Lalique only in der Maxvorstadt

Vor 20 Jahren arbeitete ich als Aushilfe in einem Antiquariat, das regelmäßig Auktionen veranstaltete. Während meiner Tätigkeit wurden Zeichnungen, Bücher, Exlibris, Textilien und Photographien an drei Tagen versteigert. Speziell bei den zum Teil namhaften Photos (u.a. von Heinrich Hoffmann) waren sich sehr wichtig fühlende B-Prominente zugegen. Für mich als damaligen Mittzwanziger war es trotz Interesse an Kunst eine eigene Welt, in der ich mich nicht wohlfühlte. Aber der Job war gut bezahlt.
Dass ich aus eigenem Antrieb noch einmal ein Auktionsbesuch besuchen würde, war nicht vorgesehen. Und überhaupt nicht vorgesehen war, dass ich mir freiwillig Vasen und Schmuck anschaue. Aber das Netzwerk Kulturkonsorten, über das ich indirekt darauf aufmerksam wurde, ist offen, deshalb schadet es nicht, wenn ich das zum Vorbild nehme. Dazu gehört jedoch auch, dass sich das Auktionshaus Quittenbaum der Digitalisierung nicht verschließt, sondern netzaffinen Kunstinteressierten öffnet.

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Vase/Tischleuchte „Bacchantes“, 1927 (Bild: Quittenbaum Auktionen)

So gab es am vergangenen Freitag unter dem Motto #laliqueonly eine Veranstaltung, die sich nicht nur an dem Haus bekannte SammlerInnen richtete. Sie diente als Vorgeschmack auf die morgige Auktion der Stücke aus der Glasmanufaktur von René Lalique und seiner Nachfahren. Nach einem kurzen und informativen Vortrag über das Wirken Laliques durften wir die Exponate in Augenschein und in die Hand nehmen.

Nun ist mein Zugang zu Vasen ein eher pragmatischer. Schmücken Blumen meine vier Wände, stehen sie zumeist in einem Weißbierglas oder kleinerem Trinkgefäß. Aber was Lalique – wohl ein Hochbegabter, wurde er doch schon als 12-Jähriger in die künstlerische Obhut einer Zeichenschule gegeben – aus Glas und zuvor an Schmuck kreierte, ist wirklich sehr schön anzuschauen. In den richtigen Ecken aufgestellt geben die Lampen ein wunderschönes Licht. Ein Hauch von Dekadenz wohnt seinen einstigen Auftraggebern bei, wenn Autohersteller Kühlerfiguren anfertigen ließen. Aber gut, jeder, wie er mag. Ein Kunsthandwerk, das Jugendstil und Art Déco ins schöne Licht rückt, das ich anerkennen kann.

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Brosche „Deux Figurines Et Masque“, 1912 (Bild: Quittenbaum)

Mir gefällt der Weg, den Quittenbaum Auktionen geht, sehr gut. Der Markt für Auktionen ist gewiss begehrt und umkämpft. Neue Pfade zu gehen, ohne seine Kernklientel zu vernachlässigen, erscheint mir als probates Mittel, um seinen Interessentenkreis zu erweitern. Die Offenheit des Inhabers und seiner MitarbeiterInnen tut ihr übriges.

Im Juni wird bei Quittenbaum Design der 1960er Jahre versteigert. Dort werde ich gerne wieder vorbeischauen, wenngleich ich mir davon auch nichts leisten kann.

Links:
Quittenbaum Auktionen
Glasmanufaktur Lalique
Musée Lalique
René Lalique auf Wikipedia

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