Mixtape mit 16: Seien Sie tapfer!

Ja, so geht Blogparade.

1988 wurde ich 16. Meine Hauptbezugsquelle für Musik war tatsächlich das Radio, was den Radius einschränkt, wir hatten keinen Plattenspieler mehr, einen CD-Player gab es noch nicht, und MTV ist an mir vollkommen vorüber gegangen. Der Fernseher war noch Schwarz-Weiß, wir waren nicht verkabelt, und ich weiß nicht, ob wir die Privatsender schon terrestrisch empfangen konnten. Ich habe auch keine älteren Geschwister, die mich musikalisch positiv oder negativ hätten beeinflussen können.

Da 1988/89 schon ein paar Jahre zurück liegen, musste ich recherchieren, was sich damals so Hit schimpfte. Das folgende Mixtape klingt also wie die Playlist eines Dudelsenders aus der damaligen Zeit. Seien Sie tapfer, aber es gibt ein paar Ausreißern, die ich meiner Peer Group verdanke.

Ich habe in diesen Jahren einige Mixtapes zusammengestellt (ich hatte immerhin ein Doppelkassettendeck!), aber dieses gab es so nie. Aber darum geht’s ja nicht.

A-Seite (44:38)

Yazz: The Only Way Is Up (4:02)
Das lief, als ich im Sommer 1988 in Bournemouth auf Sprachreise war, rauf und runter. Bei der Gastfamilie lief der ständig der Fernseher, wo ich auf darauf stieß. Als ich wieder in München war, lief es in deutschen Radios rauf und runter. Ich hab’s importiert. Sorry für das Annie-Lennox-Double, aber Wasserstoffblond war damals schwer angesagt.

Stan Ridgway: Camouflage (4:57)
Eine Eintagsfliege von 1986, die lange Jahre zu meinen Lieblingsliedern gehörte. Schmerzfrei konnte ich es selten hören, weil ich lange Zeit hoffnungslos in Nina aus der Klasse unter mir verliebt war.

Erste Allgemeine Verunsicherung: Heiße Nächte in Palermo (3:32)
So, bevor in den Kommentaren jemand sein Schandmaul zu voll nimmt: die EAV liebe ich heute noch! Und dieses Lied vereint Komik und Melancholie.

AC/DC: Heatseeker (3:50)
Es begann dank Peer Group meine Metalphase. AC/DC brachte Blow Up Your Video raus, was heute zurecht als eines der schlechtesten Alben der Australier gilt.
Ich durfte ja im Gegensatz zu meinen Altersgenossen fast nix (weggehen, zum Beispiel), aber ich durfte mir als erster in der Jahrgangsstufe die Haare wachsen lassen!

Desireless: Voayage, Voayage (4:10)
Irgendwie schafften es Französinnen 1988 in die Charts. Ein klassischer Sommerhit einer Künstlerin, die jeder Moderator anders aussprach.

Rainhard Fendrich: Macho, Macho (3:22)
Es gibt wesentlich bessere Songs von ihm, aber das war sein größter Hit und ein wenig programmatisch für München, weshalb ihn Radio Gong 2000 auch stündlich spielte. Mindestens. Danach bewies er, dass man mit charmantem Schmäh besser moderieren kann als Rudi Carrell, bevor er nach Kokstherapie Hochdeutsch sang.

The Beatles: Penny Lane (3:03)
Ein oder zwei Jahre davor wurde ich mit den Beatles bekannt gemacht. Zu der Zeit mein Lieblingslied von den Fab Four.

George Harrison: Got My Mind Set On You (3:54)
Mit Cloud Nine feierte der jüngste Beatle sein großes Comeback. Das Album gab mir den Anstoß, mich auch mit den anderen Soloprojekten der Beatles zu beschäftigen.

Rod Stewart: Baby Jane (4:17)
Puh, Musik, Frisur und das Alter seiner Frauen sind immer gleich geblieben. Ich hätte also auch das in dem Jahr aktuelle Lost in You nehmen können. Wurde später wirklich dreist, als er nicht nur einmal Tom Waits coverte.

Tracy Chapman: Talkin‘ Bout A Revolution (2:52)
Klein und unspektakulär. So’n bisschen erziehermäßig mit dem Hauch von Lagerfeuerromantik.

Terry Jacks: Seasons In The Sun (3:34)
Das Lieblingslied meiner Mutter, das immer laut aufgedreht wurde, wenn es gespielt wurde. Gehört also hier rein.

Edelweiß: Bring Me Edelweiß (3:50)
Ja, ganz schlimm.

B-Seite (44:52)

Iron Maiden: The Number Of The Beast (4:48)
Etwas komplexer als AC/DC. Die Cover ihrer Platten waren auch besser, gehen aber auch nicht als große Kunst durch.

Tanita Tikaram: Good Tradition (2:52)
So, mal kein Hit. Twist My Sobriety war ja recht erfolgreich, aber dieser gefiel mir besser. Und in jeder Anmoderation wurde betont, dass Tanita Tikaram in Münster geboren wurde.

Erste Allgemeine Verunsicherung: Sandlerkönig Eberhard (6:03)
Wurde meines Wissens nie als Single veröffentlicht, erfreute sich aber bei uns größter Beliebtheit. Romeo und Julia auf Österreichisch – heute noch groß!

Roy Orbison: You Got It (3:00)
Ja, der Song ist Schlager! Als fleißigem Oldiesendungenhörer mit Julia Edenhofer und Georg Kostya war mir Roy Orbison ein Begriff. Er feierte nach langen Jahren mit vielen Tiefen ein fulminantes Comeback – sowohl als Solist als auch als Mitglied der Supergroup Traveling Wilburys. Erleben durfte er es nicht mehr, weil er im Dezember 1988 verstarb.

Bryan Adams: Summer Of 69 (3:41)
Damit wurde ich auch in Bournemouth angefixt. Ich kaufte mir auch für £6,99 das Album auf Cassette. Habe später mit Bryan Adams gebrochen, als eine seiner CD’s offen im 7er-BMW des verhassten Wirtschaftslehrers herumlag.

Bon Jovi: Lay Your Hands On Me (6:01)
Ja nun. Wenigstens trug Jon seine Haare damals noch lang.

The Moody Blues: Your Wildest Dreams (5:01)
Noch so ein Lied, das ständig auf dem sich damals zwischen Schlager und besserer Musik bewegenden Bayern 3 gespielt wurde und meine Mutter gerne lauter drehte. Süß und pappig. Danach kam von Moody Blues nix mehr; ich glaube, sie sind an dem Lied erstickt.

The Dubliners & The Pogues: The Irish Rover (4:07)
Ich weiß nicht mehr, wer die beiden irischen Bands bei uns einschleuste. Auf jeden Fall wurde damit meine Leidenschaft für Irish Folk und Trinklieder geweckt. Und tanzen kann man dazu auch sehr gut. Also, was ich halt Tanzen nenne, Kenner bezeichnen es eher als Hüpfen.

Tommi Pieper singt ALF: Hallo Alf, hier ist Rhonda (4:10)
ALF war ja einer der letzten Fernsehserien für Kinder und Jugendliche, die das ZDF auf seinem 17.50-Uhr-Sendeplatz ausstrahlte. ALF finde ich immer noch super! Den Song, den ALF’s deutsche Stimme Tommi Pieper sang, ist rechter Schrott.

Moinlabs: Sweet Home Weihenstephan (~3:00)
Die Hommage des musikalischen Genies unseres Jahrgangs an „das beste Weißbier auf der Welt“. Eine gelungene Coverversion des BTO-Hits Sweet Home Alabama, die er im Musikunterricht zur Begeisterung aller, inklusive des offenen Lehrers, vorspielte.
Vorspielen kann ich es Ihnen nicht, weil Rainer den Song irgendwo archiviert hat. Aber gehen Sie davon, daß seine Version besser als das Original ist! (Dass es bessere Weißbiere als das von Weihenstephan gibt, möchte ich nicht an dieser Stelle vertiefen.)

#mixtapemit16 der Anderen:
Nurdertim, Spielbeobachter, Stefan, Trotzendorff, Felix, Raute 22c, dierudola, Turnhallenphil, El Loko, Rosas Welt, Curi0us, Silbensalat, Steffen, Craggan, Sam, Johannes, Jan Blurr, Brandy, Teilzeitborussin, Garpswelt, keyflake (A-Seite), Homer, Doktor_D, @geissy69, SvenGZ, rebiger, ClioMZ, hellojed, Marco Jansen, Steffi

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8 Gedanken zu “Mixtape mit 16: Seien Sie tapfer!

  1. Wer sich über EAV lustig macht hat diese Band nicht verstanden. Ich verfolge sie seit Watumba nicht mehr, aber ihre Alben und Lieder bis dahin werden immer einen Platz in meinem Herzen haben. Außerdem waren sie 1988 mein erstes Konzert und es war großartig!

  2. Pingback: #mixtapemit16 | silbensalat

  3. „Voyage, Voyage“, das plärrte 1988 in ewiger Wiederholung beim Schüleraustausch in Frankreich aus dem dortigen Radio. War mir gar nicht so klar, dass das auch hier ein Hit war.

    Und Danke für den Tipp zu ALF – den Song kannte ich noch nicht. Ich finde ALF auch immer noch super, und das nicht zuletzt wegen der Stimme bzw. Synchronisierung (siehe hier).

    George Harrisons „Cloud Nine“ war die erste CD, die ich mir kaufte. Also nicht erste Platte, wohlgemerkt, nur das erste Musikwerk auf CD. Fand ich aber total enttäuschend langweilig. Sowas sollte von einem Beatle sein? Naja.

  4. Pingback: Mixtape mit 16 | Teilzeitblog der Teilzeitborussin

  5. Ja, ich hatte nicht nur ein Mix-Tape sondern eine ganze Sammlung.

    Standen zeitweise auch als Geschenke hoch im Kurs 😉

    Und zu “Voyage, Voyage” fällt mir noch „Joe le taxi“ von Vanessa Paradis ein

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