Zwischen Titeln und Spekulationen: Es wird hart!

Es ärgert mich bis heute, im Abgang meiner zahlreichen Kneipenaufenthalte in jungen Jahren bei den annähernd zahlreichen Besuchen der Keramikabteilungen einmal zu wenig in den Kasten, in denen Postkarten aus der ehrfürchtig klingenden Produktion „Edgar“ auf aufgeschlossene Notdürftige warteten, einmal zu wenig zugegriffen zu haben. Ein Motiv zeigte auf einem Schwarz-Weiß-Bild einen jungen Mann, der damals in meinem Alter gewesen sein dürfte, auf einer Toilette. Er hielt die für so eine Lokalität typische Rolle in der Hand und wirkte ansonsten auch nicht glücklich. Auf der Karte stand: „Es wird hart.“
Dieses Gefühl habe ich beim Blick auf die Saison auch. Es drückt mich seit Tagen etwas, das jetzt raus muss.

Vielleicht war die Sommerpause zu lang, und wirklich viel passiert ist nicht. Schalke 04 hat Entscheidungen getroffen, die selbst im kritischen Umfeld überwiegend positiv aufgenommen wurden – die medizinischen Untersuchungen fanden bei anderen Vereinen satt. Der SC Freiburg hat als Absteiger rund 25 Millionen Euro eingenommen, ohne auch nur einen Spieler überteuert nach England abgegeben zu haben (etwas, das mir zu wenig Würdigung erfährt). Sogar der HSV verhielt sich nach seinem Klassenerhalt in letzter Sekunde bis vor dem Pokalspiel unauffällig!
Es drängte sich in den letzten Wochen der Verdacht auf, dass scheinbare Baustellen und somit Themen gefunden werden mussten, um irgendwie im Geschäft zu bleiben. Dass sich der FC Bayern dafür anbietet, ist so nachvollziehbar wie ermüdend.
Bis auf die unsägliche Chinareise, auf der Mannschaft und Begleiter alles außer Unterdrückten zu sehen bekamen, gab der Verein ein positives Bild ab. Das mag daran liegen, dass Karl-Heinz Rummenigge zu wenigen Dingen Stellung bezogen hat. Selbst der Abschied Bastian Schweinsteigers ging relativ geräuschlos über die Bühne. Die Transfers wurden im Hintergrund so gut vorbereitet, dass sie erst öffentlich wurden, als sie quasi schon in trockenen Tüchern waren. Besoffen mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Geiselgasteigstraße fuhr auch niemand.
Eigentlich eine ruhige Sommerpause!

Irgendwann fiel Einigen ein, dass der Trainer nur noch ein Jahr Vertrag hat. EIN JAHR! Und gewonnen hat der vor zwei Jahren wie ein Messias gefeierte Katalane in den vergangenen zwei Jahren eigentlich auch nix. Zwei nationale Titel im ersten Jahr, nur noch einen im zweiten Jahr. Es ist also abzusehen, was im dritten Jahr unter der Lame Duck gewonnen wird: Nix!
„Pep unter Druck“ schlagzeilte also ein Blatt vor dem Supercup. Das ist einer der drei vom deutschen Fußball ausgelobten Titel, dessen Bedeutung sich knapp über der des Paulanercups bewegt.
Okay, das Spiel ging verloren. Und jetzt haben wir eine Krise? Nach einem Spiel, in dem LarsNicklas Bendtner, ich wiederhole, LarsNicklas Bendtner den letzten Elfer schießen durfte? Really? (Okay, Elfer sollte die Mannschaft mal üben. Auf welchem Rasen auch immer. Rutschig kann es überall sein.) Die Pressekonferenz ein paar Tage später war recht ungemütlich und Guardiola erstmals sichtlich genervt. Die Personalie Götze, befeuert durch ein seltsam anmutendes Management, garniert mit fragwürdigen oder aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten – so genau lässt sich das nicht nachvollziehen – trug auch nicht zu besserer Laune bei.

Bei dem Aufwärmprogramm namens Audicup wurde im übertragenden Fernsehen eine Stimmung verbreitet, als stünde der FC Bayern vor dem Abstieg. Als die Mannschaft einen ziemlich derangierten AC Mailand mit 3:0 besiegte, war man andernorts schon wieder in Höchststimmung und schwadronierte von „totaler Dominanz“. Im Fernsehen war man tags drauf zum Finale immer noch in Trauerstimmung. Klar, die Zweitverwertungsrechte für die 2. Liga am Freitag und Sonntag hat Sport1. Die Mannschaft gewann dann doch irgendwie (kurz vor dem Elfmeterschießen!) 1:0 gegen Real Madrid. Und Mario Götze spielte recht gut.

In der Pressekonferenz vor dem Pokalspiel hatte dann Matthias Sammer einen recht guten Auftritt. Bei ihm weiß man ja nie, ob er weiß, was er am Satzende sagen wird. Diesmal wusste er es offenbar und heizte den Fragenden ordentlich ein.
Das Pokalspiel selbst? Ein 3:1 bei einem Fünftligisten. Das ist nicht berauschend, aber es reicht. Für die SZ war das Spiel eine „Enttäuschung“. Weil die badischen Bauernfünferl nicht bei 45 Grad zweistellig aus dem Stadion geschossen wurden? Das ist lächerlich.
Dazu kommt, dass die Mannschaft immer noch nicht komplett ist. Arjen Robben wurde zwischenzeitlich für eine Woche aus dem Mannschaftstraining genommen, bei Franck Ribéry, Javier Martínez und Holger Badstuber ist noch nicht absehbar, wie lange sie noch ausfallen werden. Die neuen Douglas Costa und Arturo Vidal kamen erst im Laufe der Vorbereitung.

Es wurde sehr viel Unruhe verbreitet, und es ist nicht absehbar, dass sich das legen wird. Man muss befürchten, dass fröhlich weiter gebohrt wird, wenn die Mannschaft nach fünf Spieltagen nicht mindestens zehn Punkte Vorsprung auf den Zweiten hat.
Sollte dies wider Erwarten doch der Fall sein, wird man über unzufriedene Spieler berichten, weil der Trainer diesen zu großen Kader „schlecht moderiert“.

Dabei bin ich recht optimistisch gestimmt und freue mich auf die neue Saison.
Ich den Eindruck habe, dass die Verantwortlichen die richtigen Personalentscheidungen getroffen haben. Douglas Costa – dass in München ein Costa spielt, der kein Grieche ist, ist für mich noch gewöhnungsbedürftig – macht nach den ersten Spielen den Eindruck, der Mannschaft offensiv neue Impulse geben zu können. Da nicht absehbar ist, wie lange Ribéry noch ausfallen wird, scheint das Geld in ihn sehr gut investiert zu sein. Arturo Vidal kann wie vor drei Jahren Martínez so etwas wie der Königstransfer für den ganz großen Wurf sein.
Der Mannschaft dürfte das Gerede um den Trainer relativ egal sein. Mit Lahm, Robben und Ribéry gibt es Spieler, für die es womöglich die letzte Gelegenheit ist, den Europapokal noch einmal zu gewinnen. Flankiert werden sie von neuen und jüngeren Spielern, die die Krönung noch nicht erlebt haben. Und Thomas Müller will eh immer spielen und gewinnen. Die Mischung macht einen stimmigen Eindruck. Ob es reicht, ist nicht zu prognostizieren. Die letzte Saison hat gezeigt, wie unmöglich es ist, Titel in Pokalwettbewerben zu planen.
Daher wünsche ich mir vor allem möglichst wenig Verletzte. Wenn es Pep Guardiola gelingt, junge Spieler wie Joshua Kimmich und Pierre-Emile Højbjerg einzubauen und den sich spätestens mit Schweinsteigers Wechsel begonnen Umbruch einzuleiten, wäre ich auch sehr glücklich.

Sollte die Mannschaft schwer in die Gänge kommen, wird es hart. Aber mit dem HSV stellt sich am 1. Spieltag ein Gegner mit einer tatsächlich unruhigeren Woche als der FCB vor, der der Mannschaft liegt. Dann kann es flutschen wie vor drei Jahren, als Mario Mandžukić wie ein chemischer Rohreiniger auf europäischen Spielfeldern aufräumte.

Ich habe keine Ahnung, wie diese Saison ausgehen wird. Zwischen Nix (also Platz 3 auf den letzten Drücker), Etablierung junger Hasen wie Kimmich, einem Titel, der Torjägerkrone für Lewandowski, drei Titeln und der geordneten Übergabe einer intakten Mannschaft für Jürgen Klopp, Lucien Favre oder Markus Weinzierl ist alles drin.
Wird es ganz schlimm verstecke ich mich wie der junge Mann auf dem Klo und halte die Rolle ganz fest.

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Bei Breitnigge und Miasanrot wird auch nach vorne geschaut.

Verwöhnvorrunde und absurder Aberglaube

Wer den letzten der nun folgenden acht Absätze auslässt, darf sich auf eine freudentrunkene Zusammenfassung der Vorrunde freuen. Der letzte Absatz ist die störende Darbietung in Form der Blockflöte, ohne die es kein Weihnachtsfest gibt.

Nach dieser Vorrunde habe ich als ahnungsloser Fan keinen Anlass zu meckern. Elf Punkte Vorsprung auf den Zweiten, nur eine Niederlage (im bedeutungslosen Spiel bei Manchester City) habe ich nicht erwartet.
Eine sehr zähe Vorrunde erwartete ich, weil die Statistik nach erfolgreichen Turnieren gegen virtuoses und effektives Passspiel sprach. Folglich stellte ich mich auf uninspiriertes und unproduktives Ballgeschiebe ein. Die Liste der Verletzten, die ich ohne Recherche nicht vollständig aufführen kann (Fragt den Doc!), ließ meine Skepsis wachsen. Die Liste der Verletzten, die ich ohne Recherche nicht vollständig aufführen kann (Fragt den Doc!), ließ meine Skepsis wachsen.

1. Spieltag, Notelff!!!einself Okay, die einzige, nennenswerte Notlösung gegen Wolfsburg war Gianluca Gaudino, der mit David Alaba die Doppelsechs bildete. Danach wurde Xabi Alonso verpflichtet, der fortan mit 10.000 Ballkontakten Bundesliga und Medien aufmischte. Nach dem spielerisch holprigen Auftakt steigerten sich die Weltmeister und die verhinderten Weltmeister von Spiel zu Spiel und sorgten lediglich nach dem 0:0 in Hamburg für Stirnrunzeln. Da spielte allerdings Arjen Robben nicht mit, worüber man am vergangenen Freitag in Mainz ebenfalls nicht unglücklich gewesen wäre. Dort schloss sich ein Kreis, spielte man zum Jahresabschluss auch mit einer Notelf. Aber eben mit Robben.

À propos Arjen Robben. Galt er vor zweieinhalb Jahren für viele als das Sinnbild für Erfolglosigkeit, für das er sich wenige Tage später während eines Freundschaftsspiels auspfeifen lassen musste, ist er spätestens nach seinem entscheidenen Tor im Champions League-Finale von London 2013 nicht wiederzuerkennen. Gelassenheit, Entschlossenheit und Spielwitz (und der ewig junge Trick) zeichnen ihn seit dem aus. Vielleicht ist er der Einzige, der momentan nicht zu ersetzen ist.
Für mich ist Arjen Robben der Spieler des Jahres (Lamento über Ballon d’Or bitte hier einfügen!) – vor Jérôme Boateng und David Alaba.
Boateng hat sich zu einem der weltbesten Innenverteidiger entwickelt, der wie kein anderer Humorlosigkeit mit Schnelligkeit und Präzision kombiniert. Diese Pässe! Alaba wird immer erwachsener, was man nicht nur daran erkennt, daß ihm Franck Ribéry auf dem Platz keine Anweisungen mehr gibt. Inzwischen tummelt er sich überall rum und entwickelt sich zur Inkarnation des Mittelfeldspielers, von der sein Trainer träumt.
Meinem Spiel der Vorrunde, der einzigen Niederlage, widmete ich schon einen ausführlichen Text.

Die Transfers, einen nannte ich schon, waren sehr gut. Sechs Einkäufe, davon mit Medhi Benatia und dem erwähnten Spanier zwei nachträgliche, von denen nicht einer enttäuschte. Die größte Überraschung ist Juan Bernat, den außer Guardiola und der neue Chef-Einkäufer Michael Reschke nur europäische Allesgucker kannten. Er gewöhnte sich sehr schnell an Mannschaft, Spiel und Niveau, so daß sich David Alaba auch verletzen konnte, ohne daß dies großartig auffiel. Medhi Benatia ist ein rustikaler Innenverteidiger, der noch an seinem Temperament arbeiten muss. Boateng kann ihn da sicher beraten. Sebastian Rode, den ich bei Bekanntgabe seiner Verpflichtung arg belächelte, lehrte mich eines Besseren. Giftig und engagiert spielte er sich in die Stammachtzehn. Darüber darf sich nicht nur Matthias Sammer freuen. Robert Lewandowsi deutete nicht nur an, was er kann, sofern er nicht als Linksaußen eingesetzt wird.

Wenn es einen Verlierer gab, dann wohl Xherdan Shaqiri. Die Eindrücke der guten WM konnte er nicht bestätigen. Chancen bekam genügend, vor allem als Ribéry nach seiner Verletzung Form und Leichtigkeit suchte. Zu eigensinnig und defensiv ignorant zeigte er sich und musste am Ende der Vorrunde damit leben, daß ihm der A-Jugendliche Gaudino vorgezogen wurde. Beim letzten Spiel war er verletzt. Öffentliches Lamentieren über seine Rolle trug wenig zum Verständnis bei. Ihn zu verkaufen, erscheint als beste Lösung. Schade, denn er ist ein Spielertyp, den ich gerne sehe.
Für Pierre-Emile Højbjerg führt der dauerhafte Weg unter die ersten 18 nur über regelmäßige Spielpraxis, die ihm Pep Gaurdiola noch nicht garantieren kann. Ein anderthalbjähriges Intermezzo bei einer Bundesligamannschaft, die Fußball nicht nur als Vermeiden von Niederlagen (Mainz? Hoffenheim?) begreift, ist sinnvoll für ihn.

Die Skepsis wich schnell der Freude über eine Verwöhnvorrunde, die alles andere als langweilig war. Alleine das Aufstellungsraten vor jedem Spiel versprach schon Spannung. Spieltag für Spieltag dabei zuzusehen, wie sich die meisten Spieler unter Guardiola weiterentwickeln, ist faszinierend. Ein Rädchen greift ins andere und nichts schaut nach Zufall aus. Kleine Irrtümer werden noch vor der Halbzeit korrigiert. Für die Bundesliga ist das ärgerlich, für den Fan ein Quell spieltäglicher Freude.
Und Statistik ist relativ.

Nach der wohlverdienten Pause bereitet sich die Mannschaft auf die Rückrunde vor, die etwas mehr Aufschlüsse über die tatsächliche Stärke geben wird.
Wie stabil und flexibel die Mannschaft wirklich ist, werden wir voraussichtlich erst im Viertelfinale der Champions League erfahren, so der FC Bayern sich im Achtelfinale gegen die durch die Unruhen in der Ost-Ukraine gebeutelte Mannschaft von Schachtar Donezk durchsetzt, wovon ich ausgehe.
FC Chelsea, Real Madrid und das wieder unter dem Radar laufende Atlético Madrid sind neben dem FC Bayern die Favoriten auf den europäischen Titel. Der FC Barcelona scheint noch nicht zur Stärke vergangener Jahre zurückgefunden haben, aber im Falle eines Aufeinandertreffens möchte ich die Faktoren Wut und Rache nicht unterschätzen. Das 0:7 dürften die Katalanen noch nicht vergessen haben.
Womöglich durch diese Vorrunde volltrunken bin ich jedoch optimistisch, daß der FC Bayern mindestens eine der genannten Mannschaft besiegt. In zwei oder nur in einem Spiel.

Der einzige dicke Wermutstropfen der Vorrunde ist der Ort des Trainingslagers: Katar. Ich kritisierte die erneute Wahl bereits mit deutlichen Worten. Denen wäre nichts hinzuzufügen, hätte Karl-Heinz Rummenigge am vergangenen Samstag im Aktuellen Sportstudio (Mediathek, ab Minute 6:37) sich nicht entblödet, der ignoranten Argumentation noch eins draufzusetzen:

Wir sind ein bißchen auch abergläubisch. Wir haben nach diesen ganzen Trainingslagern jeweils große, wichtige Titel gewonnen, insgesamt in den letzten zwei Jahren nämlich acht. Und das ist für uns auch ein wichtiger Faktor.

Aberglaube schlägt Menschenrechte – absurd! Die Aussage ist schlimmer als das unverzollte Einführen von Uhren. Letzteres wird bestraft…
Vielleicht bin ich einfach zu sehr nur Gutmensch und Fan, um das wirklich zu kapieren.