Tramvent: 23. Tür

Straßenbahnen haben weniger Türen als Adventskalender. Dennoch fahren sie weitaus länger, als der Inhalt der Kalender vorhält. Deshalb gibt es hier während der stillen Tage, in den Trambahnen noch voller als sonst sonst, eine kleine Huldigung an die zarteste Versuchung, seit es Nahverkehr gibt.
Aber für jede Tür gilt: bitte erst aussteigen lassen!

Wiesenweg

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Am Wiesenweg ist es heute noch so idyllisch wie 1989.

Manchen Menschen erscheint es sehr seltsam, dass man sich für Eisenbahnen und Straßenbahnen interessiert. Häufig sind es Menschen, die Autos als ihr Hobby angeben und das für vollkommen selbstverständlich halten. Man macht sich spätestens in der Jugend zum Nerd, auch wenn es den Ausdruck damals noch nicht gab. Damals nannte man es Außenseiter. 
Dabei ist es fast schon normal, dass sich kleine Kinder für große Maschinen aller Art interessieren. Bagger, Walzen, Eisenbahnen – Hauptsache groß und laut. Ich habe keine Ahnung, wann diese Faszination bei vielen verloren geht.

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Dörflicher Charakter in Günterstal. Die Endstation heißt auch Dorfstraße.

Wie ich zum Trambahnfreak wurde, kann ich nicht genau sagen. Ich kann nur Erzählungen aus meiner frühen Kindheit wiedergeben, deren Glaubhaftigkeit ich nicht anzuzweifeln habe.
Meine Großeltern lebten in Freiburg-Günterstal. Die Haltestelle Wiesenweg lag gerade mal 100 Meter von ihrem Haus entfernt. Mit der Linie 2 in die Stadt zu fahren, gehörte zum täglichen Ritual. Das schien mir zu gefallen.
Die Legende besagt, dass ich davon so sehr fasziniert war, dass Fahrer mir zuliebe beim Aussteigen am Wiesenweg freundlich zubimmelten. Da war es wohl um mich geschehen. Liebe auf den zweiten Klang!

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Blühende Landschaften

Sehr bald schaute ich im Esszimmer aus dem Fenster, um mich darüber zu informieren, welche Fahrzeuge im Einsatz waren. An Wochenenden wurde eine Straßenbahntour im damals sehr überschaubaren Netz zum obligatorischen Ausflug. Spaziergänge wurden mir versüßt, in dem mir versprochen wurde, dass wir auf alle Fälle mit der Straßenbahn zurückfahren würden. Und wenn mich das nicht überzeugte, machte mein geliebter Großvater mir die Straßenbahn. Hinter jedem 5. Baum war eine Haltestelle, an der angehalten wurde – natürlich, nachdem sie vom Fahrer ausgerufen wurde. (An meinem Großvater war ein begnadeter Pädagoge verloren gegangen, das nur am Rande.)

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Schnellfahrstrecke in Landwasser

Das Interesse intensivierte sich, und ich begann mich auch für Straßenbahnen in anderen Städten zu interessieren. So auch München. Dort wohnte ich seinerzeit nicht in Sichtweise der Trambahn. Wenn ich zum Schuttberg am Scheidplatz Schlittenfahren ging, nahm ich mir die Zeit, die ganz anders aussehenden Straßenbahnen ausführlich in Augenschein zu nehmen.

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Diese 1959 gebauten Bahnen wurden Sputnik genannt.

Vielleicht sind aber auch nur die Gene schuld daran. Der Vater meines Großvaters war Stationsvorsteher des Bahnhofs Bronsfeld in der Eifel. Manchmal wird ja die eine oder andere Generation übersprungen.

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