Tramvent: 16. Tür

Straßenbahnen haben weniger Türen als Adventskalender. Dennoch fahren sie weitaus länger, als der Inhalt der Kalender vorhält. Deshalb gibt es hier während der stillen Tage, in den Trambahnen noch voller als sonst sonst, eine kleine Huldigung an die zarteste Versuchung, seit es Nahverkehr gibt.
Aber für jede Tür gilt: bitte erst aussteigen lassen!

Museumsstraßenbahn – Straßenbahnmuseum

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In Düsseldorf kann einem am Wochenende schon mal eine historische Straßenbahn über den Weg fahren.

Am schönsten sind alte Straßenbahnen, wenn sie fahren. Klänge aus der Kindheit und Jugend werden wieder wach gerufen, junge Menschen erfahren, wie Trambahnen früher klangen und aussahen – außen wie innen. So viel verarbeitetes Holz auf einmal sieht man in keinem Möbelhaus mehr. Im Gegensatz zu vielen anderen Exponaten in Museen sind sie beweglich, dürfen sich also in der Stadt zeigen, wenn man sie lässt. Dagegen kann die von den meisten begaffte und nur von den wenigsten wirklich bewunderte, hinter Panzerglas lebende Mona Lisa nicht anstinken!

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In Braunschweig fährt man mit seinen alten Trambahnen auch ab und an Gassi. (Bild: @rosalaut)

Man darf nicht übersehen, dass historische Straßenbahnen im Straßenbild ein Blickfang sind. Automobile Oldtimer bekommen Blicke zugeworfen, von denen mancher Star nur träumen kann. Sie sind rollende Werbung für ein Museum, das nicht nur in München an eher abgelegenen Orten liegt und in den Reiseführern allenfalls auf den hinteren Seiten der Sehenswürdigkeiten erwähnt wird. Gerne wird vergessen, dass historische Straßenbahnen ein Stück Stadtgeschichte repräsentieren.

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In München müssen Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen, damit historische Trambahnen eingesetzt werden.

Deshalb sind in vielen Städten regelmäßige Einsatze von historischen Fahrzeugen nur ein Traum. Eine (Wieder-)Zulassung ist vielen Betrieben zu teuer, obwohl viele Ehrenamtliche dafür verantwortlich sind, dass alte Bahnen dank Spenden in unzähligen Stunden fahrfähig gehalten oder gemacht werden. Gelingt das nicht, sehen sie wenigstens so aus, als ob sie nur ausrücken müssten.
Aber eine Zulassung kostet Geld, das Verkehrsbetriebe nicht haben, weil sie eigenwirtschaftlich arbeiten und Gewinn abwerfen müssen. Oder sie passen nicht nur Haltung Verantwortlicher, weil sie in der Tram Hindernis für den Autoverkehr sehen.

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Vorbildlich ist Nürnberg, wo regelmäßig Museumsstraßenbahnnen und-busse eingesetz werden. (Bild: Daniel Schuhmann/Tramgeschichten)

Immerhin gibt es in ein paar Städten Museen, die wenigstens Straßenbahnen aus der Zeit, in denen noch Klarer mit Speck getrunken wurde, die SPD noch flächendeckend Bürgermeister stellte, und die Zigaretten noch Kurmark hießen, gezeigt.
Auch wenn vielerorts inzwischen die örtlichen Verkehrsbetriebe die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, sind es die in speziellen Vereinen organisierten Ehrenamtlichen, die dafür verantwortlich sind, dass sie regelmäßig geöffnet sind. Sie wissen, was ausgestellt wird und können Ihnen im Gegensatz zu den WärterInnen in anderen Museen auch detailliert erklären, was gezeigt wird.

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Ein Spaß für Jung und Alt: das MVG-Museum

Falls Sie in München wohnen und dieses Wochenende noch eine Beschäftigung suchen, ihre Kinder bespaßen müssen, gehen Sie doch ins MVG-Museum! Neben schönen Exponaten, die man betreten darf, können Sie dort sogar noch Geschenke erwerben, weil es neben dem üblichen Shop auch einen Christkindlmarkt gibt, auf dem sie u.a. Modellbahnen, von denen Horst Seehofer nur träumen kann, erwerben können. Mit dem U-Bahn-Fahrsimulator können Sie in die Abgründe des Münchner Nahverkehrs blicken.
Das Museum hat heute von 15-20, morgen von 11-17 Uhr geöffnet. Ab dem Giesinger Bahnhof gibt es alle halbe Stunde einen Zubringer mit einer historischen Gummibahn.