#ConstructKlee

„Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses“in der Pinakothek der Moderne

Man kann es sich sehr einfach machen, will man eine Klee-Ausstellung konzipieren Ansätze gibt es dank seines mannigfaltigen Œvres und seiner Aufzeichnungen genügend. In Zeiten rückläufiger Zuschauerzahlen muss man den BesucherInnen jedoch mehr bieten als nur eine Werkschau.

Kurator Oliver Kase und seine gestaltenden KollegInnen ist es gelungen, die Werke in einen Kontext, der seine Zeit im Bauhaus als Schwerpunkt hat, zu setzen und ein in räumliches Umfeld zu betten, dass die Ausstellung „Konstruktion des Geheimnisses“ zu einem Genuss macht. Die Gestaltung greift Klees Prozess mit Farben und Formen auf, so dass alleine schon jeder der zehn Räume sehenswert ist. Seine komplexen, geheimnisvollen Gedankengänge, die sich in verschiedene Phasen seines Schaffens wiederholen, ohne eine pure Reproduktion zu sein werden gegenübergestellt. Dabei erheben sie nicht den Anspruch, sie auflösen zu können. Es ist eben eine Konstruktion. Es ist lohnenswert, sich die Zeit zu nehmen, auf und mit welchen Materialien er gearbeitet hat. Es lassen sich Zusammenhänge erstellen. Die Ausstellung gewährt einen tiefen Einblick in Klees Wirken beim Bauhaus und dessen subtiler Kritik an der Entwicklung. Seine Mitmenschen haben vermutlich kein einfaches Auskommen mit ihm gehabt.
Ich habe selten eine ästhetischere und in Details verliebtere Ausstellung gesehen.

Begleitend zur Konstruktion des Geheimnisses gibt es die App #ConstructKlee, die typische Motive aufgreift und das Weiterspinnen in die heutige Zeit ermöglicht.

#ConstructKlee eignet sich auch hervorragend für Kinder und Jugendliche. Von Haus aus mit reichlich Phantasie ausgestattet werden sie hier sehr viele Anregungen finden. Es könnte lediglich für Eltern und ErzieherInnen nach dem Besuch etwas anstrengend werden…

An dieser Stelle möchte ich mich bei Antje Lange und Nadine Engel von den Pinakotheken bedanken, die mir spontan eine Exklusivführung gaben. Ich bin immer noch sehr gerührt ob dieser Einladung.

Links:
„Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses“ in der Pinakothek der Moderne, verlängert bis 18. Juni 2018
„Paul Klee. Landschaften“ im Franz-Marc-Museum in Murnau, bis 10. Juni 2018
Die App #ConstructKlee (Beeitrag im SWR-Magazin „Kunscht!“)

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Mit anderen Augen durch die Stadt – oder: das Albert-Renger-Patzsch-Virus

Inzwischen sind es über 2500 Photos. Photos, die im Rahmen der Ausstellung „Ruhrgebietslandschaften“ von Albert Renger-Patzsch entstanden sind. Diese sehenswerte und offensichtlich nicht nur mich inspirierende Schau ist noch drei Tage (bis 23.04.2017) in der Pinakothek der Moderne zu sehen.

Park.

Selten hat mich eine Ausstellung so getriggert wie diese Photographien, die man nicht nachstellen kann – schon gar nicht in München. Aber die Ende der 1920er Jahre entstandenen Bilder von Straßenszenen, Landschaften und längst stillgelegten Zechen sind nicht nur wunderbare Zeitdokumente, sondern auch Antrieb, die eigene Umgebung neu auf sich wirken zu lassen.
Ich habe mich schon immer gerne durch die Stadt treiben lassen, um dann stehen zu bleiben, wenn ich etwas Interessantes sehe, bzw. etwas bildlich festhalten will. Aber Die Neue Sachlichkeit hat mir die Augen nochmal neu geöffnet. Und das mit -12 Dioptrien!

Schienen ohne Bahn.

Der nach einer Führung veranstaltete Instawalk durch die Stadt zeigte sehr schnell, wie viele Motive es selbst im schicken München gibt. Das Kreativquartier, das ich mit einigen Anderen ansteuerte, ist nur ein Eck. Dort entstanden unterschiedlichste Bilder.
Andere zog es nach Neuperlach, ins Schlachthofviertel, Werksviertel, zu den ehemaligen Siemenswerken, etc. Alle kamen zufrieden zurück in die Cafeteria der Pinakothek der Moderne zurück, um sich auszutauschen. An diesem sonnigen Samstag im März kamen schon rund 400 Bilder zusammen.
In Leverkusen, Duisburg und Wesseling bei Bei Bonn fanden nahezu parallel auch Instawalks statt.

Baugerümpel.

Die Photos von Renger-Patzsch ließen mich nicht los, bemerkte ich recht schnell. In den darauf folgenden Tagen und Wochen bis heute fand ich viele Motive, die meine Lust am Photographieren neu erweckten. Ich erschloss mir Ecken, denen ich vorher keine Beachtung geschenkt hatte (Blumenau, Obersendling), und andere aufs Neue.
Die Befürchtung, nur während der grauen Märztage mit noch kahlen Bäumen, Inspiration zu finden, bewahrheitete sich nicht.

Kahl.

Zwischenräume tun sich in München zur Genüge auf. Man muss sie gar nicht lange suchen. Die eine oder andere Baulücke, hinter der sich prächtige Motive auftun, gibt es selbst in zentraler Lage. Irgendwo ragt immer ein Kran in den blauen oder trüben Himmel. Eine Straßenlaterne, die sich ins Bild krümmt, gibt es fast überall. Es ist eine Frage des Blickwinkels. Der Mut zum Zeit verzögernden Umweg ist dabei hilfreich. Nur mit dem Waschaufhang im öffentlichen Straßenbild wird‘s schwierig. Allerdings dürfte das eher an gewöhnlich gewordenen Trocknern als an fehlenden Leinen liegen.
Am besten kann ich das, wenn ich durch die Stadt gehe. Sitze ich in der Trambahn (und das mache ich bekanntlich gerne), rauschen mögliche Motive zu schnell an mir vorbei; auf dem Radl bin ich zu sehr mit meinem verkehrlichen Umfeld beschäftigt, als dass ich mich auf potentielle Bilder kaprizieren könnte.

Tor zur Stadt

Vier Wochen nach dem Instawalk fand eine Podiumsdiskussion mit Antje Lange (Leiterin Online-Kommunikation der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, Anke von Heyl (Herbergsmütter), Helena Grebe (Photographiestudentin Folkwang Universität der Künste) und Christian Gries (Kulturkonsorten) unter der Leitung der Kuratorin Dr. Simone Förster statt, die sich mit u.a. mit der Nachhaltigkeit von Ausstellungen und dieser im speziellen beschäftigte. Einig waren sich die TeilnehmerInnen, dass Kunst auch im digitalen Raum stattfinden muss. Die in den Museen gezeigten Originale verlieren nichts, solange die Technik sie nicht zerstört. Die Nachhaltigkeit ist über den Hashtag StadtLandBild auf Instagram gegeben. Die Akzeptanz und Vermittlung neuer Kulturtechniken ist wichtig, um neue BesucherInnen zu gewinnen.

Ödnis seit 1991.

Im Publikum zeigte man sich begeistert über Weiterführung der Ausstellung im Netz. Kontakte zu anderen BesucherInnen sind durch die Teilnahme am Instawalk entstanden. Der Wunsch, ähnliche Aktionen auch während anderer Ausstellungen zu ermöglichen, wurde mehrfach geäußert. („Wie sähe so etwas zu den Blauen Reitern aus?“)

St. Jakob

Es war mir ein großes Vergnügen und eine faszinierende Inspiration. Ich werde wohl noch einige Zeit mit dem Renger-Patzsch-Virus durch die Stadt gehen und photographieren.
Vielen Dank an die Kulurtkonsorten, Herbergsmütter sowie an Antje Lange, Anna Volz, Dr. Simone Förster von den Pinakotheken sowie die Kulturstiftung der Stadtsparkasse München für die Ausstellung, Inspiration, Speis und Trank!

Zum Schockraum.

Bilder:
#StadtLandBild auf Instagram
#StadtLandMuc auf Instagram
#StadtLandLev, #StadtLandDuis
Meine Bilder auf Instagram und flickr

Weiterführende Links:
Albert Renger-Patzsch: „Ruhrgebietslandschaften“ (Pinakothek der Moderne)
StadtLandBild (Pinakothek der Moderne)
StadtLandBild – Almanach nach des Zwischenraums (Kulturkonsorten)
Storify der Kulturkonsorten zum Instawalk
BR24/Rundschau zum Instawalk
Die Herbergsmütter zu StadtLandBild
Antje Lange über die Nachhaltigkeit von Social Media-Aktivitäten im Kulturbetrieb anhand von #StadtLandBild