halber echte U-Bahnen nicht fehlen.

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Berlin, Wittenbergplatz. Der 1912 eröffnete Bahnhof ersetzte den kleineren Bau von 1902.

Ich mache es kurz.
Eine richtige U-Bahn fährt unabhängig von anderen Verkehrstrassen. Das heißt, Ampeln, Fußgängerübergänge und andere Hindernisse interessieren sie nicht. Eine U-Bahnstrecke ist die Autobahn unter den ÖPNV-Trassen.

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Die erste Hamburger U- bzw. Hochbahnstrecke, ist die 1912 eröffnete Ringbahn; hier in Barmbek.

In Deutschland sind Berlin, Hamburg, München und Nürnberg Städte, die ein räumlich vom übrigen Verkehr getrenntes Schienensystem haben (S-Bahnen ausgenommen), das man U-Bahn nennen darf. Dazu gesellen sich noch die speziellen, bayerischen Fälle Garching und Fürth, die über München und Nürnberg an das U-Bahnnetz angeschlossen sind. In Hamburg verlässt die U-Bahn sogar die Landesgrenze; die U1 endet auf ihrem Nordast im schleswig-holsteinischen Norderstedt.

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Der inzwischen vollkommen anders aussehende Bahnhof Münchner Freiheit ist Bestandteil der 1971 eröffneten U6.

Berlin hat – wenig überraschend – das älteste Netz. Die erste Strecke vom heutigen Osthafen zum Potsdamer Platz wurde im Februar 1902 eröffnet. Im damals selbstständigen Schöneberg wurde 1910 die zweite U-Bahnstrecke eröffnet.

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Zwischen Nürnberg und Fürth verkehrt die U-Bahn teilweise als Hochbahn.

So ist Hamburg mit Eröffnung der Hochbahn 1912 erst die dritte Stadt.

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Ein Charakteristikum der Berliner U-Bahn ist die Oberbaumbrücke.

Dann passierte lange nichts. Es wurde 1938 in München begonnen, eine U-Bahn zu bauen. Nach drei Jahren war erst einmal wieder Schluss, weil Krieg wichtiger war. Der fertiggestellte Tunnel diente über 25 Jahre der Schwammerlzucht, bevor er in die heutige Strecke zwischen Marienplatz und Goetheplatz integriert wurde. 1971 war es dann auch in München so weit.

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Der derzeit neueste U-Bahnhof in Hamburg ist HafenCity Universität.

Ein halbes Jahr später folgte die U-Bahn in Nürnberg. Das ungeliebte Fürth wurde zehn Jahre später, 1982, angebunden.

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In München wurde der 1994 eröffnete Bahnhof Fröttmaning 10 Jahre später wegen des neuen Stadions nach Norden verlegt.

Ein nettes Detail ist ist, Berlin als größte Stadt das größte Netz, Nürnberg als kleinste Stadt das kleinste U-Bahnnetz hat. Dazwischen liegen Hamburg und München.

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Al einzige Stadt in Deutschland setzt Nürnberg auf der U3 fahrerlose U-Bahnen ein. (Bild: Daniel Schuhmann/Tramgeschichten)

Neubaustrecken werden derzeit in Berlin, Hamburg und Nürnberg gebaut. In München plant man noch. Dass eine weitere Stadt ein eigenes, richtiges U-Bahnnetz errichtet, ist in den nächsten Jahren nicht zu erwarten.

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