Unauffällig vollendet

Mit Philipp Lahm tritt heute ein Spieler ab, der bei vielen – einschließlich mir – lange unter dem Radar lief. Erst in den letzten Monaten fand er die Wertschätzung, die ihm, der 22 Jahre im Verein war, gebührt. Dieser Text ist nicht möglich, ohne seinen langjährigen Begleiter Bastian Schweinsteiger, mit dem er 2002 A-Jugendmeister wurde, das eine oder andere Mal zu erwähnen.
Eine kleine Würdigung zum Abschied.

1. Einsatz im Olympiastadion, 1. Begegnung mit Felix Magath & 1. Turnier

An Philipp Lahms erstes Spiel bei den Profis kann ich mich nicht erinnern.
Es war die Saison, die international einen Tiefpunkt darstellte, weil bereits vor dem abschließenden Spiel feststand, dass der FC Bayern nicht einmal mehr im UEFA-Cup überwintern durfte. Vor solchen Spielen bediente sich selbst Ottmar Hitzfeld bei den Amateuren. So kam auch Philipp Lahm in der Nachspielzeit zu seinem Debüt bei den Profis gegen RC Lens vor 22000 Zuschauern. Heute ist das Spiel nur noch von Bedeutung, weil Lahm der Letzte in der aktuellen Mannschaft ist, der noch im Olympiastadion gespielt hat. Danach, als die Mannschaft wütend war und mit deutlichem Vorsprung Meister wurde, wurde er nicht mehr eingesetzt.
Dass er 2003 für zwei Jahre an den VfB Stuttgart ausgeliehen wurde, ging an mir vorbei. Hermann Gerland hatte ihn mehreren Trainern angeboten, als hätte er eine Kiste Löwenbrau im Gepäck. Das Grätschen hatte er ihm vorher noch beigebracht. Felix Magath griff schließlich zu und machte ihn sehr schnell zum Stammspieler.

Bastian Schweinsteiger stellte uns zwischenzeitlich seine Cousine vor.

Aufmerksam wurde ich erstmals, als Rudi Völler ihn in die Nationalmannschaft berief. Bei einer grottenschlechten EM spielte er – im Gegensatz zu den damals Poldi und Schweini genannten Jungspunden – durch, was seiner Reputation nicht schadete.

Durchbruch beim FC Bayern

Zum FC Bayern kehrte er 2005 mit einem Kreuzbandriss zurück. Den Platzhalter gab derweil der bereits ein halbes Jahr zuvor zurückgekehrte Bixente Lizarazu, der wiederum Hasan Salihamidžić, der auf der linken Außenbahn eingesetzt wurde, nach dessen Kreuzbandriss ersetzte. Das erste Spiel nach seiner Rekonvaleszenz bestritt er – bei den Amateuren.

Bastian Schweinsteiger musste auf Geheiß Magaths öfter bei den Amateuren spielen.

Die Jahre vergingen. Sie wurden nur dadurch unterbrochen, dass Philipp Lahm im Eröffnungsspiel des erkauften Sommermärchens mit Manschette das erste Tor des Turniers und zwei Jahre später das erlösende 3:2 gegen die Türkei erzielte. Angesichts seiner Torstatistik – im Europapokal schoss er genauso viele Tore wie Sepp Maier, Oliver Kahn und Manuel Neuer zusammen – zwei Momente für die Ewigkeit. Die 0:4-Schmach von Barcelona 2009 blieb ihm erspart. Ihn vertrat Christian Lell.

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Kleine ganz groß, 2009. (Bild: @SammyKuffour

Ein Wechsel und ein teures Interview

Dennoch sollte 2009 ein Einschnitt in seiner Karriere werden.
Nach dem misslungenen Experiment mit dem schwäbisch-kalifornischen Projektmanager betrat Louis van Gaal die ihm zu kleine Bühne. Er ordnete an, dass Philipp Lahm auf der rechte Seite zu spielen habe, weil er ein Rechtsfuß ist. Dabei wurde etwas gewahr, worüber man sich vorher nie Gedanken gemacht hatte:
Philipp Lahm kann man nicht klonen!
Denn die Alternativen auf Links reichten ihm nicht das Wasser. Holger Badstuber war zwar Linksfuß, aber als Innenverteidiger und Spieleröffner weitaus geeigneter (und wurde nicht umsonst von Hermann Gerland im Rahmen seiner Hochbegabtenförderung bei den Amateuren wie der hier Gewürdigte und Mats Hummels auch im defensiven Mittelfeld eingesetzt). Er wechselte sich ab mit Danijel Pranjić, Edson Braafheid (die zwei größten Fehler van Gaals), Diego Contento, David Alaba (der damals einfach noch zu grün war) und später Luiz Gustravo. Rechts spielte nur Philipp Lahm.

Bastian Schweinsteiger reifte nach seinen Flegeljahren auf der Außenbahn in der Zentrale zum Elder Statesman.

Abseits des Platzes machte sich Lahm inzwischen auch bemerkbar. Er gab der Süddeutschen ein Interview, in dem er dem Verein fehlende Identität attestierte. Es sollte das teuerste Gespräch mit den Medien in der Geschichte des FC Bayern werden. Man munkelt, dass ihn das 50000 Euro gekostet hat. Eine Summe, die sehr gut investiert war, weil er damit Louis van Gaal sekundierte, der im Begriff war, die DNA der Mannschaft auf Jahre hin zu verändern. Sehr erfolgreich, wie wir heute wissen. Es zeigte auch, dass sein Wort im Verein inzwischen an Gewicht gewonnen hatte.
Nach einer sehr schwierigen Anfangsphase, die van Gaal fast den Job gekostet hätte, spielte sich die Mannschaft in einen Rausch, der in Meisterschaft, Pokal und einem verdient verlorenen Champions League-Finale endete. In dieser wegweisenden Saison 2009/10 fand Lahm seinen kongenialen Partner: Arjen Robben. Der seinerzeit als ein Panikeinkauf anmutende Links(!)füßler verstand nach einiger Zeit, was Philipp Lahm dachte und umgekehrt. Bis heute passen sie zusammen wie Schweinebraten und Knödel.

Kapitän

Als Mark van Bommel während der Winterpause 2010/11 den FC Bayern fluchtartig über die Alpen passierte, wurde Philipp Lahm Kapitän. Es war eine schwierige Zeit. Zwischen Mannschaft und Trainer knirschte es. In einem dünnem Kader gab es viele Verletzte, was dazu führte, dass Nicolas Jüllich als Alternative für Lahm auf der Bank saß. Der Wechsel im Tor von Hans-Jörg Butt zu Thomas Kraft war folgenreich. Kraft kassierte ein vermeidbares , spielentscheidendes Tor. Van Gaal wurde danach in einer denkwürdigen Pressekonferenz Hoeneß‘ entlassen. Unter dem beförderten Co-Trainer Andries Jonker taumelte sich die Mannschaft in die Champions League.
Es wurden auch Zweifel an Kapitän Lahm und dessen Stellvertreter Schweinsteiger laut. Zu leise, zu profillos seien diese Jungspunde. Ich teilte diese Zweifel. Während van Bommel nach schlechten Spielen (davon gab es seinerzeit viele) keine Hand vor den Mund nahm, kamen die Aussagen Lahms arg diplomatisch und nichtssagend daher. Aus den starken Aussagen im Interview wurden Belanglosigkeiten. Ich hielt Lahm nach Michael Ballacks Verletzung unmittelbar vor der WM 2010 auch für einen Interims-Kapitän. Aber wer blickt schon wirklich in Mannschaften und deren Hierarchien?

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Von fehlenden Leithammeln zur Vollendung

Jupp Heynckes übernahm die Mannschaft erneut und setzte Lahm zunächst links ein. Zum Glück wurde der nach seinem halbjährigen Engagement zurückgekehrte David Alaba immer stärker, so dass Lahm wieder auf die rechte Seite wechselte. Rafinha auf der Position überzeugte Heynckes nicht.
Das verhinderte jedoch nicht eine Saison, die Bayer Leverkusen zur Ehre gereichte. Vize-Meister, Vize-Pokalsieger und Vize-Pokalsieger. Neben einem dünnen Kader wurde wieder ein Führungsdefizit in der Mannschaft ausgemacht, das von einem abermaligen Halbfinal-Aus der Nationalmannschaft begleitet wurde.

Bastian Schweinsteiger – die tragische Figur des „Finale dahoam“ – wurde von einem sich als zu Höherem berufenen Autor der Sportbild zum „Chefchen“ degradiert.

Fehlende Führungsfiguren vom Schlage eines Effenberg wurden landauf, landab beklagt. Sowohl Lahm als auch sein Stellvertreter schwiegen dazu. Es war das Beste, denn am diagnostizierten Führungsdefizit der Beiden lag es nicht.

Die Antwort sollte ein Jahr später folgen.
Die Mannschaft spielte in der Bundesliga und im Pokal alles in Grund und Boden. Der spielerische Höhepunkt war ein 7:0 gegen den FC Barcelona im Champions League-Halbfinale. Nach dem Gewinn des wichtigsten Vereinspokals war Philipp Lahm endlich ein Vollendeter.

Dass er und Bastian Schweinsteiger gemeinsam den Pott in die Höhe reckten, war das schönste Bild einer einmaligen wie unvergesslichen Saison.

„Der intelligenteste Spieler“

Der mit großem Brimborium empfangene Pep Guardiola bezeichnete Lahm nach wenigen Trainingseinheiten als intelligentesten Spieler, mit dem er je zusammengearbeitet habe. Alsbald stellte sich heraus, dass seine Lobpreisungen mit Vorsicht zu genießen waren. Aber im Gegensatz zu den 1000 Dantes, die er gern in seiner Mannschaft gehabt hätte, war das wohl nicht gelogen. Er setzte Lahm, als mit Schweinsteiger, Martínez und Thiago viele zentrale Strategen ausfielen, auf der Sechs neben Xabi Alonso ein. Überhaupt setzte ihn der Trainer im Mittelfeld fast überall ein. Und man hatte nie den Eindruck, dass er eine Position nicht könne. Wäre es ihm gelungen, Lahm zu klonen, hätte er wohl eine Mannschaft mit Neuer im Tor, neun Lahms und Thiago irgendwo in der Zentrale aufgestellt.

Die Weltmeisterschaft war für ihn ein schwieriges Turnier. Anfangs auf der Sechs eingesetzt und von einer Verletzung gehandicapt, fand er nur schwer ins Turnier und stabilisierte sich erst, als er wieder als rechter Außenverteidiger eingesetzt wurde.
Danach trat er aus der Nationalmannschaft zurück und übergab die Kapitänsbinde an Bastian Schweinsteiger.

Und dann passierte es doch. Philipp Lahm verletzte sich im November 2014 schwerer (er brach sich das Sprunggelenk) und fiel einige Monate aus. Es geschah in einer Phase, als sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League die Weichen bereits gestellt waren.

Nach der Saison verließ Bastian Schweinsteiger den Verein.

In der letzten Rückrunde unter Guardiola schwang er sich nochmal zur Weltklasse auf. Und einigen dämmerte, dass Lahm nie die Wertschätzung erfahren hatte, die anderen zuteil wurde. Dass er sie auf seine alten Tage erfuhr, ist nicht nur der Sentimentalität, die einen häufig befällt, wenn man sich von jemandem verabschiedet, zurückzuführen, sondern auch Pep Gaurdiola, der sein Loblied auf ihn auch mit Inhalt füllte. Wer gesehen hat, wie angeregt sich die beiden nach dem letzten Spiel beim Pokalsieg in Berlin unterhielten, konnte spüren, dass sich zwei trafen, die sich sehr schätzten.

Abschied mit Misstönen

Als Philipp Lahm ein dreiviertel Jahr später ankündigte, seine Karriere ein Jahr vor Ablauf des Vertrags zu beenden, war man im Verein darüber überrascht und wohl auch verstimmt. Denn er setzte den Verein (bzw. die AG) auch darüber in Kenntnis, dass er nicht gedenke, unter dem Präsidenten Hoeneß das Sportchefchen zu geben. Dabei hatte Karl-Heinz Rummenigge wenige Minuten vor Hoeneß‘ Wiederwahl angekündigt, dass der neue Sportdirektor noch auf dem Platz stehe. Man kann nur mutmaßen, was sich in der Winterpause hinter den Kulissen abspielte.
Ganz so überraschend kam sein vorzeitiger Abgang jedoch nicht. Sein Rücktritt aus der Nationalmannschaft wirkte wohlüberlegt. Wer sich seine Leistungen in Rückrunde anschaut, wird feststellen, dass jemand geht, der einsieht, dass ihm schwerer fällt, weiterhin auf högschdem Niveau zu spielen.

Tatsache ist, dass der FC Bayern immer noch ohne Sportdirektor dasteht, während sich Lahm heute von der großen Bühne und vom Verein (erst mal?) verabschieden wird.
Wahrscheinlich werden ihn die Sportjournalisten nach der Saison noch flugs zum Fußballer des Jahres wählen. Etwas, was sie jahrelang versäumt hatten. Er wird es mit einem Lächeln zur Kenntnis nehmen.
Womöglich wird er in Zukunft das Geschehen mit Worthülsen auf Twitter kommentieren und seinem Verein vor wichtigen Spielen mit einigen Hashtags die Daumen drücken. Auf das Angebot Ribérys, ihm Karten fürs Stadion zu besorgen, wird er vorerst nicht zurückkommen.

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Offene Zukunft (Bild & Titelbild: @santapauli1980)


Unauffällige Legende

Ein lässiger Münchner war Philipp Lahm nie und wird er nicht mehr. Diese Rolle beherrschte der gebürtige Oberaudorfer Bastian Schweinsteiger wesentlich besser. Obwohl er dem eigenen Nachwuchs entstammt, flogen ihm nie die Herzen zu wie Schweinsteiger, Müller oder dem nie erwachsen werdenden Ribéry. Nähe war seine Sache nicht. Wenn Schweinsteiger das Glockenbachviertel ist, ist Lahm Harlaching. Unauffällig und ein wenig bieder. Es wird ihm egal sein.
Aber Philipp Lahm tritt als Legende ab, der auf einer Stufe mit Maier, Beckenbauer und Müller steht, wie Guardiola nach dem Pokalsieg 2016 zurecht anmerkte. Es wird ein wenig dauern, bis die Lücke, die der Unauffällige hinterlässt, auf dem Platz geschlossen ist.

[Vielen Dank an @santapauli1980 und @SammyKuffour für die Bilder!]

Weitere Texte:
„Danke Philipp Lahm“ & „Der Durchbruch des Philipp Lahm“ auf Miasanrot

Die kleinen Dinge: „Holger, hau ihn um!“

Es gibt wenig Argumente, sich an einem nasskalten Freitag Abend im November in die Hermann-Gerland-Kampfbahn zu begeben. Bei Spielen der Bayern Amateure vergisst man gerne mal, dass man in München ist. Die talentierten Spieler bieten häufig karge Hausmannskost, während auf der Gegengerade eine fast schon fremde Stadt besungen wird. Auf ihr findet jeder genügend Platz, und die Wohnungsnot rückt ob der Großzügigkeit des Raumes zum günstigen Preis für 90 Minuten plus Nachspielzeit inklusive Halbzeit in den Hintergrund. Passiert auf dem Spielfeld wenig, hat sogar der der für den C12-Liveticker Verantwortliche Zeit, sich mit seinen angenehmen Begleiterinnen und Begleitern zu unterhalten.

Und dann steht Holger Badstuber auf dem Platz. Der Hauch von Champions League vor 325 handverlesenen Gästen weht durch das luftige Areal. Die Nebelschwaden im Flutlicht vertreten die Hymne würdig. Nach sieben Jahren die Rückkehr in die Amateure-Mannschaft. Der hochbegabte Verteidiger, der vom Namensgeber der Kampfbahn auch im Mittelfeld eingesetzt wurde, bevor er von einem niederländischen Trainer, der der Vereinsführung schon länger unbekannt ist, in die Profimannschaft befördert wurde, kehrte zurück. Aus freien Stücken. Um in der Länderspielpause, die das Melatonin vieler Fußballfans ist, Spielpraxis zu sammeln. Gegen SV Seligenporten, das gefühlte FK Rostow der Regionalliga Bayern. Macht nicht jeder.

Holger Badstuber im Zweikampf (Bild: @SammyKuffour)

Holger Badstuber im Zweikampf (Bild: @SammyKuffour)

„Holger, hau ihn um!“ Ein paar Mal gerät er in Bedrängnis. Aber in der Szene, die wirklich wie ein Foul aussieht, trennt er seinen Gegenspieler nur vom Ball. Dazwischen dirigiert er und besetzt Räume. Manchmal gestikuliert er, um seine jungen Mitspieler für Spielsituationen zu sensibilisieren. Der Aufforderung aus der Kurve, sich doch auch mal nach vorne zu stellen – seine Mitspieler hatten schon das eine oder andere Mal den letzten Pass oder den Abschluss verpasst – kommt er nach. Ein Torschuss verfehlt das Ziel – nicht ganz knapp. Geschenkt. Und dann schnibbelt er einen wunderbaren Diagonalpass von links über das halbe Spielfeld nach rechts. Die Temperatur gerät in Vergessenheit.
Zwischendurch wird er von den Fans besungen. Überhaupt ist die Stimmung sehr gut. Nach der dritten Auswechslung ist klar, dass er bis zum Ende spielt. Wenn… – aber daran will niemand denken, und es passiert auch nicht.
Das Spiel endet 2:0. Es war gar nicht so schlecht, was nicht nur an Badstuber lag.

Nach dem Spiel wird er aufgefordert, sein Trikot herzugeben. Der Kult, da ist er ganz Allgäuer, ist ihm vor 325 wie vor 75000 Zuschauern fremd. Es landet in guten Händen. Vermutlich weiß er es. Wahrscheinlich – das war von oben nicht so genau zu erkennen – hat Holger Badstuber sogar gelächelt.
300 Zuschauerinnen und Zuschauer gehen glücklich nach Hause. Die anderen 25 zurück ins Kloster. Ein schöner Abend.

Fußballfragebogen: #MiaSanQuattro!

Dein Verein heißt:
Immer noch FC Bayern München

Wie lautet das offizielle Saisonziel, sofern es bekannt ist?
Aufstieg. Ach so, das gilt ja für die Amateure.
Ich habe noch nix gehört oder nicht aufgepasst, aber ich vermute mal Meisterschaft, weil das laut Rolex-Kalle „der ehrlichste Titel“ ist.

Wie lautet DEIN Saisonziel für deinen Verein?
Tatsächlich Aufstieg der Amateure, damit der Schritt in die Bundesliga für Nachwuchsspieler kleiner wird.
Darüber hinaus: Meisterschaft, Paulaner Cup und keine Verletzte.

Welchen Spieler hätte deine Mannschaft in der Pause lieber nicht abgegeben?
So weh der Abschied Bastian Schweinsteigers tut: er war richtig. Ihm bleibt eine Diskussion über seinen Vertrag und Spiele auf der Bank erspart.
Pepe Reina hätte ich gerne noch bei uns gesehen, aber der will eben noch spielen und nicht nur sitzen.

Welchen Spieler hätte deine Mannschaft besser verkaufen sollen?
Keinen. Für einen verletzten Spieler wie Jan Kirchhoff gibt es eben keinen Markt.

Wen hätte deine Mannschaft diese Saison lieber NICHT gekauft?
Sven Ulreich ist jetzt nicht so der Brüller. Aber als Platzhalter für Manuel Neuer bekommst Du eben nur Durchschnitt.

Wer von den neuen Spielern wird deiner Mannschaft am besten helfen?
Wie ich vorhin schrieb: Arturo Vidal kann der Königstransfer für den ganz großen Wurf sein.

Wie wirst du in dieser Saison deine Mannschaft unterstützen?
Im Stadion singend, ansonsten sitzend und trinkend.

Wie findest du das neue Trikot Deiner Mannschaft?
Eher so meh. Die beiden Rottöne beißen sich.

Welcher Stürmer wird die Torjägerkanone holen?
Henrikh Mkhitaryan. Vielleicht kann ich seinen Namen nach der Saison schreiben, ohne eine Suchmaschine zu bemühen.

Welcher Trainer wird als erstes gefeuert?
Das ist der Elfmeter unter diesen Fragen: Michael Frontzeck.

Welche Mannschaft wird das erste Tor der Saison schießen?
Der HSV, ein Eigentor.

Welche Mannschaften SOLLTEN absteigen?
Puh, sollten… Aber was Hannover 96 und Hertha BSC veranstalten, erschließt sich mir nicht. Hertha wird Tabellenletzter und geht mit Darmstadt 98 in die 2. Liga. H96 muss in die Relegation.

Welche Mannschaft wird Meister?
#MiaSanQuattro! (Tschulligung.)

Wenn du nicht im Stadion bist, wo wirst du die Spiele sehen?
Beim Ali mit Sam, Raul und den anderen jungen Burschen, die sich im Gegensatz zu mir noch grazil über den grünen Rasen bewegen und um die vollen Tische schwanzeln können wie Frank Ribéry.

Wie sehr vermisst du die Bundesliga auf einer Skala von 1 bis 10 – wobei bei 1 so ziemlich keine Träne nach der Bundesliga verdrückt wird und 10 quasi bedeutet, dass du ernste Entzugserscheinungen hast?
11. Wird Zeit. Aber sowas von! Die drei Monate waren zu lang!

[2013]

Amateurederby zwischen Event und Bürgerkrieg

Die gut beschirmte Choreographie  (Bild: Johanna Röhr)

Die gut beschirmte Choreographie (Bild: Johanna Röhr)

Beginnen wir mit dem Wesentlichen: DERBYSIEGER!

Es war kein sonderlich gutes Fußballspiel. Beide Mannschaften taten sich schwer, ins Spiel zu kommen. Letzte und vorletzte Pässe erreichten häufig keine Mitspieler, so dass wenig Chancen herausgespielt wurden oder dem Zufall entsprachen. Die Angst vor einer Niederlage im Derby vor großer Kulisse war den jungen Spielern anzumerken. Von der Ferne der Gegengerade zweifelhaft anmutende Entscheidungen des Bundesliga-erfahrenen Pullacher Schiedsrichters Günther Perl rundeten das Bild ab. Es deutete sich ein leistungsgerechtes 0:0 an, bis Lukas Görtler in der 75. Minute einem Zuspiel von Gerrit Wegkamp ein Traumtor, das ihn zum Helden erhob, gelang.
Die Junglöwen erholten sich davon nicht mehr und mussten die zweite Derby-Niederlage der Saison hinnehmen. Die Bayern Amateure verkürzten den Rückstand auf den Tabellenführer Würzburger Kickers auf acht Punkte.
Die Spieler des FC Bayern ließen sich anschließend lange von ihren Fans feiern; der Torschütze bewies ohne Mikrofon, dass er gut bei Stimme ist.
Einen ausführlichen Spielbericht gibt es bei Miasanrot.

Choreo von oben

Choreo von oben

Damit wäre zu dem Spiel eigentlich alles gesagt.
Es passierte in den letzten Tagen und Wochen jedoch zu viel, um die Nebengeräusche auszublenden. Es drängt sich der Eindruck auf, dass Polizei, Stadtrat und viele Medien sich redlich Mühe gaben, dem Spiel noch mehr Raum zu geben, als es das innerhalb der Fans beider Mannschaften ohnehin schon hat. Natürlich zieht das kleine Derby viele an, die sonst nicht auf die Idee kämen, sich ein Spiel der zweiten Mannschaften anzuschauen. (Ich bin auch viel zu selten in der Hermann-Gerland-Kampfbahn.) Die Profis trugen die letzte Stadtmeisterschaft 2008 im Viertelfinale des DFB-Pokals aus, und das alte Stadion tragen dazu bei. Und natürlich gib es immer ein paar Idioten, die meinen, sich auf Kosten anderer inszenieren zu müssen. So werde ich nie verstehen, was an Pyrotechnik, wenn sie zum Anpfiff gezündet und dann noch aufs Spielfeld geworfen wird, so toll sein sein soll. Ich gehe ins Stadion, um etwas vom Spiel zu sehen und meine Mannschaft verbal anzufeuern. Es wundert mich, wie es den Schwachmaten immer wieder gelingt, ins Stadion zu schmuggeln; weder Einlasskontrolleure noch 1200 Polizeibeamte konnten sie verhindern.
Das täuscht aber darüber hinweg, dass auch dieses Derby friedlich ablief. 12 vorübergehende Festnahmen (Pressemeldung/Twitter) sprechen für ein normales Derby.
B*LD und die Bayern2-Regionalzeit sahen in der Polizei sogar den „wahren Derbysieger“. Mit derartigen Schlagzeilen und Berichten wird ein Fußballspiel populistisch wie fahrlässig zum Bürgerkrieg hochstilisiert. Einzig Felix Müller vom Münchner Merkur vermochte es, mit angemessenen Worten die Verhältnisse gerade zu rücken.
Die großräumige Unterbrechung der Trambahn zwischen Ostfriedhof und Wettersteinplatz sowie der Buslinien 54 und 58 hätte man auch früher kommunizieren können als unmittelbar vor der Sperrung. Es kann mir niemand erzählen, dass das spontan beschlossen wurde. Das Verbieten einer Choreographie spricht auch nicht für einen souveränen und deeskalierenden Umgang mit Fans. Dass es dennoch eine – noch dazu sehr schöne, die von der Polizei auf Twitter veröffentlicht wurde – gab, ist den kreativen Köpfen des Club Nr. 12 zu verdanken.

Die Derbysieger

Die Derbysieger

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Stadtrat vor dem nächsten Derby verhält. Glaubt er dem Polizeibericht oder den reißerischen Berichten in den Zeitungen? Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge lädt nun zu einem Runden Tisch ein , an dem Vertreter der Stadt, Polizei und Vereine sitzen sollen. Es ist im Sinne eines Dialogs sehr sinnvoll, dazu auch Fanvertreter beider Vereine einzuladen.

Für mich bleibt nach dem Spiel, bei dem ich auf Hin- und Rückweg unmittelbaren Kontakt mit dem „Feind“ hatte, die Erkenntnis, dass ich das Kurvengefühl beim Auswärtsspiel der Amateure in Augsburg angenehmer fand. Das Spiel ging zwar verloren, war aber atmosphärischer, weil Gesang und Support kreativer waren. Den Spielen abseits des Derbys fehlt der Eventcharakter, den viele auch verbal durchzusetzen versuchen.

Vielen Dank an @Surfin_Bird, der mir sein Ticket überließ, und Johanna Röhrl, deren Bild von der Choreographie ich für diesen Text verwenden darf, und dem Club Nr. 12 für sein Engagement!