Neunnachneun extra: Der FC Bayern München in Katar und Saudi-Arabien

Ich verliere allmählich den Überblick über die sich erfreulicherweise anhäufenden kritischen Kommentare zu den Engagements des FC Bayern München in Katar und Saudi-Arabien. Ich möchte sie hier sammeln, auch unter dem Aspekt der Ende des Jahres stattfindenden Jahreshauptversammlung.
Sollte ich einen Kommentar übersehen haben, was ich hoffe, scheuen Sie sich bitte nicht, in den Kommentaren einen Link zu ihm zu hinterlassen!
An dieser Stelle möchte ich mich bei @cordhos bedanken, der mich fleißig mit Links versorgt(e).

Stellungnahmen des FC Bayern München

Karl-Heinz Rummenigge. Interview im Aktuellen Sportsudio (20.12. 2014, ab Min 6:37)

Presseerklärung von Karl-Heinz Rummenigge: Stellungnahme des FC Bayern München (21.01.2015)

Kolumne „Rot und Spiele“ von „Säbener Sigi“: Sorgen um Dr. Theo Zwanziger (23.01.2015)

Stellungnahmen von FCB-Fans/-Mitgliedern

@agitpopblog (DIE ZEIT): FC Bayern in Katar: Wie kann ein Verein das ignorieren? (offener Brief an den Vorstand des FC Bayern München e.V.)

Bayerncentral: Football training camps, human rights and moral obligations

Breitnigge: Fußball ist unpolitisch oder Ein Leben in der Blase

Ein Schuss. Ein Tor. Der Blog: Der FC Bayern und die Suche nach den ‚optimalen Trainingsbedingungen‘

Fehlpass: Queer in Riad (Podcast; Minuten werden nach dem Anhören nachgereicht.)

Alex Feuerherdt (Fisch+Fleisch): Mia san Charlie – solange es nichts kostet…

Alex Feuerherdt (Fisch+Fleisch): Der FC Bayern unter (politischem) Druck

Kopfkompost: Sport und Politik: Besuche des FC Bayern in Katar und Saudi-Arabien

Miasanrot: Reisemisere und Rückrundenstart (Podcast; Min. 40:12 bis 1:18:57)

Stadtneurotiker: Das Trainingslager des FC Bayern München in Katar: Es ist Politik!

Stadtneurotiker: Die Tür nach Katar bleibt offen

@texterstexte: Sehr geehrter Herr Dreesen (offener Brief)

Diskussion im Forum Bayernkurve

Presse/Blogs national

Michael Ashelm und Michael Horeni (FAZ): Spiel ohne Frauen in Riad: „Bei den Bayern schlägt Kommerz die Ethik“

Johannes Aumüller und Benedikt Warmbrunn (Süddeutsche Zeitung): FC-Bayern-Reise nach Saudi-Arabien: „Es liegt keine Ehre darin“

Agenturmeldung (Frankfurter Rundschau): Kritik an Bayern München

Dreckige Wahrheit: FC Bayern: Siege ohne Ehre

Detlef Esslinger (Süddeutsche Zeitung): Affären um Katar: Wie der FC Bayern das Fifa-System stützt

Oliver Fritsch (DIE ZEIT): Menschenrechte in Katar: „Pep Guardiolas ethisches Versagen wiegt schwer“

Stefan Herrmans (Der Tagesspiegel): Die Crux mit der Moral

Martin Hoffmann (sport1.de): Debatte um die Trainingslager der Bundesliga: Eine Frage der Haltung

René Hofmann (Süddeutsche Zeitung): Falsches Spiel in Riad

René Hofmann (Süddeutsche Zeitung): Sport und Moral: Geschäfte machen mit der Illusion

Michael Horeni (FAZ): Das Frauen-Feindschaftsspiel des FC Bayern

Michael Horeni (FAZ): Ignoranter Fußball: Nichts gelernt

Alina Leimbach (taz): Testspiel in Saudi-Arabien: Kritik an Volkswagen und FC Bayern

Sara Peschke (DER SPIEGEL): Bayern-Trainingslager in Katar: Luxus schlägt Skrupel

trabajador (Spox/mySpox-Community): Wen schicken wir noch in die Wüste? Und die Moral von der Geschicht…

Claus Vetter (Der Tagesspiegel): FC Bayern München in Saudi-Arabien: Die Moral bleibt daheim?

Volk ohne Raumdeckung: Markenpflege im Land der 1000 Peitschenhiebe

Benedikt Warmbrunn: FC-Bayern-Reise nach Saudi-Arabien: Vom eigenen Ideal weggerückt

Presse/Blogs international

Fritz Neumann (Der Standard/A): Servus in Katar, Servus in Saudi-Arabien

Agenturmeldung (DH.be/B): Le Bayern Munich critiqué pour son stage en Arabie Saoudite

N.N. (Tageswoche/CH): Die beschämende Riad-Nummer des FC Bayern

Agenturmeldung (L’Équipe/F): Le stage du Bayern Munich en Arabie Saoudite très critiqué

Agenturmeldung (The Guardian/GB): Bayern Munich accused of turning blind eye to human rights in Saudi Arabia

Agenturmeldung (Reuters/GB): Bayern Munich under fire over Saudi Arabia trip

Stephan Uersfeld (ESPN/USA): http://www.espnfc.com/bayern-munich/story/2256081/bayern-munich-under-scrutiny-for-saudi-arabia-visit

Das Trainingslager des FC Bayern München in Katar: Es ist Politik!

Lieber FC Bayern München!

Ich habe vollkommenes Verständnis dafür, daß die Verantwortlichen der Mannschaft und den Trainern ideale Bedingungen für die Vorbereitung auf die Rückrunde, in der schwere Aufgaben anstehen, ermöglichen. Dazu gehört auch ein Trainingslager, daß frei von der hierzulande zu erwartenden Witterung ist.

Ich habe jedoch kein Verständnis dafür, daß das Trainingslager abermals in Katar aufgeschlagen wird – mögen die klimatischen Rahmenbedingungen noch so ideal sein.
Es dürfte dem Verein nicht entgangen sein, daß die dort suggerierte Weltoffenheit nur vorgetäuscht ist. So weist das Auswärtige Amt darauf hin, daß Homosexualität mit bis zu 15 Jahren Gefängnisstrafe geahndet wird. Über die für Arbeitnehmer unwürdigen Zustände rund um die Bauarbeiten für die WM 2022 wird in schöner Regelmäßigkeit berichtet, auch wenn Ehrenpräsident Franz Beckenbauer bei seiner Stippvisite keine Sklaven gesehen haben will. Katar ist auch offen antisemitisch. So verweigerte man dem israelischen Spieler Dan Mori von Vitesse Arnheim im Rahmen dessen Trainingslagers Anfang diesen Jahres die Einreise. Beim Schwimmweltcup im September 2013 wurden die Flaggen aller teilnehmenden Länder gehisst – nur nicht die Israels!
Die der Süddeutschen Zeitung gegebene Aussage, man sei dort, „um Fußball spielen, nicht um Politik zu machen“, ist falsch. Es gibt andere, tatsächlich weltoffene Länder, die sich freuen würden, Mannschaft, Trainer und Funktionäre einzuladen, und im Januar saftgrüne Wiesen bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen ideale Bedingungen bieten.

Der FC Bayern macht seiner Entscheidung, sich erneut in Katar auf die Rückrunde vorzubereiten, Politik! Eine falsche Politik. Anstatt anderen Vereinen als Vorbild zu dienen und öffentlichkeitswirksam auf die Missstände hinweisend nachträglich auf die Einladung zu verzichten, lässt sich der Verein für eine Scheindemokratie instrumentalisieren. Das zeugt nicht von der Weltoffenheit, wie sie Ehrenpräsident Kurt Landauer vorlebte. Die Initiativen der Fangruppen, die sich erfolgreich und mit Auszeichnung im Stadion gegen Homophobie, Rassismus und Antisemitismus einsetzen, werden dadurch topediert.

Der FC Bayern begeht keinen Fehler, wenn er von der Zusage für das Trainingslager in Katar zurücktritt. Noch ist es dafür nicht zu spät.

Viele Grüße von einem langjährigen Fan.

Nachtrag, 09.01.15
Der FC Bayern ließ sich von seiner Entscheidung nicht abbringen und flog heute mit seiner 1. Mannschaft nach Katar.
Leider wirkt auch das gestern auf Twitter veröffentlichte Bedauern der Opfer vom Pariser Attentat vorgestern nur aufgesetzt. Wer sich von einem Land, das den Terror der Hamas unterstützt, aushalten lässt, ist nicht Charlie, höchstens scheinheilig.

Torsten Wieland hat am 06.01., als der FC Schalke 04, das gleiche Ziel aufsuchte, diesen Text auf seinem Königsblog veröffentlicht. Ich bedanke mich an dieser Stelle noch einmal für die freundliche Übernahme!
Die Vereine mögen verschieden sein, die Schweinereien nicht.

Tatort-Polizeiruf-Schnelldurchlauf Oktober 2014

Ein Knaller und viel Stangenware charakterisierten die Sonntag Abende im Ersten. Dazu gesellt sich ein Film, der kein Meisterwerk, aber sehr wichtig ist.

Ulrich Matthes und Ulrich Tukur im vielleicht besten Tatort aller Zeiten. (Bild: (HR/Philip Sichler)

Ulrich Matthes und Ulrich Tukur im vielleicht besten Tatort aller Zeiten. (Bild: (HR/Philip Sichler)

919. Tatort: Winternebel (SWR/Blum, Perlmann & Lüthi)
Jochen Greve (Buch) und Patrick Winczewski (Regie) stocherten arg im Trüben. Ja, der Nebel am Bodnsee kann sehr zäh sein, selbst die aus Grünwald dorthin versetzte Oberschicht kann nicht mal so eben die Sonne anknipsen. Die grenzübergreifenden Ermittlungen waren so langatmig wie künstlich erzwungen. Da eine Leiche, dort eine Leiche – schon hat man einen Fall. Scheinbare Brisanz bekommt es, wenn einer der Ermittler persönlich betroffen ist. Es fehlten Spannung und Esprit; eine Reportage über die schönsten Stellen am Bodensee im Herbst wäre interessanter gewesen. (2/10)

920. Tatort: Im Schmerz geboren (HR/Murot & Wächter)
Nein, ich bin nicht film- und litateraturfest, so daß die meisten Zitate an mir ohne Aha-Erlebnis vorübergingen. Ich war nicht mal in der Lage, die Leichen zu zählen (die Angaben schwanken zwischen 47 und 54). Letztlich ist es egal.
Denn was Michael Proehl (Buch) und Florian Schwarz (Regie), die schon „Weil sie böse sind“, ebenfalls für den HR, komponierten, zusammenspannen, war vorher noch nicht im Tatort zu sehen. Der Rachefeldzug von Murots altem Freund Harloff aus Polizeischultagen im heißen wie rustikalen Wiesbaden geriet zu einem Duell, das alle Register der Filmkunst zog. Ulrich Tukur und Ulrich Matthes agierten auf Augenhöhe, die Nebendarsteller waren ebenfalls hochkarätig.
Selten genug: das Finale war furios! Die vom Sinfonieorchester Hessischen Rundfunks eingespielte Musik rundete den vielleicht besten Tatort aller Zeiten ab. Es fällt mir sehr schwer, dieses Meisterwerk mit angemessenen Worten zu würdigen. (10/10)

345. Polizeiruf 110: Smoke on the Water (BR/von Meuffels)
Dieser Film ist die vielleicht größte Enttäuschung des Jahres innerhalb der sonntäglichen Krimireihen. Die für Qualität bekannten Günther Schütter und Dominik Graf schufen ein aufgeblasenes Werk um politische Machenschaften rund um eine ermordete Journalsitin, die mehr wusste, als sie durfte. Die gewohnt eindrucksvollen Bilder und Szenenwechsel hielten mit der Geschichte keineswegs stand. Man könnte meinen, das Nuscheln wäre Absicht gewesen, um den dünnen Inhalt schlecht zu verstehen. Das Finale geriet zur Materialschlacht von Masken- und Kostümbildern. Einziger Lichtblick war Judith Böhle als Freundin der ermordeten Journalistin.
Die hinterher geäußerte Kritik ob der gewaltverherrlichenden Szenen teile ich nicht. Bei einem Krimi erwarte ich keine Welt, wie sie mir gefällt, und Kinder haben bei dem sonntäglichen Ritual vor dem Fernseher nichts zu suchen. Viel Rauch um nichts. (3,5/10)

921. Tatort: Blackout (SWR/ Odenthal, Kopper & Stern)
Darf man Lena Odenthal jetzt „Die Alte“ nennen? Seit 25 Jahren ermittelt sie inzwischen am Tatort; ein Ende scheint nicht abzusehen. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn Redaktion und Autoren den Mut hätten, dieser Kommissarin mehr zuzutrauen. Gelungen ist die Darstellung ihrer Krise. Eine Frau um die 50 laviert sich mehr schlecht als recht durch einen Fall, weil ihr die Kraft fehlt. Die angedeutete Depression als Ergebnis, im Leben etwas falsch gemacht oder versäumt zu haben, stellte Ulrike Folkerts nachvollziehbar dar. Der Plot hielt dem jedoch nicht stand. Ein mit K.O.-Tropfen um die Ecke gebrachter Mann, junge Frauen, die damit gefügig gemacht wurden und eine eifersüchtige Ehefrau bildeten den Rahmen einer ermüdenden Geschichte.
Die neue Assistentin Stern (Lisa Bitter) nervte noch ziemlich; es ist der Figur – sie trug Tablet und Knarre in der Handtasche – zu wünschen, daß sie zukünftig weniger schablonenhaft charakterisiert wird. Eine verkopfte Fallanalytikerin kann dem Trott zwischen Odenthal und ihrem Mitbewohner Kopper ein wenig Schwung verliehen.
Ulrike Folkerts bringt das Dilemma der Figur Lena Odenthal in einem Interview mit dem Tatort-Fundus auf den Punkt: „Was ich mir wünsche für die Figur, dass man sie weiterentwickelt, weil das ist zu Ende erzählt – das Zusammen wohnen von Kopper und Lena… die Katze….“ Als Zuschauer kann man hoffen, daß sich der SWR, der seit einigen Jahren zumeist durchwachsene Tatorte zeigt, wieder mehr traut. Ansonsten versinken nicht nur die Ludwigshafener Folgen dauerhaft im Krimi-Einheitsbrei. (3,5/10)

Bonus: Landauer – Der Präsident
Ohne die Ultrà-Gruppierung „Schickeria“ wüssten wohl die meisten Personen (Funktionäre und Fans) rund um den FC Bayern München nicht, wer Kurt Landauer ist. In seiner Amtszeit von 1919 bis 1933 stellte er den Verein international auf, wofür er sehr viel Kritik im auf den Amateurstatus pochenden DFB erntete. Sein Engagement gipfelte in der ersten deutschen Meisterschaft 1932. Sein Werk wurde von den Nationalsozialisten jäh unterbrochen, die den jüdischen Kaufmann aus dem Amt jagten.
Der von Hans Steinbichler nach dem Buch von Dirk Kämper opulent inszenierte Film konzentriert sich auf die Zeit zwischen 1947, als Landauer aus dem Schweizer Exil zurückkehrend auf dem Weg nach New York nur Zwischenstation in München machen wollte, und 1951. Der Verein lag wie die Stadt in Schutt und Asche, und er fühlte sich verantwortlich, seinen FC Bayern wieder aufzubauen. Josef Bierbichler zeichnet einen kantigen und durchsetzungsfreudigen Landauer, der den Verein wieder zum Leben erweckt. Der Film hält sich nicht genau an die Geschichte, was zu vernachlässigen ist, weil die Figur und ihr Wirken im Vordergrund stehen. Wahrscheinlich wäre der Film allerdings ohne Bierbichler nur schwer erträglich, denn an einigen Stellen wird durch bedeutungsschwangere Musikuntermalung sehr dick aufgetragen.
In Zeiten immer offener ausgelebten Antisemitismus und Rassismus setzt der Film jedoch ein wichtiges Zeichen zur richtigen Zeit und kann auch als Hommage an auf Antirassimus setzende Fanarbeit angesehen werden. Der FC Bayern hat die Zeichen spät erkannt und Kurt Landauer 2013 in einer von Uli Hoeneß‘ Tränen geprägten Jahreshauptversammlung posthum zum Ehrenpräsidenten ernannt. (7/10)
[Der Film ist noch bis 15.01.2015 in ARD-Mediathek abgelegt.]

Vorschau November:
Vorfreude: Der neue Polizeiruf mit den Rostocker Rock’n’Rollern König und Bukow.
Neu für mich: das Magdeburger Polizeirufteam, das bereits seinen dritten Fall löst.
Zum letzten Mal: Der letzte Tatort mit Boris Aljinovic als Felix Stark; Dominic Raacke quittierte schon eine Folge zuvor den Dienst.