Tramvent: 9. Tür

Straßenbahnen haben weniger Türen als Adventskalender. Dennoch fahren sie weitaus länger, als der Inhalt der Kalender vorhält. Deshalb gibt es hier während der stillen Tage, in den Trambahnen noch voller als sonst sonst, eine kleine Huldigung an die zarteste Versuchung, seit es Nahverkehr gibt.
Aber für jede Tür gilt: bitte erst aussteigen lassen!

Summer of 37

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37er an der Senftenauerstraße

Im Sommer 2005 führte die MVG während der umfangreichen Rekonstruktionen im Streckennetz spezielle Baustellenlinien ein. Abweichend von den regulären Liniennummern erhalten sie bis heute die Signale 30-39 und verbinden durch Bauarbeiten abgehängte Äste zu einer Linie.
Für die Fahrgäste ist das eher lästig, für die Freaks jedoch eine Freude, weil diese Linien gerne mit P-Wägen bestückt werden.

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Zeitlos schön: die Querung des Nymphenburger Kanals

Im Sommer 2009 meinte es die MVG besonders gut mit mir und richtete die Linie 37 ein, die zwischen Amalienburgstraße, Hauptbahnhof und Gondrellplatz die Linien 17 und 18 ersetzte.
37!
Nun muss man wissen, dass die Quersumme meines Geburtstages 37 ergibt, und ich während dieser Baustellenphase – Sie ahnen es bereits – 37 Jahre alt wurde. Und dann fuhr die Linie 37 auch noch mit P-Wägen! Doch das war nicht alles. Da unter anderem die Gleiskreuzung am Max-Weber-Platz, den in der Früh und am Abend jede Tram passieren musste, während dieser Zeit erneuert wurde, musste der 37er über die Wörthstraße, wo ich seinerzeit wohnte, ausrücken.

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Wörthstraße, Fahrtrichtung Milchstraße.

So bin ich in diesen Wochen nicht nur einmal gegen 4 Uhr aufgestanden, um etwa eine halbe, dreiviertel Stunde später an der Wörthstraße einzusteigen.
Der Ausrückweg war wegen der Sperrung des Herzstücks recht lang. Er führte von der Wörthstraße über die Osttangente am Paulaner vorbei zum Ostfriedhof. Weil man damals noch nicht direkt Richtung Nockherberg abbiegen konnte, mussten alle ausrückenden Trambahnen noch eine Ehrenrunde über den St.-Martins-Platz drehen, um in die Innenstadt zu gelangen.

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Ehrenrunde über den St.-Martins-Platz

Damit nicht genug. Am Stachus angekommen, musste noch ein Abstecher über den Karolinenplatz gemacht werden, um dann in die Bayerstraße Richtung Hauptbahnhof – Amalienburgstraße bzw. Gondrellplatz abbiegen zu können. (Am Stachus wurde auch rumgeflickt.)

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Abstecher zum Karolinenplatz erfolgreich absolviert

Abends vollzog sich das gleiche Schauspiel noch einmal, nur in umgekehrter Richtung. Da der 37er am Samstag Nachmittag von 7,5 Minuten auf 10 Minuten ausgedünnt wurde, rückten die P-Wägen bei bestem Licht ein.

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Einrücker trifft Sonderfahrt

Ich kann‘s nicht anders sagen: Es war ein geiler Sommer.

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Auf dem Heimweg an der Metzgerei Vogl vorbei

Besser wird‘s wahrscheinlich nicht mehr. Es sei denn die MVG kommt auf die Idee, den HVZ-Kurs auf der Linie 23 mit einem P-Wagen zu bestücken. Aber das ist bis jetzt nicht mehr als ein feuchter Traum.

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Spieglein. Spieglein…

Ich bedanke mich bei Stefan Erhard vom Tramreport, wo es übrigens auch einen Aπfentskalender gibt, für die Inspiration zu diesem Türchen.
Meine gesammelten 37er-Bilder gibt es auf meinem Flickr.

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