Sven Voss und die (fehlende) Selbstverständlichkeit

Peter Fischer musste sich im Sportstudio für seine klare Haltung gegen Ausgrenzug, Rassismus und Antisemitismus rechtfertigen.

„Klare Kante oder Populismus?“ So führte Sportstudio-Moderator Sven Voss seinen Gast Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt, ein und gab mit der Frage einen Vorgeschmack auf ein Interview, das so nicht hätte geführt werden dürfen (Mediathek). Immerhin durfte der eingeladene und doch unerwünscht wirkende Gast ausreden. Denn die Fragen des Moderators und die Einspieler der Redaktion wirkten so, als wären die Gesellschaft verbindende Werte anrüchig.

„Brauchten Sie das Thema AfD für Ihre Wiederwahl?“ Eine Frage, die als versteckte Diskreditierung daherkam, weil sie suggeriert, dass Peter Fischer lediglich Grußaugust der Eintracht ist und ein Thema braucht, um sich vor den Vereinsmitgliedern zu profilieren. „Es ist ja auch leicht, auf die AfD einzuschlagen.“ Es ist unfassbar, wie leicht Voss es sich machte, jeglicher Haltung aus dem Weg zu gehen und Fischer dazu brachte, sich permanent rechtfertigen zu müssen. Es ist eben nicht leicht, weil, wie Fischer richtig konstatiert, die AfD sehr gut organisiert ist, in vielen Landtagen und im Bundestag sitzt und an parlamentarischen Prozessen (Ausschussvorsitze, etc.) teilnimmt. Und die AfD ist nun mal der parteipolitische Arm der Menschen, die keine Problem haben, Werte, die eigentlich selbstverständlich sind, verbal und physisch zu bekämpfen, und die ihre Opferrolle „gut geübt hat“ (Fischer).
Abgesehen davon umreißt Fischer in der Rede vor seiner Wiederwahl sehr gut, worum es ihm geht. Er sieht sich als Vertreter eines Vereins, dessen Werte in der Satzung verankert sind und somit Gesetz sind.

Peter Fischer setzt sich, für die breite Öffentlichkeit seit sechs Wochen bemerkbar, sehr ausführlich und glaubwürdig gegen Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus ein, während der Präsident des Branchenführers um Verständnis für die Annektion der Krim durch Russland wirbt und der Kanzlerin rät, es ihm gleich zu tun und Fehler (in der Flüchtlingspolitik) einzugestehen. Vielleicht ärgert sich Hoeneß auch nur, weil Fischer 0,5 Prozent mehr Stimmen bekommen hat als er.
Öffentliche Unterstützung durch seine Kollegen in den Bundesligen erfuhr bis jetzt Fischer nicht, sieht man von Ausnahmen in Düsseldorf und St. Pauli ab.

Voss ließ viele Bälle liegen. Er hätte fragen können, wie antirassistische Fangruppierungen von ihrem Verein Unterstützung erfahren (können), wie mit nach rechts offenen Fangruppierungen umgegangen werden soll. Es passiert immer noch, dass sich farbige Spieler im Stadion mit Affenrufen demütigen lassen müssen. In der Regionalliga Nord-Ost muss der SV Babelsberg 03 den Zwangsabstieg befürchten, weil er sich weigert, einem skandalösen Urteil nachzukommen und von offizieller Seite keine Unterstützung erfährt.
Nichts von alledem sprach Voss an. Stattdessen kokettierte er damit, dass Fischer auf dem linken Auge blind sei, weil er vor über vier Jahren für einen undiplomatischen Umgang mit rechten Fans in der Kurve plädierte. Zum Schluss attestierte der Moderator seinem Gast an der Torwand nach zwei Fehlschüssen, eine große Klappe zu haben. Das ist angesichts dessen, wofür sich der Eintracht-Präsident nicht erst seit gestern lautstark einsetzt, ziemlich respektlos.
Sven Voss vermittelte die ganze Zeit den Eindruck, in Peter Fischer nichts anderes als einen linksradikalen Hooligan im Samtanzug zu sehen, der Präsident eines Bundesligisten sein darf.

Es entspricht nicht meiner Erwartung, dass ein Journalist seinem Interviewpartner nach dem Mund redet. Aber es muss journalistischer Konsens sein, dass Integration, Antirassismus und das Eintreten gegen Antisemitismus nicht diskutabel sind. Diese Haltung ließ Voss in seinem Interview vollkommen vermissen.
Wenn Voss und der Sportstudio-Redaktion gesellschaftspolitische Themen, die zum Sport gehören wie Siege und Niederlagen, zu unangenehm sind, sollen sie sich solche Gäste nicht einladen, sondern lieber Spieler, die schöne Fotos auf Instagram posten und ansonsten nichts zu sagen haben.

Der Profifußball mit seiner großen Breitenwirkung braucht Menschen wie Peter Fischer, Journalismus, wie ihn Sven Voss gestern darstellte, hingegen nicht.

(Bild: Screenshot ZDF)

Nachtrag vom 9.2.2018
Daniel Otto von den Ruhrnachrichten hat beim ZDF nachgefragt und eine (sehr dünne) Antwort bekommen.
Beve hat etwas weiter ausgeholt und einen Kontext zum Úmgang des Nordostdeutschen Fußballverbands (NOFV) mit dem SV Babelsberg 03 hergestellt. 11Freunde-Chefredakteur Philipp Köster hat die Interviewführung Sven Voss‘ auch stark kritisiert. Und Ewald Lienen, Technischer Direktor beim FC St. Pauli stärkte in Sky90 Peter Fischer den Rücken. Moderator Patrick Wasserziehr, der das Interview nicht „in Gänze“ gesehen hatte, brach Lienen unschön ab.

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Neunnachneun

Heute krankheits- und fortbildungshalber verspätet.

Diskriminierung
Nur der Tim geriet eine Fahrscheinkontrolle. Er blieb dabei nur stiller Beobachter, weil man ihm nicht zutraute schwarz zu fahren. Über Alltagsrassismus könnte ich auch Geschichten erzählen. Sind keine Türken und Farbige da, wird eben der langhaarige Rockträger kontrolliert.
In Taiwan solidarisieren sich Studenten mit Transsexuellen, indem sie Röcke tragen.

Politik
Georg Seesslen kritisiert die Rückkehr der Religion in die Politik.

Stadtentwicklung
Während man in München das Radwegenetz nur ausbaut, wenn keine Spuren für Autofahrer wegfallen, ist man in Wien etwas weiter. Das Auto, längst nicht mehr das Statussymbol vergangener Jahre, wird zunehmend als Platz fressender Fremdkörper wahrgenommen, das urbanes Leben erschwert. Der österreichische Verkehrsplaner Herrmann Knoflacher predigt das schon seit Jahrzehnten (Video).
In London treibt man es noch bunter: Der SkyCycle soll den Radverkehr mehr oder weniger revolutionieren.

München
Vergangenen Donnerstag fand die 1. Failnight statt. In anderen Städten als Fuckupnight bekannt, erzählen Leuteüber ihr berufliches Scheitern. Mucbook besuchte die Veranstaltung, Organisatorin Sabine Sikorski führt die Intention näher aus.
Terry Swartzberg trägt seit rund zwei Jahren öffentlich Kippa; Antisemitismus ist ihm nicht begegnet. Florian Gleibs, Geschäftsführer des koscheren Restaurants Schmock, macht andere Erfahrungen; die Schüler der jüdischen Schule fahren nicht mal zum Schwimmunterricht mit dem Bus. (Video)

Fußball
Ben Redelings schreibt über eine Begegnung mit dem wohl beliebtesten Bundesliga-Schiedsrichter aller Zeiten, Wolf-Dieter Ahlenfelder, der letztes Jahr verstarb.
Breitnigge setzt sich mit dem Engagement des FC Bayern München in China auseinander. Sam wollte ins Kino, bekam aber keine Karten.

Neunnachneun extra: Der FC Bayern München in Katar und Saudi-Arabien

Ich verliere allmählich den Überblick über die sich erfreulicherweise anhäufenden kritischen Kommentare zu den Engagements des FC Bayern München in Katar und Saudi-Arabien. Ich möchte sie hier sammeln, auch unter dem Aspekt der Ende des Jahres stattfindenden Jahreshauptversammlung.
Sollte ich einen Kommentar übersehen haben, was ich hoffe, scheuen Sie sich bitte nicht, in den Kommentaren einen Link zu ihm zu hinterlassen!
An dieser Stelle möchte ich mich bei @cordhos bedanken, der mich fleißig mit Links versorgt(e).

Stellungnahmen des FC Bayern München

Karl-Heinz Rummenigge. Interview im Aktuellen Sportsudio (20.12. 2014, ab Min 6:37)

Presseerklärung von Karl-Heinz Rummenigge: Stellungnahme des FC Bayern München (21.01.2015)

Kolumne „Rot und Spiele“ von „Säbener Sigi“: Sorgen um Dr. Theo Zwanziger (23.01.2015)

Stellungnahmen von FCB-Fans/-Mitgliedern

@agitpopblog (DIE ZEIT): FC Bayern in Katar: Wie kann ein Verein das ignorieren? (offener Brief an den Vorstand des FC Bayern München e.V.)

Bayerncentral: Football training camps, human rights and moral obligations

Breitnigge: Fußball ist unpolitisch oder Ein Leben in der Blase

Ein Schuss. Ein Tor. Der Blog: Der FC Bayern und die Suche nach den ‚optimalen Trainingsbedingungen‘

Fehlpass: Queer in Riad (Podcast; Minuten werden nach dem Anhören nachgereicht.)

Alex Feuerherdt (Fisch+Fleisch): Mia san Charlie – solange es nichts kostet…

Alex Feuerherdt (Fisch+Fleisch): Der FC Bayern unter (politischem) Druck

Kopfkompost: Sport und Politik: Besuche des FC Bayern in Katar und Saudi-Arabien

Miasanrot: Reisemisere und Rückrundenstart (Podcast; Min. 40:12 bis 1:18:57)

Stadtneurotiker: Das Trainingslager des FC Bayern München in Katar: Es ist Politik!

Stadtneurotiker: Die Tür nach Katar bleibt offen

@texterstexte: Sehr geehrter Herr Dreesen (offener Brief)

Diskussion im Forum Bayernkurve

Presse/Blogs national

Michael Ashelm und Michael Horeni (FAZ): Spiel ohne Frauen in Riad: „Bei den Bayern schlägt Kommerz die Ethik“

Johannes Aumüller und Benedikt Warmbrunn (Süddeutsche Zeitung): FC-Bayern-Reise nach Saudi-Arabien: „Es liegt keine Ehre darin“

Agenturmeldung (Frankfurter Rundschau): Kritik an Bayern München

Dreckige Wahrheit: FC Bayern: Siege ohne Ehre

Detlef Esslinger (Süddeutsche Zeitung): Affären um Katar: Wie der FC Bayern das Fifa-System stützt

Oliver Fritsch (DIE ZEIT): Menschenrechte in Katar: „Pep Guardiolas ethisches Versagen wiegt schwer“

Stefan Herrmans (Der Tagesspiegel): Die Crux mit der Moral

Martin Hoffmann (sport1.de): Debatte um die Trainingslager der Bundesliga: Eine Frage der Haltung

René Hofmann (Süddeutsche Zeitung): Falsches Spiel in Riad

René Hofmann (Süddeutsche Zeitung): Sport und Moral: Geschäfte machen mit der Illusion

Michael Horeni (FAZ): Das Frauen-Feindschaftsspiel des FC Bayern

Michael Horeni (FAZ): Ignoranter Fußball: Nichts gelernt

Alina Leimbach (taz): Testspiel in Saudi-Arabien: Kritik an Volkswagen und FC Bayern

Sara Peschke (DER SPIEGEL): Bayern-Trainingslager in Katar: Luxus schlägt Skrupel

trabajador (Spox/mySpox-Community): Wen schicken wir noch in die Wüste? Und die Moral von der Geschicht…

Claus Vetter (Der Tagesspiegel): FC Bayern München in Saudi-Arabien: Die Moral bleibt daheim?

Volk ohne Raumdeckung: Markenpflege im Land der 1000 Peitschenhiebe

Benedikt Warmbrunn: FC-Bayern-Reise nach Saudi-Arabien: Vom eigenen Ideal weggerückt

Presse/Blogs international

Fritz Neumann (Der Standard/A): Servus in Katar, Servus in Saudi-Arabien

Agenturmeldung (DH.be/B): Le Bayern Munich critiqué pour son stage en Arabie Saoudite

N.N. (Tageswoche/CH): Die beschämende Riad-Nummer des FC Bayern

Agenturmeldung (L’Équipe/F): Le stage du Bayern Munich en Arabie Saoudite très critiqué

Agenturmeldung (The Guardian/GB): Bayern Munich accused of turning blind eye to human rights in Saudi Arabia

Agenturmeldung (Reuters/GB): Bayern Munich under fire over Saudi Arabia trip

Stephan Uersfeld (ESPN/USA): http://www.espnfc.com/bayern-munich/story/2256081/bayern-munich-under-scrutiny-for-saudi-arabia-visit

Geht scheißen, Ihr braunen Arschlöcher und besorgten Mitläufer!

Bearbeitung und Sprecher:: Heinrich Rudolf Bruns (Audio) [*]

Schluss mit Toleranz und Verständnis!
Der Anschlag auf die gerade fertiggestellte Unterkunft für syrische Flüchtlinge in Vorra ist der bekannte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Physisch verletzt wurde dabei niemand.
Zum Glück.

Es ist mir scheißegal, welche Probleme Ihr habt.
Es ist mir aber nicht egal, dass Ihr Euch zu Tausenden zusammenrottet, um gegen die scheinbare Überfremdung des Abendlands zu demonstrieren.

(Bild: strassenstriche.net/flickr)

Dresden, 8.12.2014 (Bearbeitete Bildquelle: strassenstriche.net/flickr)

Pegida, Bagida, Ogida, Dugida, Wasweißichgida – der Untergang des Abendlands seid Ihr!

Die apostrophierte Gewaltfreiheit wird für Euch obsolet, wenn die Gegendemonstration so groß ist, dass Ihr früher heimgehen müsst.
Das reicht Euch noch nicht, denn Ihr müsst sie noch in Scharen anzeigen, damit Ermittlungsbehörden gar nicht erst Zeit haben, sich mit anderen Delikten zu beschäftigen.
Was ist mit faschistischen Schmierereien? Limburg, Vorra?

Keiner der Flüchtlinge nimmt Euch irgendwas weg.
Aber Ihr nehmt Euch was weg: den Anstand.
Schlimmer noch: Ihr sorgt dafür, dass Fremdenfeindlichkeit wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist!

Ihr Montagsnachtwächter habt den Schuss auch nicht gehört!
Ihr, die Ihr „RT deutsch“, Ken Jebsen, Jürgen Todenhöfer, Udo Ulfkotte als seriöse Quelle für „die Wahrheit“ anseht.
Ihr seid antifaschistisch und antirassistisch?
Nein, seid Ihr nicht!
Ihr seid antisemitisch und damit auch rassistisch!
Geht in den Keller, träumt von Sommermärchen und singt Lieder von Xavier Naidoo!

Vorsicht: der Weg dorthin ist kein leichter, weil Ihr stolpern könnt. Wenn Ihr hoffentlich unfallfrei unten angekommen seid, dankt den Alliierten
– ja, auch den bösen Amerikanern –
dass wir seit 1945 frei von Fliegeralarmen und herunter fliegenden Bomben sind!

Ich habe keine Lust mehr, die verbale Brandstiftung der CSU und ihres des Deutschen bedingt fähigen Generalsekretärs Andreas Scheuer wie die Deutschpflicht für Migranten und andere mehrsprachige Familien als Bestandteil von Integration zu euphemisieren.
Flüchtlinge, die für andere Flüchtlinge in den Hungerstreik treten, sind keine Erpresser,
sondern Menschen, die sich dafür einsetzen,
dass alle Flüchtlinge ein Grundrecht auf anständige Behandlung haben.
Und Hackfleisch ist kein Grießbrei!

Dass der braune Mob nicht unfallfrei nicht schreiben, aber folgenschwer zündeln kann, liegt auch in Eurer Verantwortung!

Ihr Intellektuellen Matthias Matussek, Ulf Poschardt, Jan Fleischhauer, Akif Pirincçi, et al.,
die Ihr im Elfenbeinturm der unbedeutenden Befindlichkeiten lebt,
lasst Euch sagen:
Homophobie ist kein Grundrecht, sondern das ekelhafte Ignorieren, im 21. Jahrhundert zu leben.
Ihr zieht mit Eurem Gejammer einen braunen und besorgten Sog an, der sich nicht nur im Internet austobt.
Bekommt Ihr das beim morgendlichen Cappuccino und abendlichen Whisky in den schick eingerichteten zweiten Wohnzimmern Eures Vertrauens noch mit?
Oder ist das Internet nur dann gut, wenn Ihr dort Euren eigenen Rotz rausschnäuzt?

Wir erleben einen Klimawandel, der atmosphärisch schlimmer als ausbleibender Schnee und fehlende Sonne im Sommer ist.
Es wird immer kälter, weil Grundregeln des Zusammenlebens in Frage gestellt werden.
Dieses Jahr erlebe ich als Temperatursturz.
Traumatisierte, hilfsbedürftige Menschen, die Unterstützung benötigen, werden als Bedrohung wahrgenommen und bekämpft.

Verbal und physisch.

Menschen, die sich dagegen wehren, werden von Neonazis, Polizisten und (anderen) besorgten Bürgern gefilmt, drangsaliert und bedroht.

Allein in München gab es diese Woche zwei (erwähnte!) rechte Übergriffe.
Ihr habt an Vorra und vielen anderen Übergriffen, die sich kaum noch dokumentieren lassen, gehörigen Anteil.

Die wieder aufgenommen Ermittlungen zum 34 Jahre zurück liegenden Oktoberfest-Attentat sind der einzige Lichtblick in dieser Woche, die ganz schlimm war und meinen Brechreiz förderte.

Ich kann nichts anderes sagen als dies:
Geht scheißen, Ihr braunen Arschlöcher und besorgten Mitläufer! Denn Scheiße ist noch das Beste, was Ihr ausscheidet.

Die Sorgen besorgter Bürger, die sich auch darin ausdrücken, sind nicht meine.
Spät bin ich in der Lage, das in Worte zu kleiden.
Zu spät?

[*] Mein Briederchen @hrbruns war von dem Text in seiner ursprünglichen Form recht begeistert und vertonte ihn nicht nur. Er brachte ihn eine metrische Form, die jetzt lesbarer und hörbarer ist. Mit Profis arbeiten!
Inspirierend waren auch berechtigte Rants von @Garpswelt und @surfin_bird, der von Zeit zu Zeit luschenelft.
Dafür bedanke ich mich an dieser Stelle sehr

Das Trainingslager des FC Bayern München in Katar: Es ist Politik!

Lieber FC Bayern München!

Ich habe vollkommenes Verständnis dafür, daß die Verantwortlichen der Mannschaft und den Trainern ideale Bedingungen für die Vorbereitung auf die Rückrunde, in der schwere Aufgaben anstehen, ermöglichen. Dazu gehört auch ein Trainingslager, daß frei von der hierzulande zu erwartenden Witterung ist.

Ich habe jedoch kein Verständnis dafür, daß das Trainingslager abermals in Katar aufgeschlagen wird – mögen die klimatischen Rahmenbedingungen noch so ideal sein.
Es dürfte dem Verein nicht entgangen sein, daß die dort suggerierte Weltoffenheit nur vorgetäuscht ist. So weist das Auswärtige Amt darauf hin, daß Homosexualität mit bis zu 15 Jahren Gefängnisstrafe geahndet wird. Über die für Arbeitnehmer unwürdigen Zustände rund um die Bauarbeiten für die WM 2022 wird in schöner Regelmäßigkeit berichtet, auch wenn Ehrenpräsident Franz Beckenbauer bei seiner Stippvisite keine Sklaven gesehen haben will. Katar ist auch offen antisemitisch. So verweigerte man dem israelischen Spieler Dan Mori von Vitesse Arnheim im Rahmen dessen Trainingslagers Anfang diesen Jahres die Einreise. Beim Schwimmweltcup im September 2013 wurden die Flaggen aller teilnehmenden Länder gehisst – nur nicht die Israels!
Die der Süddeutschen Zeitung gegebene Aussage, man sei dort, „um Fußball spielen, nicht um Politik zu machen“, ist falsch. Es gibt andere, tatsächlich weltoffene Länder, die sich freuen würden, Mannschaft, Trainer und Funktionäre einzuladen, und im Januar saftgrüne Wiesen bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen ideale Bedingungen bieten.

Der FC Bayern macht seiner Entscheidung, sich erneut in Katar auf die Rückrunde vorzubereiten, Politik! Eine falsche Politik. Anstatt anderen Vereinen als Vorbild zu dienen und öffentlichkeitswirksam auf die Missstände hinweisend nachträglich auf die Einladung zu verzichten, lässt sich der Verein für eine Scheindemokratie instrumentalisieren. Das zeugt nicht von der Weltoffenheit, wie sie Ehrenpräsident Kurt Landauer vorlebte. Die Initiativen der Fangruppen, die sich erfolgreich und mit Auszeichnung im Stadion gegen Homophobie, Rassismus und Antisemitismus einsetzen, werden dadurch topediert.

Der FC Bayern begeht keinen Fehler, wenn er von der Zusage für das Trainingslager in Katar zurücktritt. Noch ist es dafür nicht zu spät.

Viele Grüße von einem langjährigen Fan.

Nachtrag, 09.01.15
Der FC Bayern ließ sich von seiner Entscheidung nicht abbringen und flog heute mit seiner 1. Mannschaft nach Katar.
Leider wirkt auch das gestern auf Twitter veröffentlichte Bedauern der Opfer vom Pariser Attentat vorgestern nur aufgesetzt. Wer sich von einem Land, das den Terror der Hamas unterstützt, aushalten lässt, ist nicht Charlie, höchstens scheinheilig.

Torsten Wieland hat am 06.01., als der FC Schalke 04, das gleiche Ziel aufsuchte, diesen Text auf seinem Königsblog veröffentlicht. Ich bedanke mich an dieser Stelle noch einmal für die freundliche Übernahme!
Die Vereine mögen verschieden sein, die Schweinereien nicht.