Neunnachneun

Heute krankheits- und fortbildungshalber verspätet.

Diskriminierung
Nur der Tim geriet eine Fahrscheinkontrolle. Er blieb dabei nur stiller Beobachter, weil man ihm nicht zutraute schwarz zu fahren. Über Alltagsrassismus könnte ich auch Geschichten erzählen. Sind keine Türken und Farbige da, wird eben der langhaarige Rockträger kontrolliert.
In Taiwan solidarisieren sich Studenten mit Transsexuellen, indem sie Röcke tragen.

Politik
Georg Seesslen kritisiert die Rückkehr der Religion in die Politik.

Stadtentwicklung
Während man in München das Radwegenetz nur ausbaut, wenn keine Spuren für Autofahrer wegfallen, ist man in Wien etwas weiter. Das Auto, längst nicht mehr das Statussymbol vergangener Jahre, wird zunehmend als Platz fressender Fremdkörper wahrgenommen, das urbanes Leben erschwert. Der österreichische Verkehrsplaner Herrmann Knoflacher predigt das schon seit Jahrzehnten (Video).
In London treibt man es noch bunter: Der SkyCycle soll den Radverkehr mehr oder weniger revolutionieren.

München
Vergangenen Donnerstag fand die 1. Failnight statt. In anderen Städten als Fuckupnight bekannt, erzählen Leuteüber ihr berufliches Scheitern. Mucbook besuchte die Veranstaltung, Organisatorin Sabine Sikorski führt die Intention näher aus.
Terry Swartzberg trägt seit rund zwei Jahren öffentlich Kippa; Antisemitismus ist ihm nicht begegnet. Florian Gleibs, Geschäftsführer des koscheren Restaurants Schmock, macht andere Erfahrungen; die Schüler der jüdischen Schule fahren nicht mal zum Schwimmunterricht mit dem Bus. (Video)

Fußball
Ben Redelings schreibt über eine Begegnung mit dem wohl beliebtesten Bundesliga-Schiedsrichter aller Zeiten, Wolf-Dieter Ahlenfelder, der letztes Jahr verstarb.
Breitnigge setzt sich mit dem Engagement des FC Bayern München in China auseinander. Sam wollte ins Kino, bekam aber keine Karten.

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Verkleiden ist eine Form von Zuneigung

Der Text ist eine Replik auf „Kulturelle Aneignung und Alltagsrassismus im Fasching: warum ich meinen Kindern keine Indianerkostüme nähe“ von Ella.

Ich hasse Fasching, ich hasse Verkleiden. Deshalb feiere ich ihn nur, wenn ich dafür bezahlt werde. So also im Kindergarten, wo man dem Wahnsinn nicht entkommt, weil die alljährliche Krankmeldung am Faschingsdienstag selbst bei regem Personalwechsel auffällt.

Für viele Kinder ist Fasching jedoch ein Höhepunkt im pädagogisch wertvollen Betreuungsalltag, weil sie sich sich verkleiden können und dabei die Sau rauslassen können, es Süßkram in rauen Mengen gibt und das Personal alles, was den Anschein von Erziehung weckt, wenigstens für einen Tag zu hause lässt.

Betrachtet man sich die Kostüme der Kinder genau, tragen sie meistens etwas, was ihnen gefällt. Man ist umgeben von Löwen, Leoparden, Prinzessinnen, Pippi Langstrumpfs, Star Wars-Helden, Comicfiguren, die wir nicht kennen, Feuerwehrmännern und sogar Müllmännern. Und eben von Cowboys und Indianern. Sie verkleiden sich also als Jemand, der sie zumindest für den Moment sein möchten.
Das erklärt auch, warum man sehr wenige Mistkäfer, Ratten oder Küchenschaben sieht.

Natürlich bringen wir Kindern bei, dass Indianer oder Native Americans, wie das richtig heißt, unterdrückt wurden und werden. Und es ist nicht schwer, bei Kindern auf diesem Weg ein Gefühl für Ungerechtigkeit und Unverständnis zu wecken. Kinder spüren sehr schnell, was Menschen mit anderen Menschen anstellen, die eine andere Hautfarbe haben und deswegen diskriminiert werden.
Es ist wichtig, mit ihnen das zu thematisieren, verbunden mit der Hoffnung, dass sie es vielleicht besser machen, wenn sie erwachsen sind.

Und es ist absolut notwendig, dass alltagsrassistische Begriffe wie Negerkuss oder Zigeuner aus dem Wortschatz verschwinden, und wir sie von diskriminierenden Klischees fernhalten.
Ihnen jedoch aus gut gemeinter Haltung eine Kostümierung zu verbieten, die nicht dem Spott dient, sondern eine Zuneigung ausdrückt, ist falsch. (Warum Pierre Brice wegen seiner Rolle als Winnetou so beliebt ist, lasse ich an dieser Stelle außen vor.)
Nach dieser Logik dürften sich Kinder auch nicht als Bienen verkleiden, weil sie dank mit chemischen Mitteln gut ausgestatteter Menschen vom Aussterben bedroht sind.

Wir muten unseren Kindern schon sehr viel an politischer Korrektheit und kritisch reflektierender Pädagogik zu, überlassen den Besuch bei McDonalds – mit erhobenem Zeigefinger! – Paten und anderen pädagogisch Unbefleckten und wenden uns kopfschüttelnd ab, wenn die Großeltern ihnen mit schrill klingendem Plastikkram die größte Freude machen.
Wir müssen die Kindern nicht auch noch an Fasching mit unseren guten Absichten und einwandfreien Ansichten überschütten. Selbst wenn sie als Polizist gehen wollen.

Geht scheißen, Ihr braunen Arschlöcher und besorgten Mitläufer!

Bearbeitung und Sprecher:: Heinrich Rudolf Bruns (Audio) [*]

Schluss mit Toleranz und Verständnis!
Der Anschlag auf die gerade fertiggestellte Unterkunft für syrische Flüchtlinge in Vorra ist der bekannte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Physisch verletzt wurde dabei niemand.
Zum Glück.

Es ist mir scheißegal, welche Probleme Ihr habt.
Es ist mir aber nicht egal, dass Ihr Euch zu Tausenden zusammenrottet, um gegen die scheinbare Überfremdung des Abendlands zu demonstrieren.

(Bild: strassenstriche.net/flickr)

Dresden, 8.12.2014 (Bearbeitete Bildquelle: strassenstriche.net/flickr)

Pegida, Bagida, Ogida, Dugida, Wasweißichgida – der Untergang des Abendlands seid Ihr!

Die apostrophierte Gewaltfreiheit wird für Euch obsolet, wenn die Gegendemonstration so groß ist, dass Ihr früher heimgehen müsst.
Das reicht Euch noch nicht, denn Ihr müsst sie noch in Scharen anzeigen, damit Ermittlungsbehörden gar nicht erst Zeit haben, sich mit anderen Delikten zu beschäftigen.
Was ist mit faschistischen Schmierereien? Limburg, Vorra?

Keiner der Flüchtlinge nimmt Euch irgendwas weg.
Aber Ihr nehmt Euch was weg: den Anstand.
Schlimmer noch: Ihr sorgt dafür, dass Fremdenfeindlichkeit wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist!

Ihr Montagsnachtwächter habt den Schuss auch nicht gehört!
Ihr, die Ihr „RT deutsch“, Ken Jebsen, Jürgen Todenhöfer, Udo Ulfkotte als seriöse Quelle für „die Wahrheit“ anseht.
Ihr seid antifaschistisch und antirassistisch?
Nein, seid Ihr nicht!
Ihr seid antisemitisch und damit auch rassistisch!
Geht in den Keller, träumt von Sommermärchen und singt Lieder von Xavier Naidoo!

Vorsicht: der Weg dorthin ist kein leichter, weil Ihr stolpern könnt. Wenn Ihr hoffentlich unfallfrei unten angekommen seid, dankt den Alliierten
– ja, auch den bösen Amerikanern –
dass wir seit 1945 frei von Fliegeralarmen und herunter fliegenden Bomben sind!

Ich habe keine Lust mehr, die verbale Brandstiftung der CSU und ihres des Deutschen bedingt fähigen Generalsekretärs Andreas Scheuer wie die Deutschpflicht für Migranten und andere mehrsprachige Familien als Bestandteil von Integration zu euphemisieren.
Flüchtlinge, die für andere Flüchtlinge in den Hungerstreik treten, sind keine Erpresser,
sondern Menschen, die sich dafür einsetzen,
dass alle Flüchtlinge ein Grundrecht auf anständige Behandlung haben.
Und Hackfleisch ist kein Grießbrei!

Dass der braune Mob nicht unfallfrei nicht schreiben, aber folgenschwer zündeln kann, liegt auch in Eurer Verantwortung!

Ihr Intellektuellen Matthias Matussek, Ulf Poschardt, Jan Fleischhauer, Akif Pirincçi, et al.,
die Ihr im Elfenbeinturm der unbedeutenden Befindlichkeiten lebt,
lasst Euch sagen:
Homophobie ist kein Grundrecht, sondern das ekelhafte Ignorieren, im 21. Jahrhundert zu leben.
Ihr zieht mit Eurem Gejammer einen braunen und besorgten Sog an, der sich nicht nur im Internet austobt.
Bekommt Ihr das beim morgendlichen Cappuccino und abendlichen Whisky in den schick eingerichteten zweiten Wohnzimmern Eures Vertrauens noch mit?
Oder ist das Internet nur dann gut, wenn Ihr dort Euren eigenen Rotz rausschnäuzt?

Wir erleben einen Klimawandel, der atmosphärisch schlimmer als ausbleibender Schnee und fehlende Sonne im Sommer ist.
Es wird immer kälter, weil Grundregeln des Zusammenlebens in Frage gestellt werden.
Dieses Jahr erlebe ich als Temperatursturz.
Traumatisierte, hilfsbedürftige Menschen, die Unterstützung benötigen, werden als Bedrohung wahrgenommen und bekämpft.

Verbal und physisch.

Menschen, die sich dagegen wehren, werden von Neonazis, Polizisten und (anderen) besorgten Bürgern gefilmt, drangsaliert und bedroht.

Allein in München gab es diese Woche zwei (erwähnte!) rechte Übergriffe.
Ihr habt an Vorra und vielen anderen Übergriffen, die sich kaum noch dokumentieren lassen, gehörigen Anteil.

Die wieder aufgenommen Ermittlungen zum 34 Jahre zurück liegenden Oktoberfest-Attentat sind der einzige Lichtblick in dieser Woche, die ganz schlimm war und meinen Brechreiz förderte.

Ich kann nichts anderes sagen als dies:
Geht scheißen, Ihr braunen Arschlöcher und besorgten Mitläufer! Denn Scheiße ist noch das Beste, was Ihr ausscheidet.

Die Sorgen besorgter Bürger, die sich auch darin ausdrücken, sind nicht meine.
Spät bin ich in der Lage, das in Worte zu kleiden.
Zu spät?

[*] Mein Briederchen @hrbruns war von dem Text in seiner ursprünglichen Form recht begeistert und vertonte ihn nicht nur. Er brachte ihn eine metrische Form, die jetzt lesbarer und hörbarer ist. Mit Profis arbeiten!
Inspirierend waren auch berechtigte Rants von @Garpswelt und @surfin_bird, der von Zeit zu Zeit luschenelft.
Dafür bedanke ich mich an dieser Stelle sehr