Tatort-Polizeiruf-Schnelldurchlauf November 2014

Es fällt mir schon länger schwer, jeder Folge einzeln die Aufmerksamkeit zu schenken, daß es für eine wöchentliche Besprechung reicht. Viele Filme haben die Aufmerksamkeit nicht mehr verdient haben. Manchmal weiß ich schon am nächsten Tag nicht mehr, worum es ging, oder ich laufe Gefahr, mich ständig zu wiederholen.
Deshalb wird es in Zukunft nur noch vereinzelte Besprechungen geben. In der Regel dann, wenn sie wirklich sehenswert ist. Also eher selten.

346. Polzeiruf 110: Familiensache (NDR/König & Bukow)
Grandiose Folge, die einen eigenen Beitrag bekam.

347. Polizeiruf 110: Eine mörderische Idee (MDR/Brasch & Drexler)
Irgendeine Supermarkterpresung, ein am Hafen ermordeter Wachmann und ein koreanischer Computerexperte bildeten das Gerüst eines seltsamen Gemischs aus Magdeburg. Claudia Michelsen und Sylvester Groth sind passable Schauspieler, aber das Fertige, das den Figuren Brasch und Drexler anhaftet, hat so gar nichts Authentisches. Einzig Groths „Machdeburch“ wirkt überzeugend, wobei ich mit dem dort gesprochenen Dialekt nicht vertraut bin. Schlecht abgehangene Stangenware.
Ich glaube, der MDR kann wirklich nur Helene Fischer. (2,5/10)

922. Tatort: Vielleicht (RBB/Stark)
Der Abschied von Stark (Boris Aljinovic) hätte ein richtiger Kracher werden können. Die seherischen Fähigkeiten der norwegischen Psychologiestudentin Trude Bruun Thorvaldsen (Olsen Lise Risom) passten sehr gut zum ruhigen, mit verständnisvollen Timbre sprechenden Kommissar, der ihre Ängste ernst nahm. Es fehlte aber der bärbeißige Großstadt-Cowboy Ritter (Dominic Raake hatte keine Lust auf einen letzten Fall), der gegen den Esoterikkram rumstänkert. So zerfloss der an sich gute Plot in ständigem Konsens des Teams um den kleinen Cop. Dialoge aus der Hölle entwerteten den Film, der von Klaus Krämer geschrieben und umgesetzt wurde, über Gebühr. Der Zuschauer wurde ständig mit ausgesprochenem „Vielleicht“ darauf hingewiesen, daß das der letzte Fall ist. Konsequent war der Schluss, der offen hält, ob Stark den vorhergesagten Mordanschlag überlebt.
Die Besetzung des neuen Teams mit Meret Becker und Mark Waschke klingt hoffnungsvoll. (6/10)

923. Tatort: Eine Frage des Gewissens (SWR/Lannert & Bootz)
Je mehr Folgen mit Richy Müller und Felix Klare ich sehe, desto weniger kann ich die beiden auseinander halten. Dabei sehen sie sich gar nicht ähnlich. Aber sie plätschern so dahin. Der Beginn mit dem von Bootz erschossenen Räuber im Supermarkt war nicht schlecht. Vom Anwalt des Toten ordentlich in die Ecke gedrängt, wurde der Finale Rettungsschuss schön hinterfragt. Nach dem Mord an der einzigen Zeugin wurd’s arg behäbig und endete in der Kehrwoche. (4/10)

924. Tatort: Die Feigheit des Löwen (NDR/Falke & Lorenz)
Ein Giftmord mit der von Falke (Wotan Wilke Möhring) so geliebten Billsttedter Milch (mit Korn) etwas schmissiger gewesen als die Schleusergeschichte von Friedrich Ani. Das Versteckspiel um traumatisierte syrische Flüchtlinge und arrivierte Deutsch-Syrer kam leider nur schleppend in Gang. Action gab es nur, als der Milchtrinker und seine Kollegin Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) in der Kiste landeten und die Wiener (!) Gerichtsmedizinerin den Mord nachspielte. Da ist Ani, der gerne schräge Figuren einbaut, der Fiakergaul durchgegangen. (5/10)

Bonustracks
Der SWR wiederholte in den letzten Wochen zwei alte Tatort-Folgen aus den 70er Jahren.

17. Tatort: Kennwort Fähre (SDR/Lutz)
Die Gattin des Bootbauers Reiser ist auf dem Bodensee für immer von Bord gegangen. Kommissar Eugen Lutz (Werner Schumacher) glaubte an Mord und stieg dem verdächtigten Witwer ziemlich nach und verfolgte in durch den halben Südwesten bis nach Zürich. Neben der Wendung am Schluss beeindruckten die Außendrehs, die von Frankfurt über Stuttgart, verschiedenen Orten am Bodensee bis nach Zürich reichten. (8/10)

28. Tatort: Stuttgarter Blüten (SDR/Lutz)
Lutz bekam es in seinem ersten Fall in Stuttgart mit einem Mord im Falschgeldmilieu zu tun. Wolfgang Menge spann ein feines Netz mit vielen Fallstricken für Zuschauer und Ermittler, das Theo Mezger behutsam inszenierte. Höhepunkt war Volksschauspieler Willy Reichert in seiner letzten Rolle als listiger Rentner Eckstein, der den Kommissar nicht nur einmal an dr Nase herumführt.
Es gibt Lokalkolorit satt mit vielen heute alten Ansichten Stuttgarts. (7/10)

Tatort-Polizeiruf-Schnelldurchlauf Oktober 2014

Ein Knaller und viel Stangenware charakterisierten die Sonntag Abende im Ersten. Dazu gesellt sich ein Film, der kein Meisterwerk, aber sehr wichtig ist.

Ulrich Matthes und Ulrich Tukur im vielleicht besten Tatort aller Zeiten. (Bild: (HR/Philip Sichler)

Ulrich Matthes und Ulrich Tukur im vielleicht besten Tatort aller Zeiten. (Bild: (HR/Philip Sichler)

919. Tatort: Winternebel (SWR/Blum, Perlmann & Lüthi)
Jochen Greve (Buch) und Patrick Winczewski (Regie) stocherten arg im Trüben. Ja, der Nebel am Bodnsee kann sehr zäh sein, selbst die aus Grünwald dorthin versetzte Oberschicht kann nicht mal so eben die Sonne anknipsen. Die grenzübergreifenden Ermittlungen waren so langatmig wie künstlich erzwungen. Da eine Leiche, dort eine Leiche – schon hat man einen Fall. Scheinbare Brisanz bekommt es, wenn einer der Ermittler persönlich betroffen ist. Es fehlten Spannung und Esprit; eine Reportage über die schönsten Stellen am Bodensee im Herbst wäre interessanter gewesen. (2/10)

920. Tatort: Im Schmerz geboren (HR/Murot & Wächter)
Nein, ich bin nicht film- und litateraturfest, so daß die meisten Zitate an mir ohne Aha-Erlebnis vorübergingen. Ich war nicht mal in der Lage, die Leichen zu zählen (die Angaben schwanken zwischen 47 und 54). Letztlich ist es egal.
Denn was Michael Proehl (Buch) und Florian Schwarz (Regie), die schon „Weil sie böse sind“, ebenfalls für den HR, komponierten, zusammenspannen, war vorher noch nicht im Tatort zu sehen. Der Rachefeldzug von Murots altem Freund Harloff aus Polizeischultagen im heißen wie rustikalen Wiesbaden geriet zu einem Duell, das alle Register der Filmkunst zog. Ulrich Tukur und Ulrich Matthes agierten auf Augenhöhe, die Nebendarsteller waren ebenfalls hochkarätig.
Selten genug: das Finale war furios! Die vom Sinfonieorchester Hessischen Rundfunks eingespielte Musik rundete den vielleicht besten Tatort aller Zeiten ab. Es fällt mir sehr schwer, dieses Meisterwerk mit angemessenen Worten zu würdigen. (10/10)

345. Polizeiruf 110: Smoke on the Water (BR/von Meuffels)
Dieser Film ist die vielleicht größte Enttäuschung des Jahres innerhalb der sonntäglichen Krimireihen. Die für Qualität bekannten Günther Schütter und Dominik Graf schufen ein aufgeblasenes Werk um politische Machenschaften rund um eine ermordete Journalsitin, die mehr wusste, als sie durfte. Die gewohnt eindrucksvollen Bilder und Szenenwechsel hielten mit der Geschichte keineswegs stand. Man könnte meinen, das Nuscheln wäre Absicht gewesen, um den dünnen Inhalt schlecht zu verstehen. Das Finale geriet zur Materialschlacht von Masken- und Kostümbildern. Einziger Lichtblick war Judith Böhle als Freundin der ermordeten Journalistin.
Die hinterher geäußerte Kritik ob der gewaltverherrlichenden Szenen teile ich nicht. Bei einem Krimi erwarte ich keine Welt, wie sie mir gefällt, und Kinder haben bei dem sonntäglichen Ritual vor dem Fernseher nichts zu suchen. Viel Rauch um nichts. (3,5/10)

921. Tatort: Blackout (SWR/ Odenthal, Kopper & Stern)
Darf man Lena Odenthal jetzt „Die Alte“ nennen? Seit 25 Jahren ermittelt sie inzwischen am Tatort; ein Ende scheint nicht abzusehen. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn Redaktion und Autoren den Mut hätten, dieser Kommissarin mehr zuzutrauen. Gelungen ist die Darstellung ihrer Krise. Eine Frau um die 50 laviert sich mehr schlecht als recht durch einen Fall, weil ihr die Kraft fehlt. Die angedeutete Depression als Ergebnis, im Leben etwas falsch gemacht oder versäumt zu haben, stellte Ulrike Folkerts nachvollziehbar dar. Der Plot hielt dem jedoch nicht stand. Ein mit K.O.-Tropfen um die Ecke gebrachter Mann, junge Frauen, die damit gefügig gemacht wurden und eine eifersüchtige Ehefrau bildeten den Rahmen einer ermüdenden Geschichte.
Die neue Assistentin Stern (Lisa Bitter) nervte noch ziemlich; es ist der Figur – sie trug Tablet und Knarre in der Handtasche – zu wünschen, daß sie zukünftig weniger schablonenhaft charakterisiert wird. Eine verkopfte Fallanalytikerin kann dem Trott zwischen Odenthal und ihrem Mitbewohner Kopper ein wenig Schwung verliehen.
Ulrike Folkerts bringt das Dilemma der Figur Lena Odenthal in einem Interview mit dem Tatort-Fundus auf den Punkt: „Was ich mir wünsche für die Figur, dass man sie weiterentwickelt, weil das ist zu Ende erzählt – das Zusammen wohnen von Kopper und Lena… die Katze….“ Als Zuschauer kann man hoffen, daß sich der SWR, der seit einigen Jahren zumeist durchwachsene Tatorte zeigt, wieder mehr traut. Ansonsten versinken nicht nur die Ludwigshafener Folgen dauerhaft im Krimi-Einheitsbrei. (3,5/10)

Bonus: Landauer – Der Präsident
Ohne die Ultrà-Gruppierung „Schickeria“ wüssten wohl die meisten Personen (Funktionäre und Fans) rund um den FC Bayern München nicht, wer Kurt Landauer ist. In seiner Amtszeit von 1919 bis 1933 stellte er den Verein international auf, wofür er sehr viel Kritik im auf den Amateurstatus pochenden DFB erntete. Sein Engagement gipfelte in der ersten deutschen Meisterschaft 1932. Sein Werk wurde von den Nationalsozialisten jäh unterbrochen, die den jüdischen Kaufmann aus dem Amt jagten.
Der von Hans Steinbichler nach dem Buch von Dirk Kämper opulent inszenierte Film konzentriert sich auf die Zeit zwischen 1947, als Landauer aus dem Schweizer Exil zurückkehrend auf dem Weg nach New York nur Zwischenstation in München machen wollte, und 1951. Der Verein lag wie die Stadt in Schutt und Asche, und er fühlte sich verantwortlich, seinen FC Bayern wieder aufzubauen. Josef Bierbichler zeichnet einen kantigen und durchsetzungsfreudigen Landauer, der den Verein wieder zum Leben erweckt. Der Film hält sich nicht genau an die Geschichte, was zu vernachlässigen ist, weil die Figur und ihr Wirken im Vordergrund stehen. Wahrscheinlich wäre der Film allerdings ohne Bierbichler nur schwer erträglich, denn an einigen Stellen wird durch bedeutungsschwangere Musikuntermalung sehr dick aufgetragen.
In Zeiten immer offener ausgelebten Antisemitismus und Rassismus setzt der Film jedoch ein wichtiges Zeichen zur richtigen Zeit und kann auch als Hommage an auf Antirassimus setzende Fanarbeit angesehen werden. Der FC Bayern hat die Zeichen spät erkannt und Kurt Landauer 2013 in einer von Uli Hoeneß‘ Tränen geprägten Jahreshauptversammlung posthum zum Ehrenpräsidenten ernannt. (7/10)
[Der Film ist noch bis 15.01.2015 in ARD-Mediathek abgelegt.]

Vorschau November:
Vorfreude: Der neue Polizeiruf mit den Rostocker Rock’n’Rollern König und Bukow.
Neu für mich: das Magdeburger Polizeirufteam, das bereits seinen dritten Fall löst.
Zum letzten Mal: Der letzte Tatort mit Boris Aljinovic als Felix Stark; Dominic Raacke quittierte schon eine Folge zuvor den Dienst.

Einschlafroulette

896. Tatort: Todesspiel (Blum & Perlmann/SWR)

Perlmann und der Konschdanzer Superschdar (Bild: SWR/Peter Hollenbach)

Perlmann und der Konschdanzer Superschdar (Bild: SWR/Peter Hollenbach)

Seit gestern Abend wissen wir, daß es auch in Konschdanz die sogenannten besseren Kreise gibt. Sie unterscheiden sich von denen, wie wir sie von Derricks Grünwald kennen, nicht.
Schnösel, die möglichst schnell sehr viel Geld verdienen wollen, langweilen sich allabendlich bei Champagner. Wenn sie nicht selbst feiern oder fremdgehen, spielen sie Russisches Roulette, bei dem es schon mal Tote geben kann.
Dieses Szenario wurde von Jürgen Pomorin (auch als Leo P. Ard bekannt) langweilig und schablonenhaft skizziert. Die uninspirierte Regie von Jürgen Bretzinger tat ihr übriges.

Wer bei diesem Einschlafroulette als Erster wegdämmerte, hatte gewonnen.
Ich mag Konstanz, ich mag Eva Mattes, ich mag Sebastian Bezzel, aber die Bodenseetatorte sind häufig so zäh wie der Bodenseenebel. (2/10)

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Weitere Meinungen: Les Flâneurs, Michael, Tatort-News

Tatortschnelldurchlauf

Ich habe das Besprechen von Tatorten in den letzten Monaten arg schleifen lassen. Es haben sich viele Folgen angetürmt, von denen ich einige nicht mal gesehen habe. Die letzten Sechs gibt’s nun im Schnelldurchlauf, beginnend mit dem zuletzt gezeigten.

888. Tatort: „Happy Birthday, Sarah!“ (Lannert & Bootz/SWR)
Das hätte ein solider Tatort werden können. Der Plot um einen ermordeten Sozialarbeiter in einem sozialen Brennpunkt war schlüssig und nicht so ambitioniert verschwurbelt, wie er einem gerne mal am Sonntag Abend serviert wird. Auch die Hauptfigur Sarah (gespielt von Ruby O. Fee) wirkte glaubwürdig.
Aber in welcher Welt leben Redakteure, wenn sie den Film, der eine 13-Jährige in den Mittelpunkt stellt, mit Rolling Stones, The Prodigy, Creedence Cleerwater Revival und Aerosmith untermalen? Leider waren auch die Dialoge wieder fern jeglicher authentischen Jugendsprache, was das Vergnügen minimierte. Das anstrengende Privatleben des Kommissars Bootz darf in der nächsten Folge gerne reduziert und weniger klischeehaft (bei Papa dürfen die Wände bemalt werden) dargestellt werden. (4,5/10)

887. Tatort: „Mord auf Langeoog“ (Falke & Lorenz/NDR)
Den Milchtrinker Falke in seinem zweiten Fall auf die Insel zu schicken, war keine so gute Idee. Der Charakter hätte noch den einen Mord in vertrauter Umgebung gebraucht, um konturenreicher zu sein. Auch keine gute Idee war es, Nina Kunzendorf wieder als Ermittlerin einzusetzen. Trotz Brille und hervorragendem Schauspiel sind die Erinnerungen an Conny Mey noch zu frisch. Und die Geschichte zog sich arg. Das war zu viel Ebbe.
So blieben nur sehr schöne Bilder einer schönen Insel und ein herrlich zurückhaltend aufspielender Sebastian Schipper übrig. (4,5/10)

886. Tatort: „Eine andere Welt“ (Faber & Böhnisch/WDR)
Diesmal war es ein Waschbecken auf dem Präsidiumsabort, das der am Rande des Wahnsinns agierende Faber zertrümmerte. Seine Kollegin Böhnisch wäre ihm auch fast zum Opfer gefallen, als die Grenzen zwischen Nachstellen des Mords und Streit arg verwischten. Das war großes Fernsehen von Jörg Hartmann und Anna Schudt! Die Nachwuchsermittler Dalay und Kossik nervten weniger als in den ersten beiden Folgen und hatten sogar komische Momente.
Trotz der umfangreichen Vergangenheit des Kommissars wurde die Geschichte um eine junge Frau, die zwischen Plattenbau und High Society lebte und diesem Widerspruch zum Opfer fiel, schön und ausführlich dargestellt. Dazu gab es knackige Dialoge. Einzig die hektische Kamera, die inzwischen Standard geworden scheint, störte ein wenig. (8/10)

885. Tatort: „Kalter Engel“ (Funck, Schaffert & Grewel/MDR)
Wenn die Öffentlich-Rechtlichen Jugend versprechen, ist Vorsicht geboten. Wenn der MDR, dem wir unvergessene Fernsehabende mit Helene Fischer und Achim Menzel verdanken, ein junges Team ermitteln lässt, ist Gefahr im Verzug. Fahren Redakteure und Autoren eigentlich nie Bus oder Bahn, daß sie nicht mitbekommen, wie junge Menschen wirklich sprechen?
Am meisten entsetzt mich immer noch, daß dieser Schund – irgendwas mit Drogen – von Thomas Bohn, dem wir u.a. die brillante Folge Tod aus dem All verdanken, geschrieben und inszeniert wird. Zu allem Überfluss wird Alina Levshin auch noch als altkluge Praktikantin zwischen halbstarken Kommissaren vergeudet.
Ich fürchte den Tag, an dem der von ARD und ZDF geplante Jugendkanal auf Sendung geht. Dann lieber Til Schweiger oder Alarm für Cobra 11. (1/10)

884. Tatort: „Aus der Tiefe der Zeit“ (Batic & Leitmayr/BR)
Dominik Grafs neuester Film glänzte mit gewohnter Dichte, griff Münchner Themen (Gentrifizierung!) auf und zeigte die Stadt, wie Stadt heute viel zuwenig gezeigt wird in der inzwischen unübersichtlich gewordenen Anzahl an Ermittlerteams und ihren Orten.
Dennoch überdrehte der Meister des Polizeifilms. Es mag in einem Zirkus verrückter zugehen als anderswo, aber das Drumherum mit Korruption in der Verwaltung strengte mehr an, als daß es wirklich begeistern konnte. Dem hervorragenden Ensemble (u.a. Erni Mangold und Meret Becker) gelang es jedoch, ihre Figuren nicht zu lächerlichen Marionetten verkommen zu lassen. Batic und Leitmayr zeigten, daß sie keinen nervenden Kurzzeitassistenten brauchen, weil sie sich selber noch etwas zu erzählen hatten und ermitteln mussten.
Für einen Graf war es dennoch zu wenig, für einen gerade noch guten Tatort reichte es allemal. (7/10)

883. Tatort: „Die chinesische Prinzessin“ (Thiel & Boerne/WDR)
Prof. Boerne geriet wieder mal in Kalamitäten, weil er wohl der letzte war, der die erstochene Prinzessin, Künstlerin und Dissidentin Sogma nach ihrer Vernissage lebend sah. Thiel musste ihn aus dem Sumpf, in dem natürlich auch um Politik und Verschwörung badeten, ziehen.
Boerne war’s natürlich nicht, und die diplomatischen Beziehungen wurden nur kurzzeitig beeinträchtigt. Das Zwerchfell wurde wenig beansprucht. (4,5/10)

Müder Rausschmeißer

878. Tatort: Letzte Tage (Blum & Perlmann/SWR)

Das war ein arg müder Rausschmeißer vor der Sommerpause!
Ich habe nichts gegen ein langsames Erzähltempo, aber das war einschläfernd. Vielleicht lag es daran, daß zu viel geredet wurde, anstatt Bilder sprechen zu lassen.
Das Kompetenzgerangel zwischen Blum und Lüthi war nervig, das Knistern zwischen Perlmann und der schönen Mia war arg sperrig inszeniert. Überhaupt Perlmann: Wird er jetzt dauerhaft zum nichts sagenden Dritt-Kommissar?
Dazwischen wurde viel auf die Tränendrüse gedrückt, anstatt wirklich etwas zu zeigen oder gar auszusagen.
Wenigstens sprach Oliver Wnuk keinen künschdlichen Dialekt. (2/10)