Netzgebilde

Die wöchentliche Umschau zu Erziehung, Pädagogik und Bildung

NGB1501-04bw

Naturpädagogik
Waldkindergärten schossen in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden. Ich finde die Idee toll, kann mir aber nicht vorstellen, jeden Tag bei Wind und Wetter im Wald zu arbeiten.
In unserer Einrichtung haben wir zwei bis drei Waldtage konzeptionell verankert, die unterschiedliche Kleingruppen wahrnehmen. An Material nehmen wir außer ein paar Schnitzmessern und einer Säge nichts mit. Spielzeug liegt im Wald genug rum. Geborgen wachsen beschreibt, wie Stadtkinder Naturerfahrungen sammeln können. Was in einem Waldkindergarten passiert, zeigen die Lerntippsammlung und die Naturschule Freiburg.
Die Deutsche Wildtierstiftung hat bei Emnid eine Umfrage in Auftrag gegeben, die u.a. zu Tage förderte, dass 49 Prozent der Kinder zwischen vier und 12 Jahren noch nie auf einen Baum geklettert sind. Der Schweizer Neuropädiater Markus Weissert fordert, dass Kinder in den Wald müssen.

Sexualpädagogik
In Schweden sorgt ein galoppierender Penis im Kinderprogramm des Senders SVT für Aufregung.

Berufspolitik
In Hamburg wurde gewählt (s. a. Netzgebilde von letzter Woche). Eine Anfrage in der Bürgerschaft ergab unmittelbar vor der Wahl, dass sich die Kindertagesstätten stärker an ihren Personalkosten beteiligen müssen, als bislang bekannt.
In München zeigt die Ende letzten Jahres eingeführte Stellenmarktzulage noch nicht den gewünschten Effekt, berichtet die SZ. Viele Einrichtungen sind personell unterbesetzt, neue werden im September eröffnet.

Linktipps
In naher Zukunft erweitere ich meine Blogroll um das hiesige Thema. Ich beginne hier schon mal mit zwei Tipps.
Kinderohren bespricht Bücher, Kinderfilmblog – Sie ahnen es sicher – Filme.

Verkleiden ist eine Form von Zuneigung

Der Text ist eine Replik auf „Kulturelle Aneignung und Alltagsrassismus im Fasching: warum ich meinen Kindern keine Indianerkostüme nähe“ von Ella.

Ich hasse Fasching, ich hasse Verkleiden. Deshalb feiere ich ihn nur, wenn ich dafür bezahlt werde. So also im Kindergarten, wo man dem Wahnsinn nicht entkommt, weil die alljährliche Krankmeldung am Faschingsdienstag selbst bei regem Personalwechsel auffällt.

Für viele Kinder ist Fasching jedoch ein Höhepunkt im pädagogisch wertvollen Betreuungsalltag, weil sie sich sich verkleiden können und dabei die Sau rauslassen können, es Süßkram in rauen Mengen gibt und das Personal alles, was den Anschein von Erziehung weckt, wenigstens für einen Tag zu hause lässt.

Betrachtet man sich die Kostüme der Kinder genau, tragen sie meistens etwas, was ihnen gefällt. Man ist umgeben von Löwen, Leoparden, Prinzessinnen, Pippi Langstrumpfs, Star Wars-Helden, Comicfiguren, die wir nicht kennen, Feuerwehrmännern und sogar Müllmännern. Und eben von Cowboys und Indianern. Sie verkleiden sich also als Jemand, der sie zumindest für den Moment sein möchten.
Das erklärt auch, warum man sehr wenige Mistkäfer, Ratten oder Küchenschaben sieht.

Natürlich bringen wir Kindern bei, dass Indianer oder Native Americans, wie das richtig heißt, unterdrückt wurden und werden. Und es ist nicht schwer, bei Kindern auf diesem Weg ein Gefühl für Ungerechtigkeit und Unverständnis zu wecken. Kinder spüren sehr schnell, was Menschen mit anderen Menschen anstellen, die eine andere Hautfarbe haben und deswegen diskriminiert werden.
Es ist wichtig, mit ihnen das zu thematisieren, verbunden mit der Hoffnung, dass sie es vielleicht besser machen, wenn sie erwachsen sind.

Und es ist absolut notwendig, dass alltagsrassistische Begriffe wie Negerkuss oder Zigeuner aus dem Wortschatz verschwinden, und wir sie von diskriminierenden Klischees fernhalten.
Ihnen jedoch aus gut gemeinter Haltung eine Kostümierung zu verbieten, die nicht dem Spott dient, sondern eine Zuneigung ausdrückt, ist falsch. (Warum Pierre Brice wegen seiner Rolle als Winnetou so beliebt ist, lasse ich an dieser Stelle außen vor.)
Nach dieser Logik dürften sich Kinder auch nicht als Bienen verkleiden, weil sie dank mit chemischen Mitteln gut ausgestatteter Menschen vom Aussterben bedroht sind.

Wir muten unseren Kindern schon sehr viel an politischer Korrektheit und kritisch reflektierender Pädagogik zu, überlassen den Besuch bei McDonalds – mit erhobenem Zeigefinger! – Paten und anderen pädagogisch Unbefleckten und wenden uns kopfschüttelnd ab, wenn die Großeltern ihnen mit schrill klingendem Plastikkram die größte Freude machen.
Wir müssen die Kindern nicht auch noch an Fasching mit unseren guten Absichten und einwandfreien Ansichten überschütten. Selbst wenn sie als Polizist gehen wollen.

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Die wöchentliche Umschau zu Erziehung, Pädagogik und Bildung

Es läuft noch etwas stockend hier im neuen Jahr. Ich bin mit der Rubrik noch nicht so recht warm geworden, obwohl sie mir wichtig ist. Ich sammle sehr viel, aber mir fehlt die innere Struktur, sie in einen für mich passenden Rahmen zu stecken.

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Freispiel
Es wird zunehmend schwieriger, Kinder in Tageseinrichtungen so zu erziehen, dass sich nicht als mindestens als ausgebildete Grundschüler*innen eingeschult werden. Ihren Doppelvornamen sollten sie mindestens unfallfrei schreiben können, rechnen auch, und die Fremdsprache ist eh obligatorisch. Wie wichtig freies Spiel und die damit die Persönlichkeitsbildung sind, wird gerne unterschlagen.
Mirka von Lilienthal besuchte eine Erzieherin, die seit 40 Jahren im Beruf, immer noch nicht müde ist und Kindern auf Augenhöhe begegnet. Ich habe das Glück mit einer eigentlich schon pensionierten Kollegin zu arbeiten, die so viel weiß, sehr viel Herzenswärme hat und uns als neue Einrichtung mit Rat und zur Seite zu steht. (Eigentlich macht sie das auch, weil sie nach über 40 Berufsjahren nicht von ihrer Rente leben kann, aber das ist ein anderes Thema.)

Wahlkampf
In Hamburg wird am Sonntag gewählt. Erzieher*innen, Eltern und Kinder statteten dem Ersten Bürgermeister Olaf Schulz einen Besuch ab, um ihrer Forderung nach besserer personeller Besetzung Nachdruck zu verleihen. Auf Demonstrationen mit Kindern stehe ich nicht, weil Kinder für etwas instrumentalisiert werden, was sie so nicht abschätzen können. Es schaut nett aus und macht Eindruck, aber solche Kundgebungen sind Sachen der Erzieher*innen und Eltern.

Tod
Wie bringt man Kindern den Tod naher Angehöriger näher?
Zwei Mütter, Rosas Welt und Frl. Null Zwo, nähern sich dem traurigen wie unangenehmen Thema an. Ich versuchte mich ebenfalls daran.

Impfen
Vielleicht liegt es am ausgehenden Winter, der im Februar beginnt, lästig zu werden, dass das Impfen wieder hitzig diskutiert wird. Eltern bekriegen sich untereinander, und unter uns Erzieher*innen wird das Thema auch hitzig diskutiert. Die Grippeimpfung kann man in meinen Augen noch auslassen, aber wer Kinder hat, handelt grob fahrlässig, wenn er die Standardimpfungen aus ideologischen Gründen auslässt. Deshalb gibt es hier nur Texte, die Impfungen befürworten. (Impfgegner brauchen sich gar nicht erst die Mühe machen, hier zu kommentieren. Ich schalte den Unsinn nicht frei.)
David Schumacher zeichnet in nido die Geschichte einer Familie nach, die zwei Kinder durch Masern verlor. Wem das noch nicht reicht, darf sich die Kommentare durchlesen. In Berlin schlägt man sich mit einer Rekordzahl an Masern Erkrankter rum. Daniel Lingenhöhl in den Masern die unnötige Rückkehr einer Krankheit. Der Kinderdok gibt noch Impfempfehlungen ab, die eher als Befehle zu verstehen sind. Schockfaktor besuchte Impfgegner im Internet. Dagegen hilft nur das Impfkritiker-Bullshitbingo!

Zum Schluss
Eine Maus wehrt sich dagegen, wie ihre Vorfahren in der Regensburger Minoritenkirche Orgelmaus zu werden..

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Die wöchentliche Umschau zu Erziehung, Pädagogik und Bildung

Die Weihnachtspause dauerte ein wenig länger, weil ich tatsächlich aus dem Rhythmus kam und seit zwei Wochen den roten Faden, den ich letztes Jahr irgendwo liegen ließ, suchte. Ich fand ihn nicht und beginne somit ein wenig von Neuem. Dieses Netzgebilde ist eine Zusammenstellung gesammelter Texte der vergangenen Wochen.
Dafür gibt es jetzt ein Rubrikenbild, das ich zufällig fand. Ich schoss es in Berlin-Köpenick, und ich finde, dass es ganz zur Thematik passt. Verknüpfungen und so.

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Wie erkläre ich Kindern Pegida oder allgemein Fremdenfeindlichkeit? Zunächst einmal auf Nachfrage, oder wenn ich im pädagogischen Alltag bemerke, dass Kinder von anderen Kindern ausgegrenzt werden. (Im schlechtesten Fall zeigt man Kolleg*innen auf, wie sie Kinder ausgrenzen.) Uta Rasche und Die Mutti zeigen Möglichkeiten auf.

Die Schreibschrift wird es schwer haben, die Digitalisierung zu überleben. Das ist der der Lauf der Dinge, der sich nicht aufhalten lässt, und den ich nicht bedauere. Finnland will jetzt den Anfang machen und die Schreibschrift abschaffen.
Geht man etwas tiefer, ist die Schreibschrift mehr als ein Auslaufmodell konservativer Bildungspolitik. Das flüssige Schreiben ermöglicht Erfassen und Verknüpfen, das leider schon mit Einführung der „Vereinfachten Ausgangsschrift“ gekappt wurde. Viele, von Eltern schon im Kindergarten gewünschte, vorbereitende Schreibübungen, die das Verbinden von Geschwungenem und somit Fluss und Verständnis fördern, werden damit ad absurdum geführt. Das Plädoyer von Heinrich-Rudolf Bruns und der Katholischen Erziehergemeinschaft trifft meinen Nerv.
Dass der Wisch über das Tablet nicht der Untergang des Abendlandes ist, ist ein eigenes, medienpädagogisches Thema.

Letzte Woche lief „Frau Müller muss weg“ an. Ein Film von Sönke Wortmann, der ehrgeizigen Eltern den Spiegel vorhalten will, die an Elternabenden zu großer Form auflaufen. Ich habe den Film noch nicht gesehen, keine Kritiken gelesen und werde ihn mir erst anschauen, wenn er im Fernsehen gezeigt wird.
Das Erzieher*innen- und Lehrer*innendasein hat sich verändert, weil Beratung eine immer größere Rolle spielt. Das liegt u.a, daran, dass Eltern durch ständige Veränderungen in der Bildungspolitik und eine Schwemme von Erziehungsratgebern verunsichert werden. Live-Berichte von Elternabenden erfreuen sich auf Twitter großer Beliebtheit. Das wird im Netz sehr gerne aufgegriffen.
Erzieher*innen und Lehrer*innen können übrigens nicht live twittern, weil sie Elternabende vorbereiten und moderieren.

Verena Pausder fordert eine bessere Bezahlung für Erzieher*innen. Das unterschreibe ich. Und sie fordert eine Männerquote von 30 Prozent. Das ist ein ein netter Vorstoß. Nur: Wenn es die Männer nicht gibt – wie soll dann eine Quote erfüllt werden? In vielen Berufen gibt es die qualifizierten Frauen, die tatsächlich eine Quote brauchen, damit das gewürdigt wird. Gesetzlich? Zwangsväterdienste in Kindergärten? Ich weiß nicht. Aber lesen Sie selbst.
Will man Männer für den Beruf begeistern, muss man auch Quereinsteiger begeistern und sie anständig ausbilden. Wie Dexter Langen, der für Hansa Rostock in der Bundesliga spielte.

À propos Männer: Mr. Germany 2014 ist übrigens Erzieher.

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Die wöchentliche Umschau zu Erziehung und Bildung

Die von der CSU postulierte Deutschpflicht in den heimischen vier Wänden, der Plötzliche Kindstod, zwei ungewöhnliche Kindergärten, Homeschooling und noch mal Sexualität bilden die Themen dieser Woche.

Beginnen wir fast tagesaktuell. Aus sprachwissenschaftlicher Sicht ist der inzwischen abgemilderte Vorstoß der CSU, für den ich mich als bayerischer Nicht-CSU-Wähler schäme, in Migranten- und mehrsprachigen Familien nur noch Deutsch zu sprechen, verheerend. Dazu zwei Texte.

Zum Glück weiß man inzwischen mehr über den Plötzlichen Kindstod (SIDS). Die Zahl der Kinder, die daran stirbt, ist rückläufig. Pädiater Herbert Renz-Polster fasst neue Studien zusammen und animiert Eltern, Säuglinge und Kleinkinder im ehelichen Bett schlafen zu lassen.

In Schwerin eröffnete kürzlich die zweite 24-Stunden-Kindertagesstätte, die sich an Eltern richtet, die im Schichtdienst arbeiten und einen Nachweis erbringen müssen. So wichtig sie sind, weil familiäre Netzwerke immer seltener werden, hoffe ich, nie darauf angewiesen sein zu müssen. Egal, wie gute Arbeit dort geleistet wird.
In Bergisch-Gladbach gibt es einen Wald-Kindergarten auf dem Friedhof.

In unregelmäßigen Abständen hört oder liest man von Eltern, die ihre Kinder zuhause beschulen. Es gibt hierzulande eine Schulpflicht, in anderen EU-Ländern lediglich eine Bildungspflicht. Die Hürden, Kinder nicht in die Schule schicken zu müssen, sind sehr hoch. Zu Recht, wie ich finde. Es geht nicht nur um das Lernen, sondern auch um das Interagieren in Gruppen. Ich halte auch nichts davon, Kinder vor allem Schlechten so lange wie möglich fernzuhalten. Kinder müssen sich außerhalb des Elternhauses mit anderen Autoritäten auseinandersetzen. Ein Vater erläutert in diesem Interview seine Intention.

Als Nachtrag zur Sexualpädagogik letzter Woche.
In Koblenz wird Christian Bayerlein als Behindertenbeauftragter der Stadt nicht wiedergewählt werden. Zu offen soll er über „Sexualität und Behinderung“ gesprochen haben. In einem Interview sprach er darüber.
Es ist noch sehr viel zu tun.

Zum Schluss noch ein kleiner Trost für Eltern mehrerer Kinder: Geschwisterstreit soll Kinder schlauer machen.

Netzgebilde Spezial: Sexualpädagogik

Die wöchentliche Umschau zu Erziehung und Bildung

Erzieher*innen, Lehrer*innen und alle anderen, die professionell mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, stehen mit einem Bein im Gefängnis. Die Tür zum Knast steht noch einen Spalt breiter offen, wenn Sexualität bzw. Sexualpädagogik ins Spiel kommen. Dementsprechend ist die Textauswahl dieser Umschau speziell, verspätet und ein wenig einseitig. Möge sie bei der Aufklärung helfen.
Genug des Vorspiels!

Aufklärung in Plüsch: Stofftier Spermi

Schule
Sehr hitzig wurde der für 2015 vorgesehene „Bildungsplan Sexuelle Vielfalt“ an Baden-Württembergs Schulen diskutiert. Viele Petitionen und über die Medien ausgetragene verbale Schlachten veranlassten die grün-rote Landesregierung, den Bildungsplan erst 2016/17 „überarbeitet“ einzuführen.
Bernd Saur, Vorsitzender des Philologenverbandes Baden-Württembergs, sieht in den gestoppten Plänen der dortigen Landesregierung eine Sprengung der Toleranzgrenze.

Sehr ausführlich hat sich erbloggtes unter der Überschrift „Sexualpädagogik für Hassprediger“ mit den Argumenten der Gegner auseinandergesetzt: in drei Teilen.

Daß sich die Zeiten nicht nur wegen des Internets geändert haben, dürfte unbestritten sein. Sozialmediziner und Sexualwissenschaftler Harald Stumpe widerspricht einer Verrohung der Jugendlichen durch pornographische Darstellungen im Internet. Er sieht in rudimentärer Sexualpädagogik eher die Gefahr, daß sie Angst vor Comig-Out begünstigt. Elisabeth Tuider, Soziologieprofessorin, erläutert ihre Vorstellung von zeitgemäßer Sexualpädagogik.
Nachtrag 5.12., 22.25 Uhr: bei erbloggtes gibt es „Sexualpädagogik der Vielfalt. Praxismethoden zu Identitäten, Beziehungen, Körper und Prävention für Schule und Jugendarbeit“ von Elisabeth Tuider, Mario Müller, Stefan Timmermanns, Petra Bruns-Bachmann, Carola Koppermann als Download mit anregenden Fragen dazu.

Im aktuellen SZ-Magazin gibt es einen längerern Artikel zu dem Thema. Sobald er online ist, packe ich den Link hier rein.

Kindergarten
Ebenfalls Gegenstand heißer Diskussionen sind regelmäßig Doktorspiele im Kindergarten. Unstrittig ist, daß bereits Kleinkinder eine Sexualität haben. Sie entdecken sie an sich und anderen Kindern.
Psychologin Helga Tolle versucht, Eltern Ängste zu nehmen. Im „Online-Handbuch Kindergartenpädagogik“ gibt die Leiterin einer Kindertagesstätte Einblicke in die Praxis der Sexualpädagogik.
Auf dem Bildungsserver gibt es Praxismateralien zur Sexualitätserziehung.

Behinderung
„Sexualität und Behinderung“ ist ein Thema, bei dem es mindestens viele Vorbehalte gibt. Ich durfte, während ich in der Behindertenhilfe täitg war, ein paar Fortbildungen zu dem Thema besuchen. Daraus entstand mit Kolleg*innen und Vorgesetzten sogar ein Konzept. Das Ergebnis war ziemlich enttäuschend, weil wir im Kinder- und Jugendbereich arbeiteten, der junge Erwachsene bis 21 Jahre umfasste und Sex trotz aller guten Gedanken ausschloss. In einer Gruppe mit fünf Bewohner*innen zwischen 5 und 20 Jahren wurde es noch schwieriger. Die offene Windel während der Mittagsruhe war das höchste der Gefühle.
Eine Sexualbegleitung für Volljährige ins Haus zu holen, obwohl die Einrichtung überkonfessionell war, kam folglich nicht in Frage. Dabei wäre sie sehr wichtig gewesen..
Ist eine*r Bewohner*in homosexuell, was ich wahrscheinlich aufgrund meiner Sozialisation nicht erkannt hätte, wird’s komplexer. Eine Sexualbegleiterin berichtet.

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Die wöchentliche Umschau zu Erziehung und Bildung

Ein breit gefächertes Themenspektrum gibt es diese Woche. Texte zu Gehorsam, ADHS, Hilfe zur Erziehung und Kinderrechte stehen zur Auswahl.
Viel Spaß beim Lesen!

Wenn Erziehung und Humankapital in einem Satz erwähnt werden, ist mehr als Vorsicht geboten. Schon Kindergärten sollen dafür sorgen, daß die Kinder frühzeitig auf die komplexen Anforderungen der Arbeitswelt vorbereitet werden. Einen „regelrechten Frühförderwahn“ attestiert Heiner Barz unserer Gesellschaft.

Passend dazu kritisiert der Psychoanalytiker Arno Gruen Gehorsam in der Erziehung und wünscht sich ein Zusammenleben auf „Basis empathischer Empfindungen. Deutschlandradio Kultur sprach mit ihm ausführlich.

ADHS. Es gibt kaum eine Krankheit, über die mehr gestritten wird. Ulrike Lehmkuhl, Direktorin der Kinderklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Charité hält 90 Prozent der Diagnosen, die hauptsächlichen Jungen bekommen, für falsch.

Ca. eine Millionen junge Menschen nehmen Hilfe zur Erziehung in Anspruch. Die Angebote reichen von Beratung bis hin zur Unterbringung in Heimen, also ein breites Spektrum. Michael Macsenaere, Leiter des Instituts für Kinder- und Jugendhilfe in Mainz, gibt einen empirischen Überblick über die Effektivität der verschiedenen Angebote.

Eine der von mir betreuten Drittklässlerinnen mahnte vor einigen Wochen, nachdem wir die Hausaufgabengruppen ohne vorherige Rücksprache mit der Gruppe festgelegt haben, an: „Es wird Zeit, daß Kinderrechte im Grundgesetz aufgenommen werden!“ Sie hat natürlich recht.
Der Zufall will es, daß ich erst bei der Recherche für diese Netzumschau entdeckt habe, daß jährlich am 20. November der Kinderrechtstag begangen wird. Ein Tag, der medial kaum beachtet wird. Eine Berliner Grundschule hat zum Kinderrechtstag 2014 ein Blog eingerichtet.
Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte unterstützt die Forderung zweier SPD-Bundestagsabgeordneter, Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen.
Dazu gehört auch das Recht auf gewaltfreie Erziehung.

Auch das gibt’s: ein Kindergarten im Kreis Plön kann seinen Mitarbeiter*innen kein Gehalt mehr zahlen, weil der Steuerberater des örtlichen DRK-Verbands öffentliche Gelder veruntreut haben soll.

Das ist nun wirklich ein Skandal: dreiviertel der Kinderspielplätze sind nicht wintertauglich!