Boazn TV

Die neue Serie von Franz X. Bogner Moni‘s Grill

Jetzt ist es passiert. Franz X. Bogner, Schöpfer generationsübergreifend beliebter Serien wie Irgendwie und Sowieso, Zur Freiheit etc. hat mit seinem neuesten Werk Moni‘s Grill zum ersten Mal etwas richtig Schlechtes abgeliefert.

Einen Genremix aus Serie und Talkshow versprechen Bogner und Bayerischer Rundfunk. Ein Prominenter besucht seine gute Freundin Moni und unterhält sich mit ihr. Nun, die Gespräche mit der Moni sind belanglos. Von Hella von Sinnen erfahren wir, dass sie wieder Sex hat, Schorsch Hackl lässt uns wissen, dass sich ehrgeizige Sportler nicht mit zweiten Plätzen nicht zufrieden geben und die Gebrüder Wepper erzählen vom Krieg. Man kennt sich, man mag sich. Wie gut es sein kann, wenn Prominente sich mit Moderation zum Essen treffen, zeigt Sarah Kuttner in Kuttner plus Zwei.
Vielleicht hätte es wirklich gut werden können, wenn man nicht auf Nummer Sicher gegangen wäre. Die Auswahl der Prominenten Bogner soll das ARD-Publikum nicht verprellen.

Zu allem Überdruss verlässt sich Bogner auf MarionMonika Gruber und Christine Neubauer als Hauptdarstellerinnen. Deren schauspielerisches Talent ist überschaubar, was in München 7 nicht ins Gewicht fällt, hier jedoch fatal ist. Die Beiden spielen sich selbst, was viele Andere besser können. Einzig Sarah Camp als deren Mutter hebt sich ab. Bogners Stärke, Unbekannten (Ottfried Fischer, Julia Koschitz – um nur zwei zu nennen) liebevolle wie schrullige Rollen auf den Leib zu schreiben, fehlt vollkommen. Die Nebenfiguren, auch eine Gabe von ihm, sind blass und dienen lediglich als Füllmasse in einem dünnen Plot um Münchner Gastronomie. Die Idee, Frauen als unfähige Mütter, die sich von ihrer renitenten Brut auf der Nase herumtanzen lassen, zu zeigen, ist seit 20 Jahren Bestandteil vieler Familienserien und wird nicht origineller, wenn die Kinder Consuela und Hermes heißen.
Einzig der Marienplatz mit seinem Rathaus überzeugt.

Bei Moni‘s Grill schmeckt‘s wie in einer Wirtschaft, wo tief gefrorene Fleischpflanzerl aus dem Discounter in der Mikrowelle anbrennen und der Kartoffelsalat aus dem 5-Kilo-Eimer stammt. Statt visueller Wirtshauskultur ist diese Serie nur Boazn TV.

(Un-)Fair

Es ist unfair, dass ich vor 4 Jahren Deine Grenzen überschritten habe.
Aber ich fand keinen anderen Weg, Dich vor dem Äußersten zu bewahren.

Es ist unfair, dass Du danach den Kontakt abgebrochen hast.
Aber Du fandest keinen anderen Weg, mich von Dir fernzuhalten.

Es ist unfair, dass ich Dich an Weihnachten überfallen habe.
Aber ich fand keinen anderen Weg, als das Fest mit Dir zu feiern.

Es ist unfair, dass ich Dir Gschaftlhuberei vorgeworfen habe. Aber ich fand keinen anderen Weg, Dir mein Befremden über Deine Arbeit auszudrücken.

Es ist unfair, dass Du immer erst dann zu mir gefunden hast, wenn Dein Job Dich frustriert hat. Aber Du fandest keinen anderen Weg, weil es keinen kürzeren gab.

Es ist unfair, dass ich mich nicht gemeldet habe, als ich offline war und andere Probleme hatte. Aber ich fand keinen anderen Weg, obwohl es welche gab.

Es ist unfair, dass Du den Kontakt zu mir so abrupt abgebrochen hast. Aber Du musstest diesen Weg wohl gehen.

Es ist unfair, dass wir uns nicht unter normalen Umständen kennengelernt haben. Aber vielleicht gab es keinen anderen Weg.

Es ist unfair, dass ich nicht nur Erleichterung über Deine Rückkehr empfinde. Aber den Weg der Beschimpfung kann ich nicht mitgehen.

Es ist fair, dass man Wahlverwandtschaften aufkündigen kann. Wir finden keinen Weg mehr zueinander.

Es wäre fair, wenn Du zu Zufriedenheit fändest. Aber den Weg dorthin kennt anscheinend niemand.

Alles Gute!

Neujahrsnacht 2016

Unaufgeregt aufgeregt unaufgregt

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Dieser Jahreswechsel versprach, ähnlich langweilig unspektakulär zu verlaufen wie in den vergangenen Jahren zuvor. Daheim, in Ruhe und so.
Mit meinem temporären Mitbewohner verbrachte ich einen trotz der Sorge um seinen Vater, den Hein, einen entspannten Abend, der so weit führte, dass ich mich sogar endgültig mit Willy Astor versöhnte. Wie es dazu kam, ist eine Geschichte, die hier gerade nicht reinpasst; aber vielleicht merke ich sie mir und gebe sie ein andermal zum Besten.

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Ist man so ohne Internet (im #2tHaushalt gibt es so etwas nicht, und ich wollte am letzten Tag des Jahres zwei Texte veröffentlichen, bin aber an zwei scheinbaren Free W-LAN-Stellen gescheitert – Technologiestandort Deutschland!), ist meinereiner überrascht, wenn ein mehreckiges Laufband über den (immerhin schon) Flachbildschirm läuft, dass auf einen Terroralarm in der Stadt hinweist.

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Da das Unterhaltungsprogramm nicht abgebrochen wurde, und „nur“ der Haupt- und der Pasinger Bahnhof geräumt wurden, verhielten wir uns dem Programm angemessen und amüsierten uns prächtig. Die Aufzeichnung wurde zweimal unterbrochen, als ein junger Mann, der den Eindruck erweckte, den Nachtdienst auf dem Account @BR24 zu bestreiten, die undankbare Aufgabe hatte, zusätzlich noch eine „Rundschau“-Sonderausgabe zu moderieren, in der nicht mehr tun konnte, als die Meldung auf dem Laufband in mehr als 140 Zeichen darzustellen. Das ist kein Spott, denn er tat uns leid, weil er einen verdammten Job verrichten musste, warten musste, bis ein „Wichtiger“ ihn ablöste, und sein Name nicht angezeigt wurde.
Dazwischen gab Gerhard Polt bei Willy Astor einen Nazi-Opa.
Kurz danach traten Andreas Bachmann (im Studio), und Oliver Bendixen auf den Plan und erläuterten die diffuse Lage, bevor Joachim Herrmann herrlich derangiert und fast schon sympathisch seine Erkenntnisse darlegte.

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Danach wagten wir uns raus. Dabei entstanden diese Bilder.

Spätestens an dieser Stelle gebührt ein Dank an die Damen und Herren, die den Twitteraccount @PolizeiMuenchen betreuen und pflegen. Sie versuchen den Ernst der Lage zu vermitteln, ohne Panik zu verbreiten, und verbreiten ihre Informationen noch mehrsprachig.
Für mich ist die Polizei Feindbild, und ich bin es für sie.

Jahresrückblicksfragebogen 2015

Dieses Jahr ist vor lauter Agonie und Lethargie so an mir vorbeigeplätschert, dass ich mich heuer auf ein paar wenige Fragen beschränke.

Zugenommen oder abgenommen?
Gefühlt abgenommen.

Haare länger oder kürzer?
Länger.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Die Gleitsichtgläser konnte ich ein weiteres Jahr aufschieben.

Mehr Kohle oder weniger?
Weniger.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Folglich auch weniger.

Mehr bewegt oder weniger?
Weniger.

Die gefährlichste Unternehmung?
Laut der Münchner Polizei und des Stadtrats der Besuch zweier Amateurederbys.

Der beste Sex?
Was?

Die teuerste Anschaffung?
Es bewegte sich alles im maximal zweistelligen Bereich.

Das leckerste Essen?
Das Gulasch, das ich im Herbst zubereitet habe, hat mich ziemlich begeistert.

Dein berührendste Film?
Ich bekam eine Kinoeinladung, die ich wegen anderer Verpflichtungen ausschlagen musste.

Das beste Lied?
Ich habe noch nicht mal „Hello“ von Adele gehört. Wie soll ich das also beantworten können? Im Ohr habe ich nur „Mia san ned nur mia“ von Dreiviertelblut. Es gibt Schlimmeres.

Das schönste Konzert?
Nicht sehr musikalisch, aber sehr eindrucksvoll: die „Badstuber“-Anfeuerungsrufe unmittelbar vor seiner Einwechslung nach langer Verletzung gegen den VfB Stuttgart.

Die meiste Zeit verbracht mit …?
Mir.

Vorherrschendes Gefühl 2015?
Scheiße.

2015 zum ersten Mal getan?
Zwei Menschen miteinander verkuppelt.

2015 nach langer Zeit wieder getan?
Einen anderen Menschen geduscht und andere Pflegetätigkeiten.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
In erster Linie auf mich und meine Unzulänglichkeiten.

2015 war mit einem Wort …?
Scheiße

2016 wird …?
Muss!

[2013, 2014]

Hessiche Befindlichkeiten

968. Tatort: Wer bin ich? (HR/Murot & Wächter)

[Der folgende Text entstand auf den ausdrücklichen Wunsch eines Lesers.]

Die Idee, den Darsteller Tukur des Tatort-Kommissars Murot während der Dreharbeiten in einen scheinbaren Mordfall zu verwickeln, ist originell wie hochtrabend. Der Grat, auf dem sich der Film im Film bewegt, ist indes sehr schmal. Es wir schnell abstrus, wenn der selbstironische Blick auf das Innenleben einer Fernsehspielredaktion mit den Befindlichkeiten kapriziöser Schauspieler in den Vordergrund rückt. Dass der Plot nicht wie ein Kartenhaus zusammenfällt, ist vor allem den hervorragenden Schauspielern zu verdanken, die sich mit einem Augenzwinkern gekonnt auf die Schippe nehmen. Besonders Martin Wuttke, der in diesem Film sein Können zeigt, das man in allen Leipziger Tatorten vermisste, und Michael Rotschopf als Redakteur Hochstätt brillieren. Die Darstellung der „richtigen“ Ermittler ist schon fast gemein. So schlecht angezogene Männer gibt es ansonsten nur in der Lindenstraße zu sehen.

Nach dem schwer zu überbietendem Meisterwerk „Im Schmerz geboren“ war die Fallhöhe groß. Dass sich die Beteiligten – Redaktion, Autor/Regisseur und Darsteller – für etwas vollkommen anderes entschieden, war nicht verkehrt. Es ist der Experimentierfreude der Fernsehspielredaktion des HR um Liane Jessen und Jörg Himstedt zu verdanken, dass sowohl aus Wiesbaden als auch aus Frankfurt keine Stangenware zu sehen ist. So schaue ich gelassener über eine schwächer Folge hinweg als über die x-te fad gewürzte Hausmannskost aus Ludwigshafen oder Leipzig, die für B*ld-RedakteurInnen und LeserInnen wenigstens keiner Erklärungen bedarf.

(7,5/10)

Mehr:Tatort-Fundus; Les Flâneurs; Keyflake: „Tatort – Zwischen Qualität und Quote

Es gibt keinen günstigen Zeitpunkt

Meine Befürchtung war, dass Hein in Bälde stürzt und sich etwas bricht. Sein Gehen hat sich in den letzten Wochen verschlechtert. Ob es an der Wahrnehmung liegt oder an schwindenden Kräften, weiß ich nicht. Aber seine Stolperer im Treppenhaus bereiteten uns ein wenig Sorge. Sein Tempo verlangsamte sich.

Doch es kam anders.
Am vergangenen Sonntag brach Hein nach einem Spaziergang in der Trambahn zusammen. Die Rettungsdienste, Notarzt und Feuerwehr, waren sehr schnell vor Ort; es gelang ihnen, ihn zu reanimieren.
Seit dem liegt er auf der Intensivstation und ist noch nicht aufgewacht. Was zum Zusammenbruch führte, ist immer noch unklar, was natürlich die Therapie erschwert.
Hein ist in guten Händen, auch wenn Weihnachten Zuhause wesentlich schöner gewesen wäre.

Es gibt keinen günstigen Zeitpunkt, aber am 4. Advent kurz vor Weihnachten im Krankenhaus zu landen, schmeckt sehr bitter.